Job­wachs­tum ver­fehlt Pro­gno­sen

Im De­zem­ber wur­den we­ni­ger Stel­len ge­schaf­fen als er­war­tet – Lei­se Ent­täu­schung im De­tail­han­del – Qual­comm über­nimmt At­he­ros

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSEN NEW YORK - FRANK HEI­NI­GER

Der ame­ri­ka­ni­sche Ak­ti­en­markt zeig­te im Wo­chen­ver­lauf kei­nen ein­deu­ti­gen Trend. Von Mon­tag bis Don­ners­tag blieb der Dow Jo­nes In­dus­tri­al in ei­nem en­gen Band von 1% ge­fan­gen. Die Markt­ak­teu­re schie­nen erst den Ar­beits­markt­be­richt ab­war­ten zu wol­len, der ge­naue­re Ein­bli­cke in den Stand der US-Wirt­schafts­er­ho­lung ver­sprach: Wie das Ar­beits­mi­nis­te­ri­um am Frei­tag schliess­lich mit­teil­te, wur­den im De­zem­ber 103 000 Stel­len ge­schaf­fen. Öko­no­men hat­ten im Vor­feld ein Wachs­tum von 150 000 pro­gnos­ti­ziert (vgl. Sei­te 29). Stär­ker als er­war­tet – von 9,8 auf 9,4% – ging da­für die Ar­beits­lo­sen­ra­te zu­rück, was al­ler­dings auch dar­auf zu­rück­zu­füh­ren ist, dass sich vie­le Be­trof­fe­ne aus der Stel­len­su­che zu­rück­ge­zo­gen ha­ben.

We­nig er­mun­ternd wirk­ten am Frei­tag auch Aus­sa­gen von Ben Bernan­ke. Der US-No­ten­bank­chef er­klär­te, es wer­de noch Jah­re dau­ern, bis sich die Ar­beits­lo­sen­ra­te auf ein «nor­ma­le­res Ni­veau» zu­rück­bil­den kön­ne. Die we­nig be­geis­tern­den In­di­zi­en vom Job­markt ver­moch­ten den Bör­sen kaum Im­pul­se zu ver­lei­hen: Nach zwei Han­dels­stun­den no­tier­te der Dow Jo­nes In­dus­tri­al 0,4% im Mi­nus.

Deut­lich hö­he­re Ak­ti­vi­tät war da­für im Tech­no­lo­gie­sek­tor zu ver­zeich­nen. Neu­ig­kei­ten ka­men vor al­lem aus Las Ve­gas, wo noch bis am Sonn­tag die Con­su­mer Elec­tro­nics Show (CES), die gröss­te Kon­sum­elek­tro­nik­mes­se der Welt, ih­re To­re ge­öff­net hat. Wie be­reits er­war­tet hat der Soft­ware­gi­gant Mi­cro­soft (28.82 $ am Don­ners­tag, +3,5% im Wo­chen­ver­gleich) über die kom­men­de Ver­si­on 8 von Win­dows be­rich­tet. Das Be­triebs­sys­tem soll künf­tig auch auf Tablet-Com­pu­ter lau­fen, die mit Pro­zes­so­ren auf Ba­sis der Arm-Ar­chi­tek­tur be­stückt sind. Die Mel­dung ver­half den Ak­ti­en von Arm Hol­dings (21.78 $, +7,9%), die an je­dem aus­ge­lie­fer­ten Ar­mChip mit­ver­die­nen, zu Kurs­ge­win­nen.

IT-Kon­zer­ne in Kauf­lau­ne

Die wach­sen­de Be­liebt­heit por­ta­bler, In­ter­net-fä­hi­ger Ge­rä­te wie Smart­pho­nes und Tablet-Com­pu­ter steckt auch hin­ter dem neus­ten Zu­kauf von Qual­comm (52.67 $, +5,9%). Der welt­gröss­te Her­stel­ler von Mo­bil­funk­chips er­klär­te zur Wo­chen­mit­te, den klei­ne­ren Bran­chen­ver­tre­ter At­he­ros Com­mu­ni­ca­ti­ons (44.56 $, +25,2%) für 3,2 Mrd. $ zu über­neh­men. Der ge­bo­te­ne Preis von 45 $ ent­spricht ei­ner Prä­mie von 22% auf dem Schluss­kurs von Mon­tag – Ge­rüch­te hat­ten da­nach die Va­lo­ren be­reits vor der of­fi­zi­el­len Be­stä­ti­gung nach oben ge­trie­ben. At­he­ros hat sich auf die Ent­wick­lung von Wi­fi-Halb­lei­tern spe­zia­li­siert. Bei­de Un­ter­neh­men hat­ten in der Ver­gan­gen­heit be­reits mit­ein­an­der ko­ope­riert. Die Ak­qui­si­ti­on wird es Qual­comm aber er­leich­tern, in­te­grier­te Chip­platt­for­men zu ent­wi­ckeln, die ne­ben Ba­sis­band-auch Wi­fi-und GPS-Funk­tio-

