Fran­ken der kla­re Sie­ger

DE­VI­SEN Eu­ro­päi­sche Ge­mein­schafts­wäh­rung 2010 mit trü­ber Sta­tis­tik – Aus­sie ge­rät un­ter Druck

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN/DEVISEN - JEAN­NE RICHENBERGER

Der Fran­ken war im ver­gan­ge­nen Jahr ein kla­rer Ge­win­ner: Er fes­tig­te sich ge­gen­über vier­zehn der sieb­zehn welt­weit am meis­ten ge­han­del­ten Wäh­run­gen (vgl. Gra­fik). Am Gröss­ten war die Auf­wer­tung zur Dä­ni­schen Kro­ne (15,68%), ge­folgt von Eu­ro (15,59%) und Pfund (12,67%). Die­ses Bild hat sich in den ers­ten fünf Han­dels­ta­gen des neu­en Jah­res be­reits wie­der ver­än­dert. Der Fran­ken ver­lor 0,2% zum Eu­ro. Noch am 30. De­zem­ber 2010 hat­te die hel­ve­ti­sche Va­lu­ta auf 1,2402 Fr./€ ei­nen Re­kord mar­kiert. Am Frei­tag han­del­te das Paar 1.26 Fr./€.

Kro­ne ver­liert mehr als Eu­ro

Für die Ver­lie­re­rin von 2010, die dä­ni­sche Kro­ne, gilt «mit­ge­han­gen, mit­ge­fan­gen». Sie ist seit 1991 Mit­glied des Wech­sel­kurs­me­cha­nis­mus II ( WKM II). Der WKM II ist die Vor­aus­set­zung für den Bei­tritt zur Eu­ro­zo­ne: Staa­ten, die die Ein­heits­va­lu­ta ein­füh­ren wol­len, müs­sen ih­re Wäh­rung wäh­rend zwei­er Jah­re in ei­ner be­stimm­ten Band­brei­te zum Eu­ro schwan­ken las­sen. 1992 lehn­ten die Dä­nen in ei­nem Re­fe­ren­dum den EU-Ver­trag von Maas­tricht ab, um ihn ein Jahr spä­ter mit meh­re­ren Aus­nah­me­re­ge­lun­gen an­zu­neh­men – u. a. er­mög­lich­ten die­se, die dä­ni­sche Kro­ne zu be­hal­ten. Im Jahr 2000 lehn­ten die Dä­nen die Eu­roein­füh­rung noch­mals ab. Da­mals wur­de be­fürch­tet, dass die ge­for­der­ten Sta­bi­li­täts­kri­te­ri­en nicht er­füllt wer­den könn­ten. Die­se Sor­ge er­scheint zehn Jah­re spä­ter in den Hin­ter­grund zu rü­cken.

Zwar hat auch das Kö­nig­reich un­ter der Fi­nanz­kri­se ge­lit­ten: Ge­mäss Da­ten des In­ter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds (IWF) schrumpf­te die dä­ni­sche Wirt­schafts­leis­tung 2009 um 4,7%. Eben­so bra­chen die Im­mo­bi­li­en­prei­se bis zu 20% ein. In der Fol­ge ver­wan­del­te sich der Han­dels­bi­lanz­über­schuss Dä­ne­marks in ein De­fi­zit – 2010 wird ein Fehl­be­trag von 3,4% des Brut­to­in­land­pro­dukts (BIP) er­war­tet. Dar­aus re­sul­tiert ei­ne Staats­ver­schul­dung von 44% des BIP. Mit ei­ner Wachs­tums­pro­gno­se von 2,3% für 2011 – dank ei­nes Fi­nanz­kon­so­li­die­rungs­pro­gramms der Re­gie­rung – prä­sen­tiert sich das Kö­nig­reich je­doch vor­teil­haf­ter als die Mehr­heit der Eu­ro­zo­n­e­mit­glie­der. Mög­li­cher­wei­se wird die dä­ni­sche Be­völ­ke­rung noch im lau­fen- den Jahr er­neut über den Bei­tritt zur Wäh­rungs­uni­on ab­stim­men – ob­schon die At­trak­ti­vi­tät der Ge­mein­schafts­wäh­rung deut­lich ab­ge­nom­men hat.

Ver­lo­ren hat die hel­ve­ti­sche Va­lu­ta im ver­gan­ge­nen Jahr le­dig­lich zum Yen (3,6%), aus­tra­li­schen Dol­lar (2,95%) so­wie zum süd­afri­ka­ni­schen Rand (0,71%). Be­son­ders für den Aus­sie gilt dies in der Zwi­schen­zeit nicht mehr. Seit Jah­res­be­ginn hat die aus­tra­li­sche Va­lu­ta zum Fran­ken 0,2% ver­lo­ren. Deut­lich schwä­cher no­tier­te der Aus­sie zum Dol­lar mit –2,5%.

