Den­ta­lak­ti­en er­ho­len sich

Vor al­lem No­bel Bio­ca­re ge­sucht – Ver­wir­rung um Ro­ches Ta­mif­lu – War­ten auf Jah­res­zah­len

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSE SCHWEIZ - ERICH BÜRGLER UND ARNO SCHMO­CKER

Der Schwei­zer Ak­ti­en­markt hat ge­gen En­de der ers­ten Han­dels­wo­che im neu­en Jahr den Schwung ver­lo­ren. Im Vor­feld des US-Ar­beits­markt­be­richts vom Frei­tag­nach­mit­tag woll­ten sich die In­ves­to­ren nicht zu stark ex­po­nie­ren. Der Be­richt zeig­te für De­zem­ber ei­nen an­hal­ten­den Auf­wärts­trend am Ar­beits­markt. Der Stel­len­zu­wachs lag al­ler­dings un­ter den Er­war­tun­gen des Mark­tes. Die Zah­len gel­ten als wich­ti­ger In­di­ka­tor für den Zu­stand der welt­gröss­ten Volks­wirt­schaft. Mehr Jobs be­deu­ten ei­ne An­kur­be­lung des Pri­vat­kon­sums.

Nach ei­nem schwa­chen Start der USBör­se rutsch­ten die Schwei­zer Ak­ti­en am Frei­tag tie­fer ins Mi­nus. Im Wo­chen­ver­gleich blieb für den Swiss Mar­ket In­dex SMI ein Plus von 1% auf 6497.

Mehr Be­we­gung auf dem Bör­sen­par­kett dürf­te die nächs­te Wo­che brin­gen, wenn ers­te Schwei­zer Un­ter­neh­men die Bü­cher öff­nen und Eck­da­ten wie Um­satz oder Be­stel­lungs­ein­gang be­kannt­ge­ben. Da­zu ge­hö­ren Ge­be­rit, Sul­zer, Hu­ber+Suh­ner und Si­ka. Dann wird es ers­te Hin­wei­se ge­ben, wie sehr die Stär­ke des Fran­kens ins Ge­wicht fällt. Spu­ren im Um­satz wird zu­min­dest der Um­rech­nungs­ef­fekt hin­ter­las­sen. Zu die­sem The­ma wird es sich in der spä­ter star­ten­den Be­richts­sai­son oh­ne­hin loh­nen, et­was ge­nau­er hin­zu­schau­en. Die Wäh­rungs­si­tua­ti­on könn­te zum Teil da­für hin­hal­ten müs­sen, an­de­re Pro­ble­me zu ka­schie­ren.

Ver­lie­rer-Ak­ti­en sind ge­fragt

Im Ban­ken­sek­tor wur­den zu­nächst mal Ver­lie­rer­ak­ti­en ge­kauft. Da­zu zäh­len na­ment­lich EFG In­ter­na­tio­nal (+3,9%), die 2010 – auf be­reits nied­ri­gem Ni­veau – mehr als 10% ein­ge­büsst hat­ten. Ein Ab­schrei­ber im drei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­reich im ers­ten Se­mes­ter ani­mier­te ja nicht ge­ra­de zu Käu­fen. Doch mit Blick auf die Zu­kunft ka­men die In­ves­to­ren zum Jah­res­be­ginn zum sel­ben Er­geb­nis, wie es «Fi­nanz und Wirt­schaft» im Ti­tel ei­nes Ar­ti­kels vor Weih­nach­ten fest­hielt: «Für EFG kann es nur bes­ser wer­den.» Im­mer­hin scheint der Neu­geld­zu­fluss bis heu­te nicht spür­bar ge­lit­ten zu ha­ben.

Dy­na­misch ge­stal­te­te sich der Jah­res­auf­takt für Cre­dit Suis­se Group an der Bör­se. Die Pa­pie­re klet­ter­ten 7%. Im ver­gan­ge­nen Jahr hat­ten sie mehr als ein Vier­tel ein­ge­büsst (nach ei­ner Ver­teue­rung um mehr als 90% im Vor­jahr). Die CS strebt mit ei­nem «neu­en», auf Kun­den­auf­trä­ge aus­ge­rich­te­ten Ge­schäfts­mo­dell sta­bi­le­re Er­geb­nis­se als in der Ver­gan­gen­heit an – doch der Bör­sen­kurs schwankt wie eh und je. In der kom­men­den Wo­che be­ginnt der Rei­gen der Jah­res­er­geb­nis­se im Fi­nanz­sek­tor. Den Auf­takt be­strei­tet die Hy­po Lenz­burg, de­ren Va­lo­ren sich wäh­rend der Fi­nanz­kri­se sehr sta­bil hiel­ten. Nach­dem die an­de­re grös­se­re ko­tier­te Re­gio­nal­bank, die CA St. Gal­len, die Ver­schmel­zung mit der Swiss Re­gio­bank an­ge­kün­digt hat, wür­de es nicht über­ra­schen, wenn die «Hy­pi» ein­mal mehr ih­re Ei­gen­stän­dig­keit be­ton­te.

Im As­se­ku­ranz­seg­ment er­wie­sen die In­ves­to­ren die­se Wo­che den un­ter­be­wer­te­ten Ak­ti­en die Gunst. Be­son­ders ge­fragt wa­ren Vau­doi­se (+8,5%), wo­bei der hef­ti­ge Kurs­an­stieg durch le­dig­lich un­we­sent­lich grös­se­re Han­dels­vo­lu­men aus­ge­löst wur­de. Die Avan­ce en­de­te am Frei­tag nach Ge­winn­mit­nah­men. Ge­fragt wa­ren Swiss Li­fe (+5,5%), ob­wohl er­neut Mel­dun­gen über die zu Jah­res­be­ginn ver­schärf­te Auf­sichts­pra­xis in Be­zug auf die so­ge­nann­ten Ver­si­che­rungs­män­tel (In­suran­ce Wrap­pers) und die Ka­pi­tal­aus­stat­tung der Ver­si­che­rer her­um­ge­bo­ten wur­den.

