«Ich rech­ne mit ei­nem gu­ten Bör­sen­jahr»

MICHAEL DOB­SON Der Kon­zern­chef des bri­ti­schen Ver­mö­gens­ver­wal­ters Schro­ders zu den An­la­ge­aus­sich­ten, der Kon­so­li­die­rung im Fonds­ge­schäft und zum ETF-Boom

Finanz und Wirtschaft - - PODIUM -

Ak­ti­en­an­la­gen wa­ren für das brei­te Pu­bli­kum im ver­gan­ge­nen Jahr kaum ein The­ma. Der Zuf­luss in eu­ro­päi­sche und ame­ri­ka­ni­sche Fonds hielt sich in en­gen Gren­zen. Nur Schwel­len­markt­fonds stan­den hoch in der Gunst der An­le­ger. Michael Dob­son, Kon­zern­chef des gröss­ten un­ab­hän­gi­gen eu­ro­päi­schen Fond­shau­ses Schro­ders, ist für 2011 op­ti­mis­ti­scher ge­stimmt. Sei­ner An­sicht nach dürf­ten Pri­vat­in­ves­to­ren zu­neh­mend auf den Ge­schmack von Ak­ti­en­an­la­gen kom­men, weil Spar­ein­la­gen und die meis­ten Ob­li­ga­tio­nen vor­aus­sicht­lich nur ei­ne küm­mer­li­che Ren­di­te ab­wer­fen wer­den. Was Schro­ders be­trifft, scheint Dob­son ei­sern an ei­ner Net­to­li­qui­di­tät von fast 1 Mrd. £ (rund 1,4 Mrd. Fr.) fest­zu­hal­ten. Grös­se Ak­qui­si­tio­nen sei­en nicht ge­plant, be­tont der seit En­de 2001 am­tie­ren­de Chief Exe­cu­ti­ve Of­fi­cer im Ge­spräch mit «Fi­nanz und Wirt­schaft».

Herr Dob­son, was er­war­ten Sie von den Märk­ten 2011? Ich rech­ne mit ei­nem gu­ten Bör­sen­jahr. Die Leis­tung vie­ler Un­ter­neh­mens­chefs kann sich se­hen las­sen. Die Kon­zer­ne ha­ben reich­lich Li­qui­di­tät, was auf ei­ne Zu­nah­me von Fu­sio­nen und Über­nah­men hin­deu­tet. Hin­zu kommt, dass die Be­wer­tun­gen sel­ten über­trie­ben hoch sind.

Vie­le An­le­ger sind in Ak­ti­en nach wie vor un­ter­in­ves­tiert. Rech­nen Sie da­mit, dass sie 2011 ih­re Scheu ab­le­gen? Re­tail­an­le­ger ha­ben kei­ne an­de­re Wahl. An­ge­sichts nach wie vor ge­gen null ten­die­ren­der Zin­sen ist mit Spar­ein­la­gen so gut wie nichts zu ver­die­nen. In Län­dern wie Gross­bri­tan­ni­en, wo die In­fla­ti­on auf über 3% ge­stie­gen ist, ver­lie­ren In­ves­to­ren

Die Di­vi­den­den­ren­di­te vie­ler Stan­dard­wer­te be­trägt über 3%. Das ist at­trak­tiv.

mit Geld­markt­an­la­gen Geld. Die Bond­märk­te ste­hen vor ei­ner un­si­che­ren Pe­ri­ode: Die Kur­se ha­ben kaum noch Po­ten­zi­al nach oben. Vor Weih­nach­ten er­leb­ten wir ei­ne Ver­kaufs­wel­le.

Ei­ne er­neu­te Re­zes­si­on wür­de die Bör­sen hart tref­fen. Glau­ben Sie nicht an das Dou­ble-Dip-Sze­na­rio? Es scheint mir sehr un­wahr­schein­lich, auch wenn die ma­kro­öko­no­mi­schen Ri­si­ken nicht zu un­ter­schät­zen sind. Die In­dus­trie­län­der müs­sen den Schul­den­ab­bau fort­set­zen. Lee­ren Staats­kas­sen ste­hen in­des li­qui­de Un­ter­neh­men mit ei­ner ro­bus­ten Ge­winn­ent­wick­lung ge­gen­über. Die Di­vi­den­den­ren­di­te vie­ler Stan­dard­wer­te be­trägt über 3%. Das ist at­trak­tiv.

Die Ak­ti­en von Schro­ders no­tie­ren auf ei­nem All­zeit­hoch um 1900 p und ge­wan­nen 2010 fast 40%. Was macht Schro­ders un­ter In­ves­to­ren der­mas­sen be­liebt? Un­ser Ge­schäft wächst schnell. Im Jahr 2009 be­trug un­ser Neu­ge­schäft be­rei­nigt um ab­ge­zo­ge­ne Ver­mö­gen 15 Mrd. £, in den ers­ten neun Mo­na­ten 2010 wa­ren es 21,5 Mrd. £. Der ho­he Zuf­luss trug mit der Er­ho­lung an den Fi­nanz­märk­ten da­zu bei, dass wir die ver­wal­te­ten Ver­mö­gen seit dem Tief­punkt im März 2009 von 103 auf 182 Mrd. £ stei­ger­ten.

