De­blo­ckie­ren

Finanz und Wirtschaft - - AUF EINEN BLICK -

Das po­li­ti­sche Jahr 2011 ist ge­prägt von den eid­ge­nös­si­schen Wah­len vom 23. Ok­to­ber. Des­halb rich­tet sich der wich­tigs­te Po­lit­wunsch an die Wäh­ler: Es ist höchs­te Zeit, dass sie an der Wahl­ur­ne die po­li­ti­sche Blo­ckie­rung der Schweiz auf­bre­chen. Seit die zwei Pol­par­tei­en zur Lin­ken (SP) und zur Rech­ten (SVP) zu­sam­men im Na­tio­nal­rat über ei­ne ab­so­lu­te Mehr­heit ver­fü­gen, tritt die Po­li­tik in we­sent­li­chen Be­rei­chen auf der Stel­le. Den bei­den kon­ser­va­ti­ven, po­pu­lis­ti­schen Par­tei­en geht es nicht in ers­ter Li­nie um die Sa­che, son­dern um Par­tei­po­li­tik und die Be­die­nung der ei­ge­nen Kli­en­tel. Da rei­chen sich die zwei Par­tei­en denn auch all­zu oft die Hän­de zu un­hei­li­gen Al­li­an­zen. Die Blo­cka­de lässt sich nur über ei­ne Stär­kung der eher sach­po­li­tisch aus­ge­rich­te­ten Par­tei­en der Mit­te auf Kos­ten der Pol­par­tei­en auf­bre­chen. Ih­ren trau­ri­gen Hö­he­punkt er­leb­te die un­se­li­ge Blo­cka­de­po­li­tik im ver­gan­ge­nen Herbst, als SP und SVP zu­sam­men die 11. AHV-Re­vi­si­on ver­senkt ha­ben. Da­mit wur­de ei­ne gros­se Chan­ce ver­tan, die AHV mit ei­nem re­la­tiv sanf­ten, ers­ten Schritt auf die sich nun rasch ak­zen­tu­ie­ren­den Pro­ble­me der Al­te­rung der Be­völ­ke­rung vor­zu­be­rei­ten. Die Po­li­tik ist ge­for­dert, die­se Pro­ble­me un­ver­züg­lich an die Hand zu neh­men. Wenn die zen­tra­len Wei­chen­stel­lun­gen nicht bin­nen we­ni­ger Jah­re er­fol­gen, wird kein Weg an schmerz­haf­ten und un­er­wünsch­ten Not­mass­nah­men vor­bei­füh­ren (vgl. Sei­te 21).

Ein drin­gen­der Wunsch an die Po­li­tik be­steht auch dar­in, den Ver­su­chun­gen zur Über­re­gu­lie­rung zu wi­der­ste­hen. Zu­nächst wird sich das Par­la­ment mit den bun­des­rät­li­chen Vor­schlä­gen zur Too-big-to-fail-Pro­ble­ma­tik (vgl. FuW Nr. 101 vom 29. De­zem­ber) aus­ein­an­der­zu­set­zen ha­ben. Es tut gut dar­an, sich von der Er­kennt­nis lei­ten zu las­sen, dass Kri­sen auch in Zu­kunft nicht ver­hin­dert wer­den kön­nen. Es muss dar­um ge­hen, all­fäl­li­ge Schä­den zu mi­ni­mie­ren. Da­für braucht es nicht mehr, als der Bun­des­rat vor­schlägt.

Aku­te Über­re­gu­lie­rungs­ge­fahr be­steht auch im Ak­ti­en­recht. Die vom Stän­de­rat be­schlos­se­ne steu­er­li­che Son­der­be­hand­lung ho­her Löh­ne und Ge­häl­ter (vgl. FuW Nr. 99 vom 18. De­zem­ber) geht zu weit, schränkt die Hand­lungs­frei­heit der Un­ter­neh­men über Ge­bühr ein und scha­det letzt­lich dem Stand­ort Schweiz. Der Na­tio­nal­rat hat die Chan­ce, noch recht­zei­tig die Brem­se zu zie­hen.

Re­dak­tor Zum The­ma Wunsch­zet­tel zur Schwei­zer Po­li­tik

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