In­di­zes New York nen auf sich ver­ei­nen. Ma­rio Mora­les, Ana­lyst des Markt­for­schers IDC, er­klär­te, Qual­comm ha­be mit dem Kauf even­tu­ell ei­nem Kon­kur­ren­ten zu­vor­kom­men wol­len.

In Kauf­lau­ne be­fin­det sich auch Dell (14.26 $, +4,5%): Der Com­pu­ter­kon­zern aus Te­xas über­nimmt die pri­vat ge­hal­te­ne Se­cu­r­e­works. Ge­naue­re De­tails zum Kauf­preis wur­den nicht be­kannt. Se­cu­r­e­works of­fe­riert Di­enst­leis­tun­gen, um In­for­ma­tio­nen und Da­ten in Netz­wer­ken zu schüt­zen. Das Un­ter­neh­men be­schäf­tigt rund 700 Ar­beit­neh­mer und er­ziel­te im letz­ten Jahr ei­nen Um­satz von rund 120 Mio. $.

Kein In­ter­net-Be­reich er­lebt zur­zeit ei­ne ähn­li­che Hys­te­rie wie die so­zia­len Netz­wer­ke. An­fang Wo­che sorg­te die Ka­pi­tal­sprit­ze von Gold­man Sachs (172.21 $, +2,7%) in Face­book für Ge­sprächs­stoff (vgl. Sei­te 14). Nun ha­ben sich Ge­rüch­te ver­dich­tet, wo­nach die Kon­takt­platt­form von Grün­der Mark Zu­cker­berg 2012 an den Ak­ti­en­markt ge­lan­gen könn­te. Noch für das lau­fen­de Jahr plant da­für ge­mäss In­si­dern die auf Ge­schäfts­kon­tak­te spe­zia­li­sier­te Platt­form Lin­ke­din ihr IPO. Beim Bör­sen­gang wä­ren un­ter an­de­rem Mor­gan St­an­ley (28.80 $, +5,4%), Bank of Ame­ri­ca (14.44 $, +8,7%) und J. P. Mor­gan Cha­se (44.48 $, +5,3%) als Kon­sor­ti­al­ban­ken mit von der Par­tie. «Die Pu­bli­kums­öff­nung ist al­ler­dings nur ei­ne von meh­re­ren Op­tio­nen», kom­men­tier­te Lin­ke­din die Spe­ku­la­tio­nen.

Lei­se Ent­täu­schung ver­brei­te­ten die De­zem­ber­zah­len aus dem US-De­tail­han­del. Ge­mäss Da­ten­dienst­leis­ter Thom­son Reuters ist im Ver­gleich zum Vor­jahr die Ver­kauf auf ver­gleich­ba­rer La­den­flä­che um 3,1% ge­wach­sen. Ana­lys­ten hat­ten al­ler­dings auf ei­ne Stei­ge­rung von 3,4% ge­hofft. Zu den Ge­sell­schaf­ten, die die Er­war­tun­gen ver­fehl­ten, ge­hö­ren das Mo­de­haus Gap (20.70 $, –7,8%), Wa­ren­haus­ket­ten wie Kohl’s (52.23 $, –4,3%) und Ma­cy’s (23.97 $, –5%) so­wie der Vi­deo­spielRe­tailer Ga­me­stop (20.63 $, –10,1%).

