«Stahl­preis wird stei­gen»

Finanz und Wirtschaft - - IN KÜRZE - IN­TER­VIEW: CHRIS­TOPH GISIGER

frü­her er­wähnt – et­wa ähn­lich ab­ge­schnit­ten ha­ben, ob­schon die Pro­duk­ti­on wäh­rend der Som­mer-und der Weih­nachts­fe­ri­en still­stand. Ins neue Jahr sind wir nun mit Schwung ge­star­tet und fah­ren in al­len Wer­ken von An­fang an Voll­last. Die Aus­sich­ten sind des­halb gut, dass wir 2011 noch­mals ei­nen Schritt vor­wärts ma­chen.

Be­rei­tet Ih­nen der har­te Fran­ken denn kei­ne Sor­gen? Be­trof­fen sind vor al­lem die Wer­ke Swiss Steel und Steel­tec in Em­men­brü­cke. Dort wird uns der har­te Fran­ken wohl noch ei­ni­ge Zeit auf Tr­ab hal­ten. Un­se­re Stand­or­te in Deutsch­land und Frank­reich hin­ge­gen pro­fi­tie­ren vom wei­chen Eu­ro, weil wir im Ver­gleich zu asia­ti­schen Kon­kur­ren­ten wett­be­werbs­fä­hi­ger wer­den.

Wenn die Staa­ten im Haupt­markt Eu­ro­pa ih­re Aus­ga­ben kür­zen, könn­te das aber auch die Stahl­bran­che tref­fen. Das Gros der Be­stel­lun­gen kommt der­zeit aus den nörd­li­chen Län­dern Eu­ro­pas. Spe­zi­ell in Deutsch­land, wo wir rund die Hälf­te der Ein­nah­men er­wirt­schaf­ten, läuft das Ge­schäft auf Hoch­tou­ren. Auch Frank­reich ent­wi­ckelt sich recht or­dent­lich, und selbst in Ita­li­en ist die Nach­fra­ge in un­se­ren Markt­ni­schen ro­bust. Weil wir uns auf Spe­zia­li­tä­ten kon­zen­trie­ren und kaum noch den Bau­sek­tor be­lie­fern, sind wir von der Kri­se in den süd­eu­ro­päi­schen Im­mo­bi­li­en­märk­ten we­nig be­trof­fen.

Den­noch se­hen sich auch Edel­stahl­her­stel­ler mit gros­sen Her­aus­for­de­run­gen kon­fron­tiert, ge­ra­de mit Blick auf die mas­si­ven Über­ka­pa­zi­tä­ten. Der Be­griff Edel­stahl lässt sich nicht ge­nau de­fi­nie­ren. Es gibt da ei­ner­seits rost­freie Flach­pro­duk­te, das heisst Ble­che, die bei­spiels­wei­se in haus­halts­na­hen An­wen­dun­gen oder in der Che­mie ver­wen­det wer­den. Bran­chen­rie­sen wie Thys­sen-Krupp, Ace­rin­ox, Ou­to­kum­pu und Ar­celor Mit­tal do­mi­nie­ren die­sen Markt und kämp­fen in Eu­ro­pa seit län­ge­rem mit Über­ka­pa­zi­tä­ten. Des­halb gibt es im­mer wie­der Be­stre­bun­gen zur Kon­so­li­die­rung. So will Ar­celor die­ses Ge­schäft in ei­ne se­pa­ra­te Ge­sell­schaft aus­glie­dern – Thys­sen-Krupp schmie­det ähn­li­che Plä­ne. Ein Zu­sam­men­schluss wä­re aber aus Wett­be­werbs­sicht nicht un­pro­ble­ma­tisch, wes­halb es bis­her noch nicht zu grös­se­ren Be­we­gun­gen ge­kom­men ist.

Was heisst das nun für Schmolz+Bi­cken­bach? Als ab­so­lu­tes Spe­zia­li­tä­ten­haus sind wir nicht im Be­reich Flach­stahl ak­tiv und kon­zen­trie­ren uns im Be­reich rost­frei­er Stahl auf Lang­pro­duk­te. Die braucht es vor­ab in der Au­to­in­dus­trie, im Ma­schi­nen­bau, in der Che­mie oder für Tur­bi­nen. Im Bau­we­sen wer­den sie höchs­tens für de­ko­ra­ti­ve Zwe­cke ver­wen­det, zum Bei­spiel für ein Trep­pen­ge­län­der. An­ders als im Markt von Flach­pro­duk­ten be­steht auch kei­ne Über­ka­pa­zi­tät. Im Ge­gen­teil: Die Kun­den be­stel­len re­ge, und un­se­re Wer­ke sind der­zeit zu fast 100% aus­ge­las­tet.

Die Ni­schen­stra­te­gie hat in der Re­zes­si­on je­doch kaum ge­hol­fen. Um die Bi­lanz zu sa­nie­ren, muss­te Schmolz+Bi­cken­bach die­sen Herbst fri­sches Ka­pi­tal auf­neh­men. Wir wa­ren vor der Kri­se gut un­ter­wegs, die Schul­den aus dem Cash­flow ab­zu­zah­len. Ei­ne Kon­junk­tur­del­le von die­sem Aus­mass konn­ten wir aber nicht ab­fe­dern. Das Ei­gen­ka­pi­tal re­du­zier­te sich, und wir konn­ten die Kre­dit­auf­la­gen der Ban­ken nicht mehr er­fül­len. Letzt­lich muss­ten wir des­halb zu Plan B grei­fen und das Ak­ti­en­ka­pi­tal er­hö­hen.

Da­durch wur­de die Be­tei­li­gung der Ei­gen­tü­mer­fa­mi­li­en von rund 70 auf 40% ver­wäs­sert. Wie wird das den Kon­zern ver­än­dern? Die neue Si­tua­ti­on ist für den Mehr­heits­ak­tio­när be­stimmt nicht ein­fach. Er bleibt aber der gröss­te Ak­tio­när und wird sei­nen Ein­fluss wei­ter­hin gel­tend ma­chen. Im Ak­tio­na­ri­at sind jetzt mehr in­sti­tu­tio­nel­le An­le­ger ver­tre­ten. Da­zu zählt bei­spiels­wei­se der Hedge Fund Ci­ta­del, der rund 5% Be­tei­li­gung ge­mel­det hat. Das Un­ter­neh­men ist da­mit stär­ker in der Öf­fent­lich­keit ex­po­niert. Das be­deu­tet auch, dass wir uns in Sa­chen Cor­po­ra­te Go­ver­nan­ce und Trans­pa­renz ver­bes­sern müs­sen.

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