Ei­ne at­trak­ti­ve Ne­ben­rol­le

IN­TER­NA­TIO­NA­LE AN­LEI­HEN Un­ter­neh­mens­an­lei­hen wer­den 2011 mehr ren­tie­ren als Staats­pa­pie­re

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN/DEVISEN - STE­PHEN RON­NIE

Trends hal­ten an

Der Start in ein neu­es Jahr kann mit dem Öff­nen ei­nes Bu­ches ver­gli­chen wer­den, des­sen Sei­ten noch un­be­schrie­ben sind. Wird die ers­te Sei­te des Bu­ches 2011 auf­ge­schla­gen, se­hen wir je­doch, dass dort be­reits ei­ni­ge Zei­len ste­hen. Denn 2011 ist nicht ein neu­es Werk, son­dern viel­mehr die Fort­set­zung von 2010.

Die Haupt­the­men sind die glei­chen: Die An­le­ger sind in Sor­ge ob der Pe­ri­phe­rie­staa­ten der Eu­ro­zo­ne und dem­ent­spre­chend ne­ga­tiv oder bes­ten­falls kon­ser­va­tiv ge­gen­über die­sen Län­dern ein­ge­stellt. Der ame­ri­ka­ni­sche Im­mo­bi­li­en­markt be­un­ru­higt die In­ves­to­ren eben­falls wei­ter­hin. Eben­so nicht ent­spannt hat sich die La­ge am US-Ar­beits­markt. Hin­zu kommt Chi­na, des­sen Re­gie­rung ei­ne Kon­junk­tur­über­hit­zung ver­hin­dern will. Die­ses Um­feld so­wie die Tat­sa­che, dass der­zeit ein Heil­mit­tel fehlt, re­sul­tie­ren in mehr­heit­lich pes­si­mis­ti­schen Er­war­tun­gen der Markt­teil­neh­mer für den An­lei­hen­markt. Auch im neu be­gon­ne­nen Jahr wer­den Un­ter­neh­mens­an­lei­hen kei­ne Haupt­rol­le spie­len. Aber die im ver­gan­ge­nen Jahr be­ob­ach­te­ten Trends dürf­ten fort­be­ste­hen. Denn trotz der Vo­la­ti­li­tät – ver­ur­sacht durch Schul­den­kri­se und das ma­kro­öko­no­mi­sche Um­feld – meis­ter­ten die Un­ter­neh­mens­an­lei­hen­märk­te ih­re Hür­den gut und er­ziel­ten ei­ne po­si­ti­ve Per­for­mance.

Der Markt für ame­ri­ka­ni­sche Un­ter­neh­mens­an­lei­hen liess sich von der eu­ro­päi­schen Staats­haus­halts­kri­se und Ir­land nicht be­ein­dru­cken – im Ge­gen­satz zum eu­ro­päi­schen Ka­pi­tal­markt. Im vier­ten Quar­tal 2010 be­trug die Mehr­ren­di­te von US-Un­ter­neh­mens­an­lei­hen zu Staats­an­lei­hen 280 Ba­sis­punk­te, ver­gli­chen mit be­schei­de­nen 45 Ba­sis­punk­ten eu­ro­päi­scher Ge­sell­schaf­ten.

So­li­des An­le­ger­ver­trau­en vor­aus­ge­setzt, soll­te der Markt für Un­ter­neh­mens­an­lei­hen auch in den kom­men­den Mo­na­ten er­neut bes­ser ab­schnei­den als Staats­pa­pie­re. Denn der Gross­teil der Ge­sell­schaf­ten der An­la­ge­qua­li­tät (In­vest­ment Gra­de, Ra­ting AAA bis BBB– bzw. Aaa bis Baa3) ver­fügt nach wie vor über ro­bus­te Fun­da­men­tal­da­ten.

In Be­zug auf die Kre­dit­wür­dig­keit be­fin­den sich die Un­ter­neh­mens­schuld­ner gar in ei­ner bes­se­ren Aus­gangs­la­ge als ei­ni­ge der an­ge­schla­ge­nen Staa­ten. Dank ih­rer in­ter­na­tio­na­len Reich­wei­te wird es den meis­ten Ge­sell­schaf­ten ge­lin­gen, die Fol­gen der be­vor­ste­hen­den Spar­mass­nah­men in ih­ren Heim­märk­ten ab­zu­fe­dern. Ne­ben der so­li­den fun­da­men­ta­len Aus­gangs­la­ge wir­ken auch die tech­ni­schen Fak­to­ren un­ter­stüt­zend: Das er­war­te­te Emis­si­ons­vo­lu­men in den kom­men­den zwölf Mo­na­ten ist für den Markt ver­kraft­bar. Die Fäl­lig­kei­ten wer­den 10% stei­gen. Fer­ner könn­ten sich ei­ne Fort­set­zung des Auf­wärts­trends an den Ak­ti­en­märk­ten und ein über Er­war­ten kräf­ti­ges Wirt­schafts­wachs­tum als Stüt­ze er­wei­sen.

Hoch­ver­zins­li­che An­lei­hen (High Yield Bonds, Ob­li­ga­tio­nen mit ei­nem Ra­ting der spe­ku­la­ti­ven Qua­li­tät, No­te BB+ bis D bzw. Ba1 bis C) soll­ten 2011 eben­falls an die Per­for­mance des Vor­jah­res an­knüp­fen. Das spe­ku­la­ti­ve Markt­seg­ment wapp­net sich er­folg­reich für die Re­fi­nan­zie­rungs­eng­päs­se, vor de­nen es in den nächs­ten Jah­ren ge­stan­den wä­re. Al­lein in Eu­ro­pa sum­mier­te sich das Emis­si­ons­vo­lu­men im ver­gan­ge­nen Jahr auf 40 Mrd. €. Dank den bes­se­ren Fun­da­men­tal­da­ten und der star­ken Nach­fra­ge nach die­ser An­la­ge­klas­se ab­sor­bier­te der Markt das Vo­lu­men pro­blem­los. High Yield Bonds wer­den auch künf­tig ei­ne ver­läss­li­che Stüt­ze in ei­nem An­lei­hen­port­fo­lio sein.

Fi­nanz­in­dus­trie bremst

Der Ban­ken­sek­tor ver­hin­der­te im ver­gan­ge­nen Jahr ei­ne bes­se­re Per­for­mance. Ob­schon in der Zwi­schen­zeit Un­klar­hei­ten im Zu­sam­men­hang mit dem Re­gel­werk Ba­sel III aus­ge­räumt wer­den konn­ten und sich die Qua­li­tät auf der Ak­tiv­sei­te der Bank­bi­lan­zen ver­bes­sert – das Schick­sal der Fi­nanz­in­dus­trie und der Eu­ro­zo­n­eStaa­ten ist eng mit­ein­an­der ver­knüpft. Bank­an­lei­hen wer­den sich 2011 als wert­hal­tig er­wei­sen. Al­ler­dings dürf­te im Zu­ge der Lö­sungs­su­che für das Staats­schul­den­pro­blem mit Vo­la­ti­li­tät zu rech­nen sein.

Un­ter­neh­mens­an­lei­hen wer­den im Schat­ten der pro­ble­ma­ti­schen Staats­ver­schul­dung wei­ter­hin ei­ne Ne­ben­rol­le spie­len. Ge­ra­de des­we­gen ste­hen die Chan­cen gut für ein Hap­py End, hö­he­re Ren­di­ten als Staats­an­lei­hen – auch 2011.

ENeue Eu­ro-Emis­sio­nen

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