Ban­ken am Gän­gel­band der Zin­sen

Er­trag der Kan­to­nal- und Re­gio­nal­ban­ken hängt vor al­lem vom Zins­sal­do ab – Hoff­nung auf teu­re­res Geld, aber es lau­ern auch Ri­si­ken

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - RE­TO GY­SI VON WART­BURG IN­TER­VIEW: FRAN­ZIS­KA PFIS­TER

Die meis­ten Kan­to­nal-und Re­gio­nal­ban­ken er­zie­len den gröss­ten Teil ih­res Er­trags im Zins­ge­schäft. Der Zins­sal­do ist in den letz­ten Jah­ren al­ler­dings un­ter Druck ge­ra­ten. In den jüngs­ten ver­gleich­ba­ren Zwi­schen­ab­schlüs­sen, de­nen des ers­ten Se­mes­ters 2010, do­mi­niert ein rück­läu­fi­ges Zin­s­er­geb­nis (vgl. Ta­bel­le), ob­wohl das Ge­schäfts­vo­lu­men in den meis­ten Fäl­len wei­ter ge­wach­sen ist.

Der wich­tigs­te Grund für die­se Ent­wick­lung ist das nied­ri­ge Zins­ni­veau. Weil auf der Pas­siv­sei­te der Bi­lanz – dort lie­gen die Spar­gelder – die Zin­sen nicht mehr wei­ter ge­senkt wer­den kön­nen, schmä­lern die aus Wett­be­werbs­grün­den zwin­gen­den ak­tiv­sei­ti­gen Zins­ab­schlä­ge, zum Bei­spiel auf Hy­po­the­kar­kre­di­te, di­rekt die Mar­ge.

Wann agiert die SNB?

Die meis­ten Kan­to­nal-und Re­gio­nal­ban­ken wün­schen sich des­halb ei­ne bal­di­ge Zins­er­hö­hung. Vie­le Markt­be­ob­ach­ter ge­hen da­von aus, dass die Schwei­ze­ri­sche Na­tio­nal­bank (SNB) im zwei­ten Se­mes­ter han­delt. Ein Blick zu­rück zeigt al­ler­dings, wie schwie­rig Zins­pro­gno­sen sind: Schon vor ei­nem Jahr gin­gen vie­le Ban­ken von ei­ner Er­hö­hung bin­nen sechs bis zwölf Mo­na­ten aus – ein­ge­trof­fen ist es nicht. Die Markt­zin­sen, sie re­flek­tie­ren die Er­war­tun­gen der In­ves­to­ren, bie­ten eben­falls kein ein­deu­ti­ges Bild. Die Ren­di­te der zehn­jäh­ri­gen Eid­ge­nos­sen zum Bei­spiel ist im Herbst leicht ge­stie­gen, aber sie liegt nach wie vor deut­lich un­ter dem Stand von An­fang 2010.

Si­cher ist nur, dass die Zin­sen, vom heu­ti­gen Ni­veau aus ge­se­hen, fast nur noch stei­gen kön­nen und dass das ir­gend­wann auch ge­sche­hen wird. Wenn es so weit ist, sind die Ef­fek­te nicht nur er­freu­lich. Zu be­ach­ten ist et­wa, dass die In­kon­gru­enz der Fäl­lig­kei­ten in der Bi­lanz zu­ge­nom­men hat. Die Ak­tiv­sei­te ist we­sent­lich län­ger ge­bun­den als die Pas­siv­sei­te. Man­cher­orts lau­fen heu­te mehr als 90% der Hy­po­the­ken über ei­ne fes­te Lauf­zeit, Neu­ab­schlüs­se wer­den in der Re­gel für fünf Jah­re oder mehr fest ver­ein­bart. Auf der an­de­ren Sei­te sind in der Re­gel rund 80% des Fremd­ka­pi­tals in we­ni­ger als ei­nem Jahr fäl­lig.

Ge­gen Zins­än­de­rungs­ri­si­ken si­chern sich die meis­ten Ban­ken mit Swaps ab, ein teu­res Un­ter­fan­gen. Vie­le In­sti­tu­te ha­ben die schwa­che Ent­wick­lung des Zins­sal­dos im jüngs­ten Zwi­schen­ab­schluss da­mit be­grün­det. An­ge­sichts des er­war­te­ten Zins­an­stiegs wä­re es aber ei­ne tö­rich­te Stra­te­gie, ge­ra­de jetzt die Ab­si­che­rungs­ge­schäf­te auf Eis zu le­gen. So­bald die Zin­sen stei­gen, zah­len sie sich aus.

Ein Merk­mal der Nied­rig­zins­pha­se ist zu­dem, dass kaum Kre­dit­aus­fäl­le zu be­kla­gen sind. Ob und wo das so bleibt, wenn die Zin­sen stei­gen, wird sich zei­gen. Es ist aber zu­min­dest denk­bar, dass der ei­ne oder an­de­re Markt­teil­neh­mer sei­ne Gren­zen in der Kre­dit­ver­ga­be et­was zu sehr stra­pa­ziert hat und dies in Form von Trag­bar­keits­pro­ble­men der Schuld­ner zu spü­ren be­kom­men wird.

