Syn­gen­ta sind ei­ne Lang­fristan­la­ge

MAN SPRICHT VOM Kurs­schub in den Ak­ti­en des Pflan­zen­schutz- und Saat­gut­kon­zerns – Vor­teil­haf­tes Ri­si­ko­pro­fil

Finanz und Wirtschaft - - AUF EINEN BLICK - ANDRE­AS MEI­ER

Die Ak­ti­en von Syn­gen­ta ha­ben ei­nen flot­ten Jah­res­auf­takt hin­ge­legt. Der Kurs rück­te in der zu­rück­lie­gen­den Wo­che von 275 ge­gen 300 Fr. vor, nach­dem er zu­vor im No­vem­ber und De­zem­ber in ei­ner en­gen Band­brei­te von 275 bis 288 Fr. ver­harrt hat­te. Der Vor­marsch von fast 10% in bloss vier Ta­gen wird in Markt­kom­men­ta­ren den gu­ten Quar­tals­re­sul­ta­ten des Dün­ger-und Tier­fut­ter­her­stel­lers Mo­saic so­wie des Saat­gut­kon­zerns Monsan­to zu­ge­schrie­ben.

Quir­li­ge Roh­wa­ren­märk­te

Al­ler­dings: Im Dün­ge­mit­tel-und Tier­fut­ter­be­reich ist Syn­gen­ta nicht ak­tiv, und Monsan­to hat nach ei­nem Ge­winn­sturz im Ver­lauf von 2009 und 2010 wie­der Tritt ge­fasst und – wie von den Ana­lys­ten er­war­tet – erst­mals wie­der ein bes­se­res Re­sul­tat prä­sen­tiert. In­so­fern kann von der Ge­schäfts­ent­wick­lung die­ser bei­den Un­ter­neh­men nicht au­to­ma­tisch auf die von Syn­gen­ta ge­schlos­sen wer­den.

Doch al­len An­bie­tern von Gü­tern und/ oder Di­enst­leis­tun­gen an die Land­wirt­schaft kom­men die ver­hält­nis­mäs­sig ho­hen und ten­den­zi­ell stei­gen­den Prei­se von Agrar-Roh­wa­ren ent­ge­gen. Hö­he­re Prei­se för­dern die In­ves­ti­ti­ons­lust der Bau­ern, wo­durch die Nach­fra­ge nach gu­tem (teu­re­ren) Saat­gut, nach Pflan­zen­schutz­mit­teln und nach Dün­ger steigt. Zu­dem kön­nen die Zu­lie­fe­rer in ei­nem sol­chen Um­feld eher Preis­er­hö­hun­gen durch­set­zen.

Al­ler­dings spie­len Kaf­fee oder Zu­cker, die der­zeit die Roh­wa­ren-Hausse an­trei­ben, in Be­zug auf Syn­gen­ta oder Monsan­to ei­ne un­ter­ge­ord­ne­te Rol­le. Wich­tig für die gros­sen Agro-Zu­lie­fer­kon­zer­ne sind vor al­lem die Märk­te Mais, So­ja, Baum­wol­le und Wei­zen.

Syn­gen­ta hat ei­ne star­ke Stel­lung vor al­lem im Mais-und So­ja-Saat­gut­markt (oh­ne al­ler­dings an die do­mi­nan­te Po­si­ti­on Monsan­tos her­an­zu­kom­men); die­se Märk­te zei­gen bis­her ver­hält­nis­mäs­sig mo­de­ra­te Preis­stei­ge­run­gen. Das Preis­ni­veau liegt noch im­mer un­ter dem Re­kord­stand von Mit­te 2008. An­ders im Fall von Baum­wol­le, wo Re­kord­prei­se no­tiert wer­den. Hier ver­fü­gen Monsan­to und Bayer über ei­ne stär­ke­re Markt­po­si­ti­on als Syn­gen­ta.