Die Be­hör­den des aus­tra­li­schen Glied­staa­tes Queens­land schät­zen den öko­no­mi­schen Ver­lust aus den Über­schwem­mun­gen auf 5 Mrd. aus­tr. $ – re­sul­tie­rend in ei­nem um 0,4 Pro­zent­punk­te tie­fe­ren BIP-Wachs­tum Aus­tra­li­ens. Die Ex­per­ten von Bar­clays er­war­ten, dass die Koks­koh­le­för­de­rung we­gen der Was­ser­mas­sen zwei bis drei Mo­na­te still ste­hen wird und da­mit die Ex­por­te um bis zu 20% ge­rin­ger aus­fal­len. Den­noch – die Über­schwem­mun­gen wür­den die wirt­schaft­li­che Stär­ke Aus­tra­li­ens nicht län­ger­fris­tig be­ein­träch­ti­gen. Lang­fris­tig wei­che die aus­tra­li­sche No­ten­bank des­halb nicht von ih­rem Pfad der mo­ne­tä­ren Straf­fung ab. Kurz­fris­tig je­doch, so Bar­clays, sei we­der ein Zins­schritt nach oben noch ein fes­te­rer aus­tra­li­scher Dol­lar zu er­war­ten. In die­sem Um­feld emp­feh­len sie den Kauf von ka­na­di­schen Dol­lar ge­gen den Aus­sie.

Im Ge­gen­satz zum Fran­ken fällt die Sta­tis­tik 2010 für die eu­ro­päi­sche Ge­mein­schafts­wäh­rung trü­be aus, le­dig­lich zur dä­ni­schen Kro­ne ge­wann sie an Wert. Mit 22,74% am gröss­ten war der Wert­ver­lust zum Yen, ge­folgt vom aus­tra­li­schen Dol­lar (21,96%) und süd­afri­ka­ni­schen Rand (19,31%). Zur wich­tigs­ten Han­dels­wäh­rung, dem Dol­lar, wer­te­te sich der Eu­ro im ver­gan­ge­nen Jahr 7,02% ab. Auf­grund der ame­ri­ka­ni­schen Kon­junk­tur­da­ten ge­riet der Eu­ro in der ers­ten Ja­nu­ar­wo­che er­neut un­ter Druck und fiel un­ter 1.30 $/€.

Apro­pos Dol­lar: Noch im­mer do­mi­niert der Gre­en­back die in­ter­na­tio­na­len Wäh­rungs­re­ser­ven. Dies zeigt der IWF-Be­richt für das drit­te Quar­tal 2010. Ge­ne­rell er­höh­ten die Zen­tral­ban­ken der In­dus­trie­län­der ih­ren Re­ser­ven­be­stand. Hier­bei wur­de der Dol­l­ar­be­stand um 40% er­höht – zu­las­ten des Eu­ros, des­sen An­teil re­du­ziert wur­de (vgl. Gra­fik). Die­ses Re­sul­tat über­rascht be­son­ders vor dem Hin­ter­grund der Eu­ro­zo­n­e­kri­se so­wie der quan­ti­ta­ti­ven Lo­cke­rung in den USA. Der IWF weist je­doch dar­auf hin, dass die Sta­tis­tik le­dig­lich 39% der Ent­wick­lungs­län­der er­fasst. Be­son­ders sie dürf­ten ih­re Re­ser­ven vom Dol­lar weg di­ver­si­fi­zie­ren.

Bra­si­li­en bremst den Re­al

Er­neut pro­tek­tio­nis­ti­sche Mass­nah­men er­greift Bra­si­li­en. Ab dem 4. April ver­langt die Zen­tral­bank von den hei­mi­schen Ban­ken hö­he­re Re­ser­ven für Fremd­wäh­rungs­po­si­tio­nen. Da­mit will sie den Zuf­luss aus­län­di­scher Mit­tel, so­ge­nann­tes Hot Mo­ney, brem­sen so­wie ei­ne wei­te­re Wäh­rungs­auf­wer­tung ver­hin­dern. Von die­ser Mass­nah­me er­war­tet die Zen­tral­bank ei­nen Rück­gang der Short­po­si­tio­nen in Dol­lar von 16,8 auf 10 Mrd. $. Be­reits im Ok­to­ber letz­ten Jah­res hat­te die bra­si­lia­ni­sche Re­gie­rung die Steu­er auf An­lei­hen­käu­fe durch aus­län­di­sche An­le­ger von 4 auf 6% er­höht (vgl. FuW Nr. 83 vom 23. Ok­to­ber 2010).

Der bra­si­lia­ni­sche Re­al hat sich seit 2009 zum Dol­lar 37% auf­ge­wer­tet. Die neu­en Re­ser­vean­for­de­run­gen lies­sen die Va­lu­ta 2,5% ver­lie­ren, am Frei­tag er­reich­te sie 1.69 Re­al/$. Der­zeit er­freu­en sich die Schwel­len­län­der ge­ne­rell ei­ner gros­sen Nach­fra­ge. Pro­tek­tio­nis­ti­sche Mass­nah­men – in Form von Ka­pi­tal­ver­kehrs­kon­trol­len, Son­der­steu­ern oder Wech­sel­kurs­pfle­ge – sind künf­tig ver­mehrt zu er­war­ten. So hält Chi­na be­reits seit ge­rau­mer Zeit den Kurs des Ren­min­bi tief. Mit sol­chen Ein­grif­fen wol­len die je­wei­li­gen Re­gie­run­gen ei­ne Über­hit­zung der Volks­wirt­schaf­ten ver­hin­dern.

Kenn­zif­fern Zin­sen In­ter­na­tio­nal

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