Un­ei­ni­ge Stra­te­gen

TOKIO Auf­takt ge­glückt – Jah­res­pro­gno­sen ge­hen weit aus­ein­an­der – To­yo­ta und Bridges­to­ne fes­ter

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSEN ÜBERSEE - FRI

Trotz an­fäng­li­cher Ver­lus­te durch Ge­winn­mit­nah­men er­mu­tig­ten am Frei­tag stei­gen­de Ak­ti­en­kur­se in Schang­hai die In­ves­to­ren in Tokio, auch wenn die mit Span­nung er­war­te­ten Da­ten zum US-Ar­beits­markt (vgl. Sei­te 29) und der Fei­er­tag in Ja­pan am Mon­tag zur Zu­rück­hal­tung mahn­ten. Zu­sätz­li­cher Auf­trieb kam vom Dol­lar, der sich auf 83.60 Yen/$ und da­mit den höchs­ten Wert seit zwei Wo­chen fes­tig­te.

Der Nik­kei 225 no­tier­te zum Han­dels­schluss 0,1% hö­her auf dem Stand von 10 541,04. Der markt­brei­te To­pix ver­bes­ser­te sich 0,2% auf 926,41. Die Her­stel­ler von Gum­mi­pro­duk­ten führ­ten die Lis­te der Ge­winn­sek­to­ren an, ge­folgt von Ree­de­rei­en und Trans­port­aus­rüs­tern. Am meis­ten ver­lo­ren Öl-und Berg­bau, Wa­ren­häu­ser und Ein­zel­han­del. Auf ei­ne stei­gen­de kam et­was mehr als ei­ne fal­len­de Ak­tie. Der Um­satz war mit 2,3 Mrd. Ak­ti­en bzw. ei­nem Vo­lu­men von 1,5 Bio. Yen (16,7 Mrd. Fr.) kräf­tig. Am Vor­tag, als der Nik­kei 1,4% ge­wann, wur­den 2,4 Mrd. Ak­ti­en bzw. 1,6 Bio. Yen ge­han­delt.

Für den To­pix en­de­te die ers­te Bör­sen­wo­che 2011 mit ei­nem Plus von 3,1%. So ein gros­ser Ge­winn re­sul­tier­te seit fünf­zehn Jah­ren in der ers­ten Bör­sen­wo­che nicht mehr. Auch der Nik­kei rück­te 3,1% vor. Da­mit ha­ben die bei­den In­di­zes seit dem Be­ginn des Ral­lys An­fang No­vem­ber nun 15% zu­ge­legt. Der Tora­ku-In­di­ka­tor, auf den sich vie­le An­le­ger in Tokio ver­las­sen, zeigt be­reits ei­nen über­hitz­ten Markt an. In der Vor­wo­che wa­ren aus­län­di­sche An­le­ger die neun­te Wo­che in Fol­ge Net­to­käu­fer. Ei­ner Um­fra­ge des An­le­ger­ma­ga­zins «Nik­kei Ve­ri­tas» zu­fol­ge se­hen 60% der Markt­teil­neh­mer in Ja­pan den Nik­kei En­de 2011 zwi­schen 12 000 und 13 000. Das wä­re ein Kurs­ge­winn von bis zu 27%.

Die Vor­her­sa­gen der acht füh­ren­den Bro­ker­häu­ser in Ja­pan schwan­ken je­doch zwi­schen ei­nem Schlus­stand von 9500 und 13 000. Als Haupt­grund für die Un­si­cher­heit wird ei­ne mög­li­che Yen-Auf­wer­tung durch ei­ne neue Schul­den­kri­se in Eu­ro­pa ge­nannt. Aus­ser­dem hal­ten ei­ni­ge Ana­lys­ten das Auf­wärts­po­ten­zi­al für be­grenzt. «Aus­län­di­sche In­ves­to­ren könn­ten le­dig­lich ih­re Ja­pan-Un­ter­ge­wich­tung kor­ri­gie­ren», mein­te ein Fonds­ver­wal­ter.

Gold­man Sachs Ja­pan er­war­tet für den To­pix bis zur Jah­res­mit­te ei­nen Sprung um 20% auf 1080. Ei­ne Er­ho­lung der US-Kon­junk­tur wer­de mit ei­ner Ab­wer­tung des Yens zum Dol­lar ein­her­ge­hen. Da­durch wür­den die Ge­win­ne der Ja­pan AG wie­der auf ih­re All­zeit­hochs von 2007 stei­gen. Ähn­lich ar­gu­men­tie­ren die Ana­lys­ten von Cre­dit Suis­se, die das Nik­kei-Po­ten­zi­al auf 12 000 schät­zen. Je 1% Wachs­tum der glo- ba­len In­dus­trie­pro­duk­ti­on er­hö­he die Ge­win­ne pro Ak­tie um 5,2% (in den USA um 2,9%, in Schwel­len­län­dern um 4,1%). Im Ge­gen­satz da­zu spricht die UBS le­dig­lich von ei­ner tak­ti­schen Chan­ce we­gen des Nach­hol­be­darfs ja­pa­ni­scher Ti­tel.

Auch HSBC Glo­bal Re­se­arch warn­te, die Zeit für Ja­pan-Käu­fe sei nicht ge­kom­men. Ja­pa­ni­sche Un­ter­neh­men wür­den mit nur 29% Aus­lan­d­um­satz we­ni­ger stark auf die Welt­kon­junk­tur re­agie­ren, als vie­le An­le­ger zu mei­nen glaub­ten. Die Ak­ti­en sei­en auch nicht nied­rig be­wer­tet, sagt HSBC-Stra­te­ge Gar­ry Evans. Das Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis für 2011 sei mit 13,3 zwar viel nied­ri­ger als der lang­jäh­ri­ge Durch­schnitt von 32, aber im­mer noch hö­her als in den Schwel­len­län­dern (11,7). Das nied­ri­ge Kurs-Buch-Ver­hält­nis von 1,1 er­klärt HSBC mit der schwa­chen Ei­gen­ka­pi­tal­ren­di­te von 8,8% ge­gen­über 15,5 in Eu­ro­pa und 17,4 in den USA.

Am Frei­tag stütz­ten die Au­to­wer­te nach gu­ten Ab­satz­zah­len in Chi­na und op­ti­mis­ti­schen Pro­gno­sen für den US-Markt den To­pix am meis­ten. To­yo­ta stie­gen 2,2% auf 3455 Yen und Nis­san 4,4% auf 861 Yen. Die Ak­ti­en des Rei­fen­her­stel­lers Bridges­to­ne, der 40% des Um­sat­zes in Nord-und Süd­ame­ri­ka er­zielt, ge­wan­nen 2,6% auf 1643 Yen. Der fal­len­de Roh­öl­preis zog die Öl­wer­te In­pex und Ja­pan Pe­tro­le­um Ex­plo­ra­ti­on je 1,7% nach un­ten. Re­so­na, mit 48% Ver­lust der schlech­tes­te Nik­kei-Ti­tel 2010, ver­lo­ren wei­te­re 4%. Das In­sti­tut will in die­sem Mo­nat für 575 Mrd. Yen Ak­ti­en aus­ge­ben, um Staats­an­tei­le zu­rück­zu­zah­len (vgl. Sei­te 14). Die Ren­di­te der zehn­jäh­ri­gen Staats­an­lei­hen fiel 1,5 Ba­sis­punk­te auf 1,195%.

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