«Se­he kei­nen An­satz ei­ner Seit­wärts­be­we­gung im ope­ra­ti­ven Ge­schäft»

PE­TER PAU­LI

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - IN­TER­VIEW: DH

Herr Pau­li, die Ak­ti­en Mey­er Bur­ger ten­die­ren seit ei­nem Jahr in ei­nem brei­ten Band seit­wärts. Wie in­ter­pre­tie­ren Sie die­se Ent­wick­lung? Wir ha­ben die Pro­gno­sen 2010 deut­lich über­trof­fen. Mey­er Bur­ger konn­te vie­le neue Auf­trä­ge an­kün­di­gen. Das Auf­trags­buch ist breit ab­ge­stützt. Un­se­re Bi­lanz ist stark. Ich se­he kei­nen An­satz ei­ner Seit­wärts­be­we­gung im ope­ra­ti­ven Ge­schäft.

Die Bör­se sieht das of­fen­bar an­ders. Ich be­ob­ach­te an der Bör­se, dass sich un­se­re Ak­ti­en of­fen­bar eig­nen, um kurz­fris­ti­ge Vo­la­ti­li­tät zu er­zeu­gen, und An­le­ger die­se nut­zen. War­um Ana­lys­ten un­se­re Ti­tel auf 45 Fr. hoch­ju­beln, um dann plötz­lich nur noch ei­nen Kurs um 23 Fr. zu er­war­ten – ei­nen sol­chen Mei­nungs­um­schwung ver­ste­he ich nicht.

Sie ha­ben vor Mo­na­ten für die ers­ten drei Quar­ta­le 2011 ei­nen schwä­che­ren Auf­trags­ein­gang pro­gnos­ti­ziert. Wie be­ur­tei­len Sie ak­tu­ell die Si­tua­ti­on? Na­tür­lich kann es sein, dass sich in den ers­ten zwei Quar­ta­len der Be­stel­lungs­ein­gang et­was ab­flacht. Aber das ist doch nicht re­le­vant. Wir ver­fü­gen über ei­ne brei­te und ge­sun­de Kun­den­ba­sis so­wie ei­nen ho­hen Auf­trags­be­stand.

War­um soll ein An­le­ger jetzt in Mey­er Bur­ger in­ves­tie­ren? Wir ha­ben seit dem Bör­sen­gang im­mer dar­auf hin­ge­wie­sen, dass wir lang­fris­ti­ge Zie­le ver­fol­gen. Wer uns als Tech­no­lo­gie­lie­fe­ran­ten in die­ser In­dus­trie et­was zu­traut und wer über­zeugt ist, dass al­ter­na­ti­ve Ener­gi­en mit Schwerpunkt auf der Pho­to­vol­ta­ik sinn­voll sind, für den sind Mey­er Bur­ger lang­fris­tig at­trak­tiv.

Wo sind die Ri­si­ken? Ri­si­ken se­he ich in der Fi­nan­zie­rung und dar­in, dass Staa­ten wie die USA, Tai­wan und Chi­na Pro­jek­te im gros­sen Um­fang lang­fris­tig zu­rück­stel­len könn­ten.

Be­las­tet der Eu­ro­kurs das Ge­schäft? Wir pro­du­zie­ren auch in der Eu­ro­zo­ne. Ent­spre­chend fällt ein Teil der Kos­ten in die­ser Wäh­rung an. Die Kon­so­li­die­rung die­ser Ge­sell­schaf­ten be­ein­flusst aber schon das Er­geb­nis. Aus der Schweiz ver­kau­fen wir nur we­nig in Eu­ro.

Nach Chi­na wird in Fran­ken fak­tu­riert? Ja, so viel wie mög­lich.

An­fang 2010 wur­den Test­an­la­gen mit Dia­mant­draht aus­ge­rüs­tet. Sie sag­ten da­mals, dass mit Dia­mond Wi­re in ab­seh­ba­rer Zeit die Hälf­te des Um­sat­zes von Mey­er Bur­ger er­zielt wer­den kön­ne. Gilt die­se Aus­sa­ge noch? Wenn ich das da­mals ge­sagt ha­be, gilt das auch heu­te noch. Der Ver­kauf von Dia­mant­draht wird sich zu ei­nem we­sent­li­chen Um­satz­trä­ger des Un­ter­neh­mens ent­wi­ckeln.

Sie spra­chen da­mals da­von, 1,5 Mrd. Fr. Grup­pen­um­satz an­zu­vi­sie­ren. Das war auch ei­ne stra­te­gi­sche Aus­sa­ge. Wir wol­len in un­se­rer In­dus­trie ei­ne be­deu­ten­de Rol­le spie­len. Da­zu braucht es ein welt­wei­tes, kun­den­na­hes Ser­vice­und Ver­kaufs­netz. Dem Be­reich For­schung und Ent­wick­lung müs­sen Gel­der zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den, um die Ent­wick­lung des Mark­tes of­fen­siv vor­an­zu­trei­ben. Um die­sen Rah­men­be­din­gun­gen ge­recht zu wer­den, braucht es ei­nen Um­satz in der er­wähn­ten Grös­sen­ord­nung. Ich bin über­zeugt, dass wir die­se Ziel­vor­ga­ben in ab­seh­ba­rer Zeit auch er­rei­chen wer­den.

Ist ei­ne neue Tech­no­lo­gie in der In­dus­trie ab­seh­bar, dank der plötz­lich kei­ne Draht­sä­gen mehr ge­braucht wer­den? Ein sol­cher Wan­del ist durch­aus mög­lich. Wir rich­ten uns dar­auf aus, dass wir in

Wir rich­ten uns dar­auf ein, dass wir ab 2015 auf Um­satz mit Draht­sä­gen nicht mehr an­ge­wie­sen sind.

den Jah­ren 2015 bis 2020 auf ei­nen Um­satz mit Draht­sä­gen nicht mehr an­ge­wie­sen sein wer­den. Das neue Pro­duk­ti­ons­und For­schungs­zen­trum in Thun, das En­de Jahr be­zo­gen wird, ist pri­mär auf gros­se Vo­lu­men und nicht auf ei­ne be­stimm­te Tech­no­lo­gie aus­ge­rich­tet. Wenn wir aber in zehn Jah­ren noch im­mer Draht­sä­gen pro­du­zie­ren, weil der Markt das ver­langt, ist das auch gut so.

Wie güns­tig wird der So­lar­strom in ab­seh­ba­rer Zeit sein? Un­se­re Road­map ist pri­mär dar­auf aus­ge­rich­tet, die Her­stell­kos­ten über die ge­sam­te Wert­schöp­fungs­ket­te zu re­du­zie­ren und gleich­zei­tig den Wir­kungs­grad der So­lar­zel­le zu ver­bes­sern. Un­ter Be­rück­sich­ti­gung der Zin­sen stre­ben wir bis 2015 ei­nen Preis pro Ki­lo­watt­stun­de von 10 bis 15 Rap­pen an.

Pe­ter Pau­li ist ei­ner der pro­fi­lier­tes­ten Ken­ner der Mecha­nis­men der So­lar­in­dus­trie.

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