Mey­er Bur­gers Ge­schäft – die Ener­gie­ef­fi­zi­enz

Pro­duk­ti­on von Draht­sä­gen wird er­höht – Chi­na auch an Sä­gen für Sa­phi­re in­ter­es­siert – So­lar­in­dus­trie wird er­wach­sen – Ak­ti­en mit Blick weit vor­aus at­trak­tiv

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - BEAT D. HE­BEI­SEN

Mey­er Bur­ger re­gis­trier­te 2004 ei­nen Aus­stoss von 35 Draht­sä­gen pro Jahr. In­zwi­schen be­trägt die Ka­pa­zi­tät 35 Ma­schi­nen pro Wo­che. Dem­nächst sol­len wö­chent­lich so­gar 40 Draht­sä­gen her­ge­stellt wer­den. Auf ei­nem Rund­gang durch die Fa­b­rik­hal­len auf dem Ruag-Ge­län­de in Thun ist der Be­su­cher über­rascht, wie das Un­ter­neh­men die Pro­duk­ti­ons­ab­läu­fe in­ner­halb von nur zwei Jah­ren in­dus­tria­li­siert hat.

CEO Pe­ter Pau­li re­la­ti­viert die­sen Ein­druck. Es sei le­dig­lich das ein­ge­trof­fen, was er schon früh vor­aus­ge­sagt ha­be. Das Po­ten­zi­al der So­lar­in­dus­trie wer­de zu­neh­mend in brei­ten Krei­sen er­kannt. Das zei­ge das Bei­spiel Chi­na. Der CEO hat sich kurz vor Weih­nach­ten mit Ver­tre­tern der chi­ne­si­schen So­lar­in­dus­trie ge­trof­fen. Es sei der po­li­ti­sche Wil­le in die­sem Land, die Fo­to­vol­ta­ik vor­an­zu­brin­gen.

Die Bran­che wird aus­ser­dem zu­neh­mend ge­prägt durch gros­se Tech­no­lo­gie­kon­zer­ne, die in der Um­wand­lung von Son­nen­licht in Strom Chan­cen er­ken­nen. Das En­ga­ge­ment von Bosch in Deutsch­land, Sharp in Ja­pan so­wie die Ak­ti­vi­tä­ten von Gross­un­ter­neh­men wie LG und Samsung in Ko­rea er­zeu­gen in die­sem Seg­ment ei­nen He­bel: Die Fo­to­vol­ta­ik stösst in neue Di­men­sio­nen vor und ge­niesst ei­ne wach­sen­de Ak­zep­tanz. Die So­lar­in­dus­trie wer­de er­wach­sen, re­sü­miert Pau­li. Die gros­sen Ge­sell­schaf­ten, die sich nun po­si­tio­nier­ten, wüss­ten, wie ei­ne solch zu­kunfts­träch­ti­ge In­dus­trie kon­zi­piert und auf­ge­baut wer­den müs­se.

Er­satz für Strom­spar­lam­pen

In der Pa­nee­l­pro­duk­ti­on agie­ren mitt­ler­wei­le chi­ne­si­sche Un­ter­neh­men wie Sun­tech, GCL Pyl, Tri­na So­lar und Ying­li. Die Mo­du­le wer­den ei­ner­seits für den Ex­port pro­du­ziert, aber auch ein­ge­setzt, um in wirt­schaft­lich schwa­chen Re­gio­nen im chi­ne­si­schen Hinterland die Strom­ver­sor­gung zu for­cie­ren. Die chi­ne­si­sche Re­gie­rung will so­wohl Ener­gie ge­win­nen als auch Strom spa­ren. Am ef­fi­zi­en­tes­ten ge- schieht das mit der Op­ti­mie­rung der Be­leuch­tungs­sys­te­me durch Leucht­di­oden (LED). Um die glei­che Licht­leis­tung zu er­zeu­gen, ver­brau­chen LED nur 10 bis 20% des Stroms ei­ner nor­ma­len Glüh­lam­pe.