Hat Schro­ders Markt­an­tei­le ge­won­nen? Ja, auf si­gni­fi­kan­te Wei­se. Die we­nigs­ten Wett­be­wer­ber er­ziel­ten ein ver­gleich­ba­res Wachs­tum.

Der bri­ti­sche Kon­kur­rent Aber­de­en As­set Ma­nage­ment ver­wal­tet un­ge­fähr gleich vie­le Kun­den­gel­der wie Schro­ders.

Michael Dob­son: Den­noch ge­steht der Markt Schro­ders ei­ne deut­lich hö­he­re Be­wer­tung zu. Wes­halb? Un­se­re Brut­to­mar­ge ist hö­her. Wir er­zie­len mar­kant mehr Ge­winn. Aus­ser­dem ist un­se­re Bi­lanz sehr so­lid. Wir ha­ben kei­ne Schul­den. Un­ser Über­schuss­ka­pi­tal be­trägt fast 1 Mrd. £.

Muss Schro­ders so viel Li­qui­di­tät in den Bü­chern hal­ten? Wir sind in ei­nem zy­kli­schen Ge­schäft ak­tiv. Um lang­fris­tig zu wach­sen, be­nö­ti­gen wir aus­rei­chend Ka­pi­tal. Un­se­re Bi­lanz hilft uns, auch schwie­ri­ge Zei­ten durch­zu­ste­hen. Wäh­rend der Fi­nanz­kri­se wa­ren wir zu ge­rin­ge­ren Kos­ten­sen­kun­gen ge­zwun­gen als die meis­ten Kon­kur­ren­ten. Wir konn­ten wei­ter­hin in un­ser Ge­schäft in­ves­tie­ren. Die Qua­li­tät un­se­rer Bi­lanz ist zu­dem ein wich­ti­ges Ar­gu­ment für Kun­den, mit uns zu­sam­men­zu­ar­bei­ten.

Was ant­wor­ten Sie Kri­ti­kern, die von Ih­nen ei­ne we­ni­ger kon­ser­va­ti­ve Bi­lanz­po­li­tik for­dern? Wir er­wirt­schaf­ten trotz ho­her Li­qui­di­tät auf un­se­rem Ka­pi­tal ei­ne Ren­di­te von 18% nach Steu­ern. Das darf sich se­hen las­sen.

Pla­nen Sie ei­ne grös­se­re Ak­qui­si­ti­on? Nein, wir wol­len wei­ter­hin aus ei­ge­ner Kraft wach­sen. Grös­se­re Über­nah­men sind fast im­mer mit kul­tu­rel­len Kon­flik­ten ver­bun­den, de­nen wir lie­ber aus dem Weg ge­hen. In­ves­ti­tio­nen fas­sen wir in den Be­rei­chen IT, Mit­ar­bei­ter und neue Pro­duk­te ins Au­ge.

Gibt es Ak­tio­nä­re, die von Ih­nen gleich­wohl Zu­käu­fe ver­lan­gen? Un­se­re Ak­tio­nä­re mö­gen die auf or­ga­ni­sches Wachs­tum aus­ge­rich­te­te Stra­te­gie. Die Tat­sa­che, dass die Schro­ders-Ak­ti­en seit der Er­ho­lung an den Fi­nanz­märk­ten ab dem zwei­ten Quar­tal 2009 den FTSE100-In­dex, den Sek­tor der As­set-Ma­na­ger und die Ti­tel der meis­ten Kon­kur­ren­ten weit hin­ter sich ge­las­sen ha­ben, be­stä­tigt uns auf un­se­rem Weg.

Er­hal­ten Sie For­de­run­gen nach ei­ner Ka­pi­tal­rück­er­stat­tung? Das ist Jah­re her. In­zwi­schen hat der Markt ein­ge­se­hen, wel­chen Vor­teil ei­ne ho­he Li­qui­di­tät be­son­ders in Kri­sen­zei­ten birgt.

Im ver­gan­ge­nen Jahr liess die An­la­ge­leis­tung von Schro­ders aus­ge­rech­net im Be­reich Schwel­len­markt-Ak­ti­en­fonds zu wün­schen üb­rig, die bran­chen­weit zu den be­lieb­tes­ten In­vest­ment­ge­fäs­sen zäh­len. Zie­hen Sie per­so­nel­le Kon­se­quen­zen?

Un­se­re Brut­to­mar­ge ist hö­her. Wir er­zie­len mar­kant mehr Ge­winn. Aus­ser­dem ist un­se­re Bi­lanz sehr so­lid. Wir ha­ben kei­ne Schul­den.

Wir ha­ben ein star­kes Team, das mein Ver­trau­en ge­niesst. Über die letz­ten drei bis fünf Jah­re be­trach­tet, er­brach­te es ei­ne for­mi­da­ble Leis­tung. Für die Qua­li­tät un­se­rer Schwel­len­markt-Ak­ti­en­fonds spricht auch, dass sie trotz der jüngs­