Ka­ter we­gen Wein­ge­schäft

Zwie­späl­ti­ge Quar­tals­zah­len prä­sen­tier­te am Don­ners­tag Con­stel­la­ti­on Brands (19.84 $, –9,6%). Der zur­zeit noch gröss­te Wein­pro­du­zent der Welt er­wirt­schaf­te­te ei­nen Um­satz von 966 Mio. $ und ei­nen Ge­winn von 139 Mio. $. Be­rei­nigt um Son­der­fak­to­ren re­sul­tier­te ein Über­schuss von 0.66 $ pro Ak­tie, was die Kon­sens­er­war­tung um 5 Cent über­traf. Die schwa­che Um­satz­ent­wick­lung im USWein­ge­schäft schien die In­ves­to­ren aber zu be­un­ru­hi­gen: Die Ak­ti­en ver­lo­ren 8%. Con­stel­la­ti­on Brands hat­te im De­zem­ber er­klärt, 80% des aus­tra­li­schen und bri­ti­schen Wein­ge­schäfts an ei­ne Pri­va­teEqui­ty-Ge­sell­schaft ab­zu­stos­sen.

Mit ei­nem Kurs­sprung von fast 20% ha­ben Va­leant Phar­maceu­ti­cals (35.55 $, +26,1%) auf ei­nen er­freu­li­chen Aus­blick re­agiert. Für 2011 rech­net der auf Der­ma­to­lo­gie und Neu­ro­lo­gie spe­zia­li­sier­te Bio­tech-Kon­zern neu mit ei­nem Ge­winn pro Ak­tie zwi­schen 2.25 und 2.50 $. Ana­lys­ten hat­ten bis­lang im Durch­schnitt ei­nen Über­schuss von 2.21 $ er­war­tet. Seit dem Zu­sam­men­schluss mit Bio­vail im ver­gan­ge­nen Ju­ni ha­ben sich die Va­le­an­tTi­tel mehr als ver­dop­pelt (vgl. Chart).

Leicht über den Er­war­tun­gen fie­len am Don­ners­tag die Quar­tals­zah­len von Monsan­to (70.79 $, +1,5%) aus (vgl. Sei­te 2). Der US-Saat­gut­her­stel­ler er­ziel­te im ab­ge­schlos­se­nen Quar­tal ei­nen Ge­winn von 6 Mio. $ re­spek­ti­ve 1 Cent pro Ti­tel. Un­ter Aus­schluss von Son­der­fak­to­ren be­trug der Über­schuss 2 Cent pro Va­lor, was die Markt­pro­gno­sen über­traf. Gleich­zei­tig be­kräf­tig­te das Un­ter­neh­men sei­ne Aus­sich­ten für das Ge­schäfts­jahr 2011.

In­tel bleibt zu­ver­sicht­lich

Das Ver­dikt zur Über­nah­me des Soft­ware­hau­ses McA­fee (47.36 $, +2,2%) durch den Com­pu­ter­chip­kon­zern In­tel (20.77 $, –1,2%) ver­zö­gert sich. Ei­gent­lich hat­te die EU-Wett­be­werbs­be­hör­de ge­plant, bis am 12. Ja­nu­ar ei­nen Ent­scheid zu fäl­len. Nun soll spä­tes­tens am 26. Ja­nu­ar ein Ur­teil er­fol­gen. Be­reits im De­zem­ber hat­te die US-Wett­be­werbs­be­hör­de FTC dem De­al grü­nes Licht ge­ge­ben. In­tel ist des­halb zu­ver­sicht­lich, die Trans­ak­ti­on noch im ers­ten Se­mes­ter 2011 ab­zu­schlies­sen.

Avan­cen von zeit­wei­se über 10% ver­zeich­ne­ten am Frei­tag Bor­ders Group (0.86 $, –25,9%). Das «Wall Street Jour­nal» hat­te be­rich­tet, dass sich der der zweit­gröss­te US-Buch­händ­ler in Ver­hand­lun­gen be­fän­de, die Schul­den neu zu struk­tu­rie­ren. Letz­te Wo­che hat­te der Kon­zern er­klärt, be­reits im lau­fen­den Quar­tal ei­nen Li­qui­di­täts­eng­pass er­lei­den zu kön­nen.

In der Be­richts­pe­ri­ode bis Don­ners­tag klet­ter­te der Dow Jo­nes In­dus­tri­al 1,1% auf 11 697,31. Der tech­no­lo­gie­las­ti­ge Nas­daqCom­po­si­te-In­dex avan­cier­te 1,8% und schloss auf 2709,89. Am Ob­li­ga­tio­nen­markt stieg die Ren­di­te zehn­jäh­ri­ger Tre­a­su­ry No­tes 5 Ba­sis­punk­te auf 3,42%.

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