Chi­na in­ves­tiert des­halb in die Her­stel­lung von syn­the­ti­schen Sa­phi­ren. Sie wer­den in der Pro­duk­ti­on von Leucht­di­oden ein­ge­setzt. Weil Sa­phir hart ist, braucht es da­zu spe­zi­el­le Draht­sä­gen. Um bei­spiels­wei­se ei­nen fünf Zen­ti­me­ter di­cken Kris­tall zu schnei­den, dau­ert es 22 St­un­den. Mey­er Bur­ger ist seit Jah­ren auf den Sa­phirschnitt spe­zia­li­siert.

LED ent­wi­ckeln sich in den nächs­ten zwei Jah­ren zu ei­nem rie­si­gen Markt, ist Pau­li über­zeugt. Sein Un­ter­neh­men kann an die­sem Wachs­tum zwar nicht gleich par­ti­zi­pie­ren wie Os­ram und Phi­lips. Das Sa­phir­sub­strat ist aber ent­schei­dend für ei­ne op­ti­ma­le Licht­leis­tung. Die Qua­li­tät der Schnitt­flä­che un­ter­liegt da ähn­li­chen Kri­te­ri­en wie in der Her­stel­lung von So­lar­zel­len. Weil kein Qu­eck­sil­ber ver­wen­det wird und dank ei­ner we­sent­lich hö­he­ren Le­bens­dau­er wer­den die LED-Leuch­ten ge­mäss Pau­li zu­dem die heu­ti­gen Strom­spar­lam­pen «zwin­gend» ab­lö­sen.

Im Stamm­ge­schäft Fo­to­vol­ta­ik er­war­tet er mit­tel­fris­tig ei­nen Be­stel­lungs­rück­gang. Das Un­ter­neh­men ver­fügt über ei­nen Auf­trags­be­stand an Draht­sä­gen von über 1 Mrd. Fr. Ge­hen die­se Vo­lu­men in Pro­duk­ti­on, stei­ge die Ge­fahr von Über­ka­pa­zi­tä­ten in der Zel­len­pro­duk­ti­on. Sie wer­den durch den zu­neh­men­den Ein­satz von Dia­mant­draht noch ver­schärft, weil die­ser Draht schnel­le­res Schnei­den er­laubt, was wie­der­um den Be­darf an Ma­schi­nen re­du­ziert. Pau­li schätzt, dass in et­wa ein­ein­halb Jah­ren für ei­nen Zei­t­raum von bis zu neun Mo­na­ten we­ni­ger Be­stel­lun­gen ein­ge­hen wer­den.

Mey­er Bur­ger hat die Lo­gis­tik so­wie die Ver­trä­ge mit den Zu­lie­fe­rern be­reits so aus­ge­stal­tet, dass auch in ei­ner Vor­wärts­stra­te­gie kurz­fris­tig die Pro­duk­ti­on her­un­ter­ge­fah­ren wer­den kann. Pau­li geht zu­dem da­von aus, dass ei­ne sol­che Del­le kaum sehr tief aus­fal­len kann, wenn die Strom­bran­che in Chi­na die po­li­ti­schen Vor­ga­ben für 2013/14 er­rei­chen soll.

Ob Fo­to­vol­ta­ik oder bes­se­re Ener­gie­nut­zung: Bei­des sind Be­rei­che, in de­nen Mey­er Bur­ger die ei­ge­ne Zu­kunft de­fi­niert. Pau­li er­war­tet, dass zur Nut­zung der Son­nen­en­er­gie ir­gend­wann kei­ne Draht­sä­gen mehr für das Schnei­den der Si­li­zi­um­wafer ge­braucht wer­den. In ei­ni­gen Jah­ren wür­den sich neue Ver­fah­ren eta­blie­ren. Dar­um will er die­sen Wan­del an vor­ders­ter Front mit­ge­stal­ten.

