US-In­sti­tu­te in­ves­tie­ren in der Schweiz

Ne­ben J. P. Mor­gan hat auch Mor­gan St­an­ley Aus­bau­plä­ne – Gold­man Sachs will kon­ti­nu­ier­lich wach­sen – Chan­ce für den Fi­nanz­platz

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - THO­MAS WYSS

Wird die Wen­de am Fi­nanz­platz Schweiz zum Big Bang nach bri­ti­schem Vor­bild? Mar­ga­ret That­cher li­be­ra­li­sier­te in den Acht­zi­ger­jah­ren den Fi­nanz­platz London – was zur Fol­ge hat­te, dass gros­ses Wachs­tum ver­zeich­net wur­de, zehn Jah­re spä­ter je­doch vie­le tra­di­tio­nel­le Mit­spie­ler von grös­se­ren aus­län­di­schen Ban­ken über­nom­men wa­ren.

Die Ame­ri­ka­ner, die früh die Ci­ty of London als Hub für Eu­ro­pa er­ober­ten, bau­en nun in der Schweiz aus. In die­ser Wo­che wur­de be­kannt, dass J. P. Mor­gan in der Schweiz mas­siv in­ves­tie­ren wird. Mor­gan St­an­ley hat eben­falls ent­spre­chen­de Plä­ne, wäh­rend Gold­man Sachs und Ci­ti eher auf ste­tes Wachs­tum set­zen.

Of­fen­si­ve in Zü­rich und Genf

Auf den ers­ten Blick er­staunt die Of­fen­si­ve der Ame­ri­ka­ner. Die Span­nun­gen zwi­schen den USA und der Schweiz im Fall UBS so­wie die Tat­sa­che, dass ame­ri­ka­ni­sche Pri­va­te-Ban­king-Kun­den in der Schweiz auch mit Blick auf die neue FatcaRe­gu­lie­rung (vgl. FuW Nr. 95 vom 4. De­zem­ber 2010) we­ni­ger will­kom­men sind als frü­her, spre­chen nicht für ame­ri­ka­ni­sche In­ves­ti­tio­nen in der Schweiz.

Sol­che Be­trach­tun­gen wer­den der Rea­li­tät al­ler­dings of­fen­sicht­lich nicht voll­um­fäng­lich ge­recht. Die ame­ri­ka­ni­schen Ban­ken in der Schweiz sind nicht pri­mär für ame­ri­ka­ni­sche Kun­den in der Schweiz oder Eu­ro­pa da, son­dern be­die­nen, ge­ra­de im Pri­va­te Ban­king, Kun­den rund um den Glo­bus.

Wenn es in der Schweiz nun zu ei­nem Pa­ra­dig­men­wech­sel kommt, schafft das neue Chan­cen. Mit der Ab­kehr von ei­nem Ge­schäfts­mo­dell mit dem Bank­kun­den­ge­heim­nis im Mit­tel­punkt öff­nen sich di­rekt und in­di­rekt neue Ge­schäfts­fel­der: Der Fi­nanz­platz Schweiz muss in an­de­ren Be­rei­chen at­trak­ti­ver und ak­ti­ver wer­den. Vie­les, was in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten an an­de­re Fi­nanz­plät­ze ver­lo­ren ging (Eu­ro­bond­markt, Gold­han­del, Fonds­ge­schäft etc.), könn­te mit ei­ner leich­te­ren Re­gu­lie­rung min­des­tens teil­wei­se zu­rück­ge­won­nen wer­den.

