Wie­der in Fahrt

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSEN NEW YORK - FH

Der Au­to­mo­bil­sek­tor zählt zu den wich­tigs­ten Wirt­schafts­zwei­gen der USA. 2009 wur­den mit dem Ver­kauf von Neu-und Ge­braucht­wa­gen, Er­satz­tei­len so­wie Re­pa­ra­tur­leis­tun­gen rund 750 Mrd. $ um­ge­setzt. Wie kaum ein an­de­rer hat er je­doch auch un­ter der Re­zes­si­on ge­lit­ten: Lag der An­teil an den na­tio­na­len Kon­sum­aus­ga­ben zwi­schen 2003 und 2007 noch bei 30%, schmolz er im Ab­schwung auf 23%.

Nun scheint die Trend­wen­de ge­schafft. 2010 ist der Neu­wa­gen­ab­satz im Ver­gleich zum Vor­jahr um über 11% ge­stie­gen. Der In­dus­trie kommt zu­gu­te, dass die Ban­ken und Kre­dit­in­sti­tu­te ih­re Zü­gel wie­der lo­ckern: Der Pro­zent­satz der ge­währ­ten Au­to­mo­bil­dar­le­hen hat im Be­reich der gu­ten und sehr gu­ten Schuld­ner wie­der Vor­kri­sen­ni­veau er­reicht. Im Seg­ment der Sub­pri­me-Kre­dit­neh­mer, in dem die Zu­las­sungs­ra­te zwi­schen­zeit­lich auf 4% ge­fal­len war, ist er auf über 8% ge­stie­gen.

Frag­men­tier­ter Au­to­markt

Zu den Nutz­nies­sern der Er­ho­lung zäh­len Au­to­händ­ler wie Li­thia Mo­tors (Nyse LAD, 14.27 $ am Don­ners­tag, 373 Mio. $ Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung). Dass man das Un­ter­neh­men kaum kennt, ob­schon es zu den gröss­ten Ver­tre­tern der Bran­che zählt, liegt an der star­ken Markt­frag­men­tie­rung: Die zehn gröss­ten Au­to­han­dels­ket­ten der USA wie Au­to­na­ti­on oder Pens­ke Au­to­mo­ti­ve Group sind ge­ra­de mal für 8% des Ab­satz­vo­lu­mens ver­ant­wort­lich. Ei­ne Kon­so­li­die­rungs­wel­le dürf­te die­sen Wert al­ler­dings nach oben trei­ben: Vor der Kri­se wa­ren rund 21 000 Händ­ler er­mäch­tigt, Neu­wa­gen zu ver­kau­fen. Die Re­zes­si­on hat die­se Zahl auf 18 000 ge­drückt.

Walt De Bo­er grün­de­te Li­thia Mo­tors 1946 in Ash­land, Ore­gon. Un­ter der Füh­rung sei­nes Soh­nes Sid­ney ge­lang­te das Un­ter­neh­men 1996 an den Ak­ti­en­markt. Die auf­ge­nom­me­nen Mit­tel wur­den da­zu ge­nutzt, das Ein­zugs­ge­biet deut­lich zu er­wei­tern. Ge­gen­wär­tig be­treibt Li­thia Mo­tors 85 Zweigstellen. Der Schwerpunkt liegt in Bun­des­staa­ten an der West­küs­te so­wie im Mitt­le­ren Wes­ten der USA.

Als we­nig vor­teil­haft hat sich jüngst die star­ke Fo­kus­sie­rung auf Chrys­ler und Ge­ne­ral Mo­tors er­wie­sen, die bei­de ei­ner hef­ti­gen Ero­si­on der Markt­an­tei­le aus­ge­setzt wa­ren. Ob­wohl Li­thia Mo­tors weit über zwan­zig in­ter­na­tio­na­le Au­to­mar­ken ver­treibt, sind die bei­den tra­di­ti­ons­rei­chen US-Her­stel­ler für bei­na­he die Hälf­te des Kon­zern­um­sat­zes ver­ant­wort­lich.

Stark in rura­len Ge­bie­ten

Zu den spe­zi­fi­schen Stär­ken zählt, dass Li­thia Mo­tors vor al­lem in klei­nen und mit­tel­gros­sen Bal­lungs­zen­tren prä­sent ist. Auf der ei­nen Sei­te sind hier die Kos­ten für den Ver­triebs­auf­bau deut­lich ge­rin­ger als in den Gross­städ­ten. An­de­rer­seits konn­te man sich für meh­re­re Mar­ken die ex­klu­si­ven Ver­kaufs­rech­te si­chern. Die tiefere Wett­be­werbs­in­ten­si­tät be­schert dem Kon­zern die höchs­ten Brut­to­mar­gen der Bran­che. Zu­dem hat Li­thia Mo­tors die Kri­se da­zu ge­nutzt, die Kos­ten­struk­tur zu op­ti­mie­ren: Das Ma­nage­ment er­war­tet, dass jähr­li­che Ein­spa­run­gen in der Hö­he von 65 Mio. $ dau­er­haf­ter Na­tur sein dürf­ten.

Für 2011 pro­gnos­ti­zie­ren die Ana­lys­ten im Schnitt ei­nen Ge­winn pro Ak­tie von 1.16 $. Dar­aus be­rech­net sich ein mo­de­ra­tes Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis (KGV) von 12. Der Kon­zern un­ter­hält of­fi­zi­ell zwar kein Di­vi­den­den­pro­gramm, schüt­tet aber trotz­dem von Zeit zu Zeit Mit­tel an die Ak­tio­nä­re aus. Im lau­fen­den Jahr dürf­ten die Va­lo­ren 1,4% ren­tie­ren. Kei­ne Be­dro­hung stellt der­weil die Net­to­schul­den­last von rund 500 Mio. $ dar: Ei­ne grös­se­re Re­fi­nan­zie­rung ist erst 2013 not­wen­dig.

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