Ener­gie ist «po­li­ti­sches Gut»

Pau­li for­dert von der Po­li­tik ei­ne ge­ziel­te­re Un­ter­stüt­zung der So­lar­in­dus­trie. Ener­gie sei ein «po­li­ti­sches Gut» und die Ba­sis für ei­ne ge­sun­de Volks­wirt­schaft. Er plä­diert für ei­ne mög­lichst ei­gen­stän­di­ge, von aus­län­di­schen Res­sour­cen un­ab­hän­gi­ge Ener­gie­ver­sor­gung und är­gert sich über die Ar­gu­men­te, die für den Bau von neu­en Kern­kraft­wer­ken in der Schweiz ins Feld ge­führt wer­den.

Es sei aber nicht sei­ne Auf­ga­be, Po­li­tik zu be­trei­ben, re­la­ti­viert er. Er füh­le sich nur ver­ant­wort­lich, in der Strom­po­li­tik Al­ter­na­ti­ven zur Kern­ener­gie auf­zu­zei­gen. Die Atom­lob­by wol­le für die nächs­ten drei Ge­ne­ra­tio­nen Fak­ten schaf­fen. Be­reits in zehn Jah­ren könn­ten die heu­ti­gen Ar­gu­men­te je­doch re­la­ti­viert wer­den, wenn die Ent­wick­lung al­ter­na­ti­ver Ener­gi­en nur «et­was» be­schleu­nigt wür­de. Fo­to­vol­ta­ik und Ener­gie­ef­fi­zi­enz sei­en auf die­sem Weg wich­ti­ge Puz­zle­tei­le.

Ein grös­se­res En­ga­ge­ment der Po­li­tik ist aus der Sicht Pau­lis noch aus ei­nem an­de­ren Grund sinn­voll. Die For­schung und Ent­wick­lung im Seg­ment al­ter­na­ti­ve Ener­gi­en wird im­mer stär­ker von den Chi­ne­sen do­mi­niert. Die Ant­wort auf die­sen Trend kön­ne nur heis­sen: För­de­rung und Stär­kung der lo­ka­len For­schung, sagt Pau­li.

Stei­ge­rung ab­seh­bar

Für den An­le­ger gibt Mey­er Bur­ger ei­ne span­nen­de Ge­schich­te ab. Die Bank Sa­ra­sin schätzt in ih­rer im No­vem­ber pu­bli­zier­ten Stu­die «So­lar­wirt­schaft – un­ter­wegs in neue Di­men­sio­nen», dass die welt­weit in­stal­lier­te Leis­tung zur Nut­zung der Son­nen­en­er­gie bis 2015 jähr­lich 33, in Chi­na so­gar 77%, wach­sen wird. Die Stu­die geht von ei­ner in­stal­lier­ten Fo­to­vol­ta­ik­leis­tung im Jahr 2020 von 116 (2010: 13,8) Gi­ga­watt aus. Schö­ne Per­spek­ti­ven für Mey­er Bur­ger.

Wir er­war­ten, dass 2011 für Mey­er Bur­ger un­spek­ta­ku­lär ver­läuft und schät­zen den Ge­winn auf 80 Mio. Fr. Für 2012 se­hen wir ei­ne Stei­ge­rung auf 110 Mio. Fr. oder 2.40 Fr. je Ak­tie (Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis 12). Dank mehr Ab­satz von Dia­mant­draht wird sich die Mar­ge der Grup­pe ver­bes­sern. In drei bis vier Jah­ren sind ein Um­satz von 1,5 Mrd. Fr. und ein Ge­winn um 200 Mio. Fr., ent­spre­chend ei­ner Mar­ge von 13%, kei­ne uto­pi­schen Grös­sen.

Nach dem Auf­zie­hen des Dia­mant­drahts wer­den im sog. Brick­mas­ter die gros­sen Si­li­zi­um­blö­cke zu­ge­schnit­ten. Da­nach fer­ti­gen Draht­sä­gen von Mey­er Bur­ger hauch­dün­ne Wa­fer­zel­len.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.