Heu­te kon­zen­triert sich das Ge­schäft der Ame­ri­ka­ner auf Zü­rich und Genf. J. P. Mor­gan will am meis­ten in die Schweiz in­ves­tie­ren. Das Pri­va­te Ban­king in der Schweiz soll von 650 auf über 1000 Voll­zeit­stel­len auf­ge­stockt wer­den. In Zü­rich ist ei­ne Ver­dop­pe­lung der Stel­len auf 120 ge­plant. Mor­gan St­an­ley be­schäf­tigt in Zü­rich über al­le Ge­schäfts­fel­der 150 Per­so­nen, in Genf vor al­lem im We­alth Ma­nage­ment 50 Per­so­nen. 2010 war für das In­sti­tut ein Jahr der Kon- so­li­die­rung, trotz­dem wur­de das We­alth Ma­nage­ment aus­ge­baut. In den nächs­ten Jah­ren soll wei­ter in­ves­tiert wer­den. Die Schwei­zer Bank von Mor­gan St­an­ley dient als Ba­sis für die Be­treu­ung in­ter­na­tio­na­ler Kun­den aus den Wachs­tums­märk­ten Russ­land, Eu­ro­pa, Na­her Os­ten, Latein­ame­ri­ka und Asi­en. Ci­ti-Coun­try-Of­fi­cer Ca­the­ri­ne Weir lässt sich zi­tie­ren, die Bank pla­ne ei­ne Ex­pan­si­on des Ge­schäfts mit pri­va­ten und in­sti­tu­tio­nel­len Kun­den. In die­sem Kon­text sei die Grün­dung ei­nes Glo­bal Fa­mi­ly Of­fice zu se­hen. Or­ga­ni­sches Wachs­tum ist für Gold­man Sachs ge­plant. In der Schweiz ste­hen in den Be­rei­chen Se­cu­ri­ties und In­vest­ment Ma­nage­ment rund 150 Per­so­nen in den Di­ens­ten der Bank.

Die von Mor­gan St­an­ley ver­wal­te­ten Kun­den­ver­mö­gen wer­den auf 10 bis 12 Mrd. Fr. be­zif­fert. Gold­man Sachs weist die Ver­mö­gen un­ter Ver­wal­tung nicht nach Re­gi­on aus. In­ter­es­sant wird sein zu se­hen, wie sich die­se Zah­len in den nächs­ten Jah­ren ent­wi­ckeln. Die Füh­rungs­kräf­te ame­ri­ka­ni­scher wie auch an­de­rer aus­län­di­scher Ban­ken ge­hen da­von aus, dass die Schweiz mit Blick auf den Wan­del des Bank­kun­den­ge­heim­nis­ses ent­ge­gen der land­läu­fi­gen Mei­nung nicht an At­trak­ti­vi­tät ver­lie­ren, son­dern ge­win­nen wird.

Das hat sei­ne Grün­de. Der Fi­nanz­platz Schweiz pro­fi­tiert da­von, dass die Schweiz die Fi­nanz­kri­se (ab­ge­se­hen von der UBS) gut über­stan­den hat. Die At­trak­ti­vi­tät ge­ra­de im Ver­gleich mit London steigt. Die Ver­la­ge­run­gen im Hedge-Funds-Be­reich von London in die Schweiz sind of­fen­sicht­lich, in an­de­ren Seg­men­ten könn­te die An­zie­hungs­kraft der Schweiz eben­falls ge­stei­gert wer­den.

Wachs­tum er­war­tet

Für Mar­tin Mau­rer, Ge­schäfts­füh­rer des Ver­bands der Aus­land­ban­ken in der Schweiz, ist das al­les kei­ne Über­ra­schung. Die star­ke Stel­lung im Pri­va­te Ban­king und in der Han­dels­fi­nan­zie­rung, die gu­te Fi­nanz­markt­in­fra­struk­tur und die star­ke Wäh­rung sprä­chen für den Fi­nanz­platz Schweiz: «Wir stel­len schon seit ei­ni­ger Zeit fest, dass Aus­land­ban­ken auch in Ge­schäf­ten tä­tig sind, die nicht klas­si­sches Pri­va­te Ban­king sind.»

Der Fi­nanz­platz Schweiz sei, ge­ra­de was In­fra­struk­tur und Know-how be­tref­fe, sehr di­ver­si­fi­ziert, und hier sei noch Wachs­tums­po­ten­zi­al vor­han­den. «Si­cher wird auch das Pri­va­te Ban­king in der Schweiz zu­le­gen kön­nen, denn be­son­ders die an­de­ren eu­ro­päi­schen Plät­ze und ty­pi­sche Off­s­hore-Plät­ze sind ein­fach nicht at­trak­tiv und den An­for­de­run­gen nicht ge­wach­sen», glaubt Mau­rer.

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