Die Ti­tel der bei­den Phar­ma­kon­zer­ne No­var­tis (+0,5%) und Ro­che (GS –1%) ka­men nicht vom Fleck. Der Ge­nuss­schein ge­riet zeit­wei­lig un­ter Druck, da in Be­zug auf den Um­satz von Ta­mif­lu Ver­wir­rung auf­kam. Zu­nächst hat ei­ne Spre­che­rin ei­ne An­fra­ge von Reuters be­stä­tigt, wo­nach der Um­satz des Grip­pe­mit­tels im vier­ten Quar­tal noch rund 50 Mio. Fr. be­trug, was für das gan­ze Jahr ei­nen Um­satz von 860 Mio. Fr. er­gibt. Tags dar­auf wi­der­rief die Me­dienstel­le die Aus­sa­ge. Man be­stä­ti­ge le­dig­lich die Um­satz­pro­gno­se von bis zu 1 Mrd. Fr. für 2010. Letzt­lich kommt es aber ei­ner Be­stä­ti­gung der Reuters-Mel­dung gleich.

Syn­thes zu­rück­ge­stuft

Die Ak­ti­en SGS wa­ren 1% im Mi­nus. Der Prüf­kon­zern hat in Hong­kong ein klei­nes auf Tests für Un­ter­hal­tungs­elek­tro­nik spe­zia­li­sier­tes Un­ter­neh­men über­nom­men. Die Gen­fer wer­den am 17. Ja­nu­ar die Be­richts­sai­son der Ge­sell­schaf­ten aus dem SMI ein­läu­ten. Es sind so­li­de Zah­len mit ei­nem leich­ten Um­satz-und Ge­winn­wachs­tum zu er­war­ten. Die Va­lo­ren no­tie­ren 9% un­ter dem An­fang De­zem­ber er­reich­ten All­zeit­hoch von 1709 Fr.

No­bel Bio­ca­re (+6,2%) pro­fi­tier­ten von den Quar­tals­zah­len des US-Med­techKon­zerns Bio­met, St­raumann zo­gen am Frei­tag eben­falls an, konn­ten über die Wo­che aber nicht ganz mit­zie­hen (–1,7%). Bio­met wies für ih­re Den­tal­spar­te trotz ei­nes Dämp­fers in den USA ein wäh­rungs­be­rei­nig­tes Wachs­tum von 3% aus. Die Kurs­re­ak­ti­on zeigt aber auch, dass die An­le­ger im Zahn­im­plan­ta­te­sek­tor mitt­ler­wei­le mit we­nig zu­frie­den sind. Syn­thes (–1,1%) ver­lo­ren we­gen der Bio­met-Zah­len. Im Be­reich Trau­ma er­litt das Un­ter­neh­men ei­nen Um­satz­rück­gang von 3%, was für Syn­thes we­nig Gu­tes hof­fen lässt.

Die Raf­fi­ne­rie­va­lo­ren Pe­trop­lus (+8%) rück­ten vor. Mit dem stei­gen­den Öl­preis nimmt der Wert des La­gers zu. Zu­gleich wach­sen aber auch die Fi­nan­zie­rungs­und Be­triebs­kos­ten, weil die Raf­fi­ne­ri­en ei­nen Teil des ver­ar­bei­te­ten Öls selbst als Ener­gie­quel­le ver­wen­den. In der Bran­che ma­chen sich zu­dem mehr und mehr Be­fürch­tun­gen breit, dass die stei­gen­den Roh­stoff­kos­ten den glo­ba­len Auf­schwung brem­sen könn­ten. Die ge­gen­wär­ti­ge Si­tua­ti­on er­in­nert sehr an die ers­te Hälf­te 2008, als das För­der­kar­tell Opec wie auch die Fi­nanz­märk­te sich zu­ver­sicht­lich ga­ben, dass die Welt­wirt­schaft mit ei­nem Öl­preis um 100 $ pro Fass gut zu­recht­kom­me. Was folg­te, war die schwers­te Re­zes­si­on seit Jahr­zehn­ten.

Mi­cro­nas un­ge­bremst

Die Strom­va­lo­ren BKW FMB Ener­gie (+3,7%) blie­ben auf dem Vor­marsch. Nach­dem Ver­sor­ger­wer­te ver­gan­ge­nes Jahr deut­lich hin­ter dem Ge­samt­markt zu­rück­ge­fal­len sind, steckt in ih­nen ei­ni­ges Auf­hol­po­ten­zi­al. Auch hat sich die re­gu­la­to­ri­sche Si­tua­ti­on im Schwei­zer Elek­tri­zi­täts­markt vo­r­erst et­was ent­spannt. So konn­te die Bran­che im Herbst Preis­er­hö­hun­gen durch­set­zen. Sor­gen be­rei­tet den hei­mi­schen Strom­kon­zer­nen je­doch nach wie vor der schwa­che Eu­ro, der ih­nen die Ge­win­ne aus dem Ex­port­ge­schäft ab­gräbt.

Wei­ter­hin steil nach oben ging es mit dem Kurs der Mi­cro­nas-Ak­ti­en (+29,1%). Der Halb­lei­ter­her­stel­ler war 2010 der kla­re Jah­res­sie­ger al­ler an der SIX ko­tier­ten Un­ter­neh­men. In­ner­halb von zwölf Mo­na­ten hat sich der Wert der Pa­pie­re mehr als ver­drei­facht.

Ent­wick­lung Schwei­zer Wer­te

Markt-Mo­ni­tor SIX

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