Doch die un­ter­schied­li­chen Preis­ent­wick­lun­gen soll­ten nicht den Blick für das gros­se Bild ver­stel­len. Preis­schü­be in nach­wach­sen­den Roh­wa­ren sind oft von be­grenz­ter Dau­er. Sie wer­den aus­ge­löst durch Ern­tebe­ein­träch­ti­gun­gen (im Fall der Baum­wol­le et­wa durch die Flut in Pa­kis­tan) oder plötz­li­che Nach­fra­ge­stei­ge­run­gen. Und sie klin­gen ab, weil die ho­hen Prei­se da­zu füh­ren, dass die im Preis mar­kant ge­stie­ge­ne Feld­frucht von den Land- wir­ten ver­stärkt an­ge­baut wird. So wird da­mit ge­rech­net, dass die An­bau­flä­che für Baum­wol­le in Ka­li­for­ni­en 2011 dop­pelt so hoch sein wird wie noch vor zwei Jah­ren, was in Ka­li­for­ni­en zu Las­ten von Ge­mü­se und Süd­früch­ten geht. In den an­de­ren Süd­staa­ten der USA wird die An­bau­flä­che von So­ja wohl be­ein­träch­tigt (was be­reits Hin­wei­se dar­auf gibt, wo der nächs­te Preis­schub er­fol­gen könn­te).

Syn­gen­ta kann von die­sen Ent­wick­lun­gen pro­fi­tie­ren, wenn auch we­ni­ger aus­ge­prägt als et­wa Dün­ger­her­stel­ler, die im Herbst we­gen Lie­fer­eng­päs­sen sehr gros­se Preis­er­hö­hun­gen durch­set­zen konn­ten.

Für Saat­gut und Pflan­zen­schutz­mit­tel dürf­ten Preis­stei­ge­run­gen nur par­ti­ell rea­li­sier­bar sein. Zum ei­nen ge­ra­de des­halb, weil hö­he­re Dün­ger-und Die­sel­kos­ten den Land­wir­ten ei­nen Teil der grös­se­ren Er­trä­ge ver­schlin­gen und des­halb preis­sen­si­bel re­agie­ren. Zum an­de­ren, weil Monsan­to of­fen­bar die Stra­te­gie ver­folgt, den Markt­an­teil aus­zu­wei­ten und da­her die Prei­se nicht er­hö­hen wird, was an­ge- sichts der Markt­macht von Monsan­to auch Preis­auf­schlä­ge der Kon­kur­renz ver­hin­dern dürf­te.

Viel güns­ti­ger als Monsan­to

Doch selbst dann, wenn Syn­gen­ta mit­tel­fris­tig si­gni­fi­kan­te Ge­winn­trei­ber feh­len, ist das Un­ter­neh­men lang­fris­tig sehr gut po­si­tio­niert, um von der welt­weit ste­tig wach­sen­den Nach­fra­ge nach Nah­rungs­und Fut­ter­mit­teln zu pro­fi­tie­ren. Ne­ben Saat­gut für die flä­chen­do­mi­nan­ten Feld­früch­te wer­den Sa­men ver­schie­dens­ter Ge­mü­se-, Früch­te-, Blu­men-und Ge­trei­de­ar­ten an­ge­bo­ten. Des Wei­te­ren ist Syn­gen­tas Pa­let­te an Pflan­zen­schutz­mit­teln ei­ne der brei­tes­ten der Bran­che, die über ein glo­ba­les Ver­triebs­netz ver­mark­tet wer­den. Die An­ge­bots­viel­falt und die glo­ba­le Prä­senz min­dern das Ri­si­ko.

Der lang­jäh­ri­ge Leis­tungs­aus­weis zeigt zu­dem, dass der Kon­zern auch in wachs­tums­schwa­chen Zei­ten in der La­ge ist, ho­he Mar­gen zu er­wirt­schaf­ten, was dem Ak­tio­när ho­he Di­vi­den­den­si­cher­heit gibt.

Monsan­to da­ge­gen ist we­gen der Fo­kus­sie­rung auf gen­ver­än­der­tes Saat­gut wachs­tums­stär­ker. Das Un­ter­neh­men hat den Er­trags­ein­bruch im letz­ten Jahr da­zu ge­nutzt, die Kos­ten zu sen­ken, was be­son­ders ab 2012 zu deut­lich hö­he­ren Ge­win­nen füh­ren soll­te. Die Fo­kus­sie­rung auf gros­se Feld­früch­te und ein nur schma­les (da­für gross­vo­lu­mi­ges) Pflan­zen­schutz­seg­ment macht den Kon­zern in­des ri­si­ko­an­fäl­li­ger. Monsan­to sind we­gen des Tech­no­lo­gie-Cha­rak­ters mit ei­nem Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis (KGV) von 26 (Ge­winn­schät­zung 2011) be­wer­tet. Syn­gen­tas KGV da­ge­gen ist mit 17 deut­lich tie­fer, was mit Blick auf das vor­teil­haf­te­re Ri­si­ko­pro­fil als un­ge­recht­fer­tigt er­scheint.

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