BHP Bil­li­ton ge­hö­ren in je­des De­pot

AKTIENEXPOSÉ Roh­stoff­kon­zern trotz Flut­ka­ta­stro­phe in Aus­tra­li­en in Top-Ver­fas­sung – Güns­tig be­wer­tet – Leh­ren aus Po­tash-De­ba­kel

Finanz und Wirtschaft - - KAPITALANLAGEN - JAN SCHWAL­BE

Die Über­schwem­mun­gen im aus­tra­li­schen Bun­des­staat Queens­land ge­hen an BHP Bil­li­ton nicht spur­los vor­bei. Zwar gibt es noch kei­ne of­fi­zi­el­len An­ga­ben des Kon­zerns. Doch Gold­man Sachs rech­net vor, dass der welt­gröss­te Roh­stoff­kon­zern 10% des Ge­winns mit dem Ver­kauf von Koks­koh­le aus Queens­land er­wirt­schaf­tet. Im Ver­gleich da­zu be­zif­fert der US-Bro­ker den An­teil für Ang­lo Ame­ri­can auf 9%, für Xstra­ta auf 8% und für Rio Tin­to auf le­dig­lich 2%. BHP ist von der Flut­ka­ta­stro­phe dem­nach am meis­ten be­trof­fen.

Die Flut­ka­ta­stro­phe ist den­noch kein Grund, nicht auf die Ak­ti­en von BHP Bil­li­ton zu set­zen. An­de­re Kon­zer­ne, die Koks­koh­le nicht in Queens­land ab­bau­en, ha­ben kaum freie Ka­pa­zi­tä­ten und wer­den nur we­nig von Lie­fer­eng­päs­sen und den stei­gen­den Prei­sen pro­fi­tie­ren. Zu­dem ver­liert das Un­ter­neh­men sei­ne Koh­le­vor­kom­men nicht und wird der Ab­satz nach dem Rück­gang der Flut hö­her sein. Der Preis für Koks­koh­le dürf­te über län­ge­re Zeit hoch blei­ben, was ei­nen gros­sen Teil der Ver­lus­te auf­wie­gen dürf­te.

Zwei wich­ti­ge Er­eig­nis­se

BHP Bil­li­ton sind ei­ne lang­fris­ti­ge Wet­te. An­le­ger soll­ten sich durch Na­tur­ka­ta­stro­phen nicht aus der Ru­he brin­gen las­sen. Kein Un­ter­neh­men der Bran­che ist so gut di­ver­si­fi­ziert wie der aus­tra­lisch-bri­ti­sche Gross­kon­zern. Ge­mes­sen am Ge­winn­bei­trag ist BHP mit 30% am stärks­ten im Ei­sen­erz­ge­schäft, dicht ge­folgt von Erd­öl (26%) und Kup­fer (14%), en­ga­giert.

Es ist denk­bar, dass sich in den nächs­ten Ta­gen ei­ni­ge Ana­lys­ten aus der Ru­he brin­gen las­sen und ih­re Ge­winn­aus­sich­ten so­wie die Kauf­emp­feh­lung für BHP Bil­li­ton zu­rück­neh­men. Das könn­te zu

Klop­pers Kurs­ein­bus­sen füh­ren. Ein Up­date zur Pro­duk­ti­on wird BHP am 20. Ja­nu­ar vor­le­gen. Spä­tes­tens dann wer­den ers­te An­ga­ben zu den Aus­wir­kun­gen der Flut ge­macht. Dank so­li­der Er­geb­nis­se in den an­de­ren Spar­ten dürf­te den An­le­gern klar wer­den, dass das Un­ter­neh­men wei­ter­hin in Top­form ist.

Be­ru­hi­gend wird auch der Quar­tals­ab­schluss wir­ken, der am 20. Fe­bru­ar an­steht. Der US-Bro­ker Mor­gan St­an­ley rech­net da­mit, dass BHP nicht nur erst­klas­si­ge Zah­len vor­legt, son­dern auch ein Ak­ti­en­rück­kauf­pro­gramm über bis zu 25 Mrd. $ an­kün­digt. An die­sem Ent­scheid dürf­ten die Flut und ih­re Fol­gen nichts än­dern. Im Mo­nat vor der An­kün­di­gung frü­he­rer Ak­ti­en­rück­kaufs­pro­gram­me wa­ren die Ti­tel je­weils im zwei­stel­li­gen Pro­zent­be­reich ge­stie­gen.

Viel­ver­spre­chen­de Pro­jek­te

Ob­schon die Ak­ti­en in den letz­ten sechs Mo­na­ten 25% zu­ge­legt ha­ben, sind sie auch ge­mes­sen am Be­wer­tungs­ni­veau in­ter­es­sant. Mit ei­nem Kurs-Ge­winn- Ver­hält­nis (KGV 2011) von 10 sind sie so­wohl im his­to­ri­schen Ver­gleich (15,5) als auch im Kon­kur­renz­ver­gleich mit Rio Tin­to (12) güns­tig.

Dass CEO Ma­ri­us Klop­pers mit dem Ver­such, den Dün­ge­mit­tel­pro­du­zen­ten Po­tash zu kau­fen, ein wei­te­res Mal mit ei­nem Über­nah­me­ver­such ge­schei­tert ist, hat zwar ei­ni­ge Ak­tio­nä­re ent­täuscht. Gleich­zei­tig gibt das dem Kon­zern je­doch fi­nan­zi­el­len Spiel­raum für wei­te­re Trans­ak­tio­nen. Im Markt wird über den Zu­kauf gros­ser Öl­fel­der und den Aus­bau der Ni­ckel­spar­te durch Ak­qui­si­tio­nen in Westaus­tra­li­en spe­ku­liert. Zu­dem dürf­te BHP das Jan­sen-Dün­ge­mit­tel­pro­jekt in Ka­na­da schnel­ler als bis­her er­war­tet vor­an­trei­ben. Auch das Olym­pic-DamPro­jekt in Süd­aus­tra­li­en, wo enor­me Kup­fer­vor­rä­te schlum­mern, wird oft un­ter­schätzt.

BHP Bil­li­ton ge­hö­ren in je­des in­ter­na­tio­nal aus­ge­rich­te­te Ak­ti­en­de­pot. Sie lau­fen ei­ner­seits in ei­ner Pha­se wirt­schaft­li­chen Auf­schwungs aus­ge­zeich­net. An­der­seits sind sind sie auch in ei­ner Schwä­che­pha­se der Welt­wirt­schaft er­staun­lich re­sis­tent.

CEO Ma­ri­us steht nach dem miss­lun­ge­nen Kauf von Po­tash un­ter Druck.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.