Po­la­ri­sie­ren­der Jung­un­ter­neh­mer

Finanz und Wirtschaft - - IN KÜRZE - JB,

Der 26-jäh­ri­ge Face­book-Mit­grün­der Mark Zu­cker­berg ist ei­ne Reiz­fi­gur. Sei­ne An­hän­ger him­meln ihn an, als wä­re er der Mes­si­as des So­ci­al Net­wor­king. Ei­ni­ge frü­he­re Ge­schäfts­freun­de las­sen kein gu­tes Haar an ihm. Wie po­la­ri­sie­rend al­les wirkt, was mit Zu­cker­berg und sei­nem ra­sant wach­sen­den On­li­neVer­net­zungs­un­ter­neh­men zu tun hat, be­kam in der ver­gan­ge­nen Wo­che auch Gold­man Sachs zu spü­ren. Das ame­ri­ka­ni­sche Bro­ker­haus be­tei­lig­te sich mit ein paar hun­dert Mil­lio­nen an Face­book und bot Kun­den im Rah­men ei­ner Pri­vat­pla­zie­rung für ge­schätzt 1,5 Mrd. $ eben­falls An­tei­le an der (noch) nicht ko­tier­ten Ge­sell­schaft an. Das schuf bö­ses Blut in In­ves­to­ren­krei­sen und lös­te ge­mäss Re­cher­chen der «New York Ti­mes» ei­ne Un­ter­su­chung der US-Bör­sen­auf­sicht aus.

Dank In­for­ma­ti­ons­lecks sind mitt­ler­wei­le auch ein paar in­ter­es­san­te Da­ten zum Ge­schäfts­gang von Face­book be­kannt: In den ers­ten neun Mo­na­ten 2010 setz­te der im ka­li­for­ni­schen Pa­lo Al­to do­mi­zi­lier­te Kon­zern 1,2 Mrd. $ um und ver­dien­te 355 Mio. $. Ei­ne gan­ze Men­ge mehr In­fos wer­den die An­le­ger spä­tes­tens bis 2012 er­fah­ren, wenn das der­zeit zu rund 50 Mrd. $ be­wer­te­te Un­ter­neh­men an die Bör­se ge­hen soll. Der ko­me­ten­haf­te Auf­stieg Zu­cker­bergs be­gann im Fe­bru­ar 2004 in Har­vard, wo der da­mals Neun­zehn­jäh­ri­ge als Stu­dent der Psy­cho­lo­gie und Com­pu­ter­wis­sen­schaf­ten ein­ge­schrie­ben war. Zwar er­laubt sich «The So­ci­al Net­work», ein Ki­no­film von 2010, der Face­books Ur­sprün­ge schil­dert, be­trächt­li­che er­zäh­le­ri­sche Frei­hei­ten. Doch im­mer­hin zeigt der Strei­fen auf, mit wel­cher Fie­ber­haf­tig­keit die am Pro­jekt be­tei­lig­ten Stu­di­en­freun­de ihr Ziel ver­folg­ten: ei­ne Platt­form zu kre­ieren, über die Leu­te im In­ter­net sich selbst dar­stel­len und Kon­takt zu an­de­ren schlies­sen kön­nen.

Auf sei­ner per­sön­li­chen Pa­ge schreibt Zu­cker­berg, «Ich will die Welt zu ei­nem of­fe­ne­ren Ort ma­chen, in­dem ich den Men­schen hel­fe, mit­ein­an­der in Kon­takt zu tre­ten und sich aus­zu­tau­schen.» Das ist sei­ne Mis­si­on. Der kom­mer­zi­el­le Er­folg ist die an­ge­neh­me Ne­ben­er­schei­nung, die es er­laubt, die Ex­pan­si­on glo­bal vor­an­zu­trei­ben. Sein gröss­ter Stolz scheint es zu sein, wenn er ver­kün­den kann, wie vie­le Per­so­nen be­reits ein Face­book-Kon­to er­öff­net ha­ben: es sind schon über ei­ne hal­be Mil­li­ar­de. Fast je­der zwölf­te Er­den­be­woh­ner ist im Netz­werk vir­tu­ell prä­sent. Auf­ge­wach­sen ist Zu­cker­berg in Dobbs Fer­ry, ei­nem Ört­chen am Hud­son Ri­ver nörd­lich von New York Ci­ty. Sein Va­ter, ein Zahn­arzt, brach­te ihm früh das Pro­gram­mie­ren mit Ba­sic bei, und seit­her hör­te der of­fen­sicht­lich Hoch­be­gab­te nicht auf, stets neue Spie­le und an­de­re An­wen­dun­gen zu ent­wi­ckeln. Sei­ne In­ter­es­sen gin­gen al­ler­dings schon im­mer über die Com­pu­ter­welt hin­aus. Als Schü­ler war er Cap­tain ei­nes Fecht­teams, und er lern­te ne­ben Fran­zö­sisch mit gros­ser Lei­den­schaft die al­ten Spra­chen He­brä­isch (die Spra­che sei­ner Re­li­gi­on), Latein und Grie­chisch. An Sit­zun­gen zitiert Zu­cker­berg noch heu­te ge­le­gent­lich Ver­se aus der klas­si­schen Dich­tung. Neu­er­dings übt er zu­dem täg­lich die chi­ne­si­sche Spra­che Man­da­rin; zu­sam­men mit sei­ner Freun­din Pri­scil­la Chan be­reis­te er im De­zem­ber Chi­na.

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