Son­der­fall Va­li­ant-Ak­ti­en

In den letz­ten Jah­ren ha­ben sich die Va­lo­ren der Ban­ken, die im als sta­bil gel­ten­den Zins­ge­schäft sehr ex­po­niert sind, an der Bör­se gröss­ten­teils bes­ser als der Markt ent­wi­ckelt. Va­li­ants Kurs­ent­wick­lung (vgl. Gra­fik) stellt ei­nen Son­der­fall dar. Die Ak­ti­en der Re­gio­nal­ban­ken­grup­pe wa­ren sys­te­ma­tisch über­be­wer­tet und kor­ri­gier-

Do­mi­nie­ren­des Stand­bein ten im Herbst deut­lich (vgl. FuW Nr. 89 vom 13. No­vem­ber 2010).

Je do­mi­nie­ren­der der Zins­sal­do ei­ner Bank, des­to be­deu­ten­der sind die Un­si­cher­hei­ten im Fall ei­nes Zins­an­stiegs. Im Ak­ti­en­kurs der In­sti­tu­te mit ei­nem An­teil des Zin­s­er­trags von über 75% sind die­se Ri­si­ken al­ler­dings be­reits es­komp­tiert. Die Be­wer­tung von Hy­po Lenz­burg (KGV 2011: 11), Va­li­ant (13), Wal­li­ser KB (11) und Bank Linth (13) ge­hört im Qu­er­ver­gleich zu der an­de­rer Kan­to­nal-und Re­gio­nal­bank­pa­pie­ren zu den nied­rigs­ten.

Erst­mals tra­gen Sie Ent­wick­lungs­ri­si­ken und wa­gen den Sprung in die Phar­ma. Ja, aber kei­ne me­di­zi­ni­schen Ent­wick­lungs­ri­si­ken, son­dern tech­ni­sche. Das kön­nen wir mit un­se­rer Kom­pe­tenz ab­schät­zen.

Der Bio­si­mi­lars-Markt ent­steht erst. Ha­ben Sie und Ihr Part­ner Te­va sich schon Ge­dan­ken ge­macht, wie Sie die Ärz­te da­zu brin­gen wol­len, Bio­ge­ne­ri­ka zu ver­schrei­ben? Nach­ah­mer ha­ben im Spi­tal­ge­schäft tra­di­tio­nell ei­nen schwe­ren Stand. Da gibt es de­tail­lier­te Plä­ne. Wenn wir nicht über­zeugt wä­ren, ei­nen or­dent­li­chen Markt­an­teil ge­win­nen zu kön­nen, wür­den wir nicht so viel Geld in­ves­tie­ren. Ein Markt­an­teil von 10% gä­be ei­nen ver­nünf­ti­gen Pay­back.

Sind die Kun­den nicht un­glück­lich, wenn ein Zu­lie­fe­rer sie kon­kur­ren­ziert? Wir kon­kur­ren­zie­ren die Kun­den nicht. Was der Kun­de an Know-how er­hält, ist weit grös­ser, als was wir von ihm über­neh­men. Lon­za ent­wi­ckelt je­des Jahr fünf­zig bis sieb­zig neue An­ti­kör­per mit kom­plett neu­en Zell­li­ni­en und Pro­zes­sen. Wir pro­du­zie­ren mehr Wirk­stof­fe, als je­der Kun­de je ma­chen wird, rein auf­grund un­se­rer Grös­se. Ich be­haup­te: Wir ha­ben die welt­gröss­te Ent­wick­lungs­ex­per­ti­se für Bio­lo­gics.

Die Ent­wick­lung ei­nes Bio­ge­ne­ri­kums ver­schlingt ei­nen drei­stel­li­gen Mil­lio­nen­be­trag. Mit wel­chen Preis­ab­schlä­gen zum Re­fe­renz­pro­dukt rech­nen Sie? Je nach Me­di­ka­ment wird der Preis bis zu 50% nied­ri­ger sein. Wir er­war­ten, dass die Prei­se über die Zeit sin­ken. Je­der zu­sätz­li­che Nach­ah­mer muss bei Markt­ein­tritt ein grös­se­res Zu­ge­ständ­nis ma­chen.

Wie viel kann Lon­za mit ei­nem Ab­schlag von 50% noch ver­die­nen? Schaut man die Kos­ten­mo­del­le der In­no­va­to­ren an, sind das im­mer noch Mar­gen, von de­nen fast al­le an­de­ren Bran­chen nur träu­men kön­nen. Na­tür­lich muss man die Ent­wick­lungs­kos­ten zu­rück­zah­len, aber die Ver­triebs­kos­ten sind für be­reits ein­ge­führ­te Pro­duk­te ver­gleichs­wei­se ge­ring. Das wird ein Ab­wä­gen zwi­schen Preis und Markt­an­teil.

Ist die­se Be­schei­den­heit auch Lon­z­as Wur­zeln in der Che­mie ge­schul­det, wo här­te­re Rah­men­be­din­gun­gen herr­schen? Das hat si­cher da­mit zu tun. Wir müs­sen viel schär­fer rech­nen. Un­se­re Kos­ten­struk­tur ist wett­be­werbs­fä­hi­ger als die des Phar­ma­sek­tors. Sonst könn­ten wir ja mit Pro­duk­ti­on kein Geld ver­die­nen. Vi­el­leicht sind wir auch in glei­cher Kon­stel­la­ti­on mit nied­ri­ge­ren Mar­gen zu­frie­den. Lon­z­as durch­schnitt­li­che Be­triebs­ge­winn­mar­ge be­trägt 15%, wenn wir ein Ge­schäft mit 30% ha­ben: wun­der­bar.

Show­down am Ber­ner Bun­des­platz: Er­höht die Na­tio­nal­bank (rechts im Bild) die Zin­sen, freut das Re­gio­nal­ban­ken wie Va­li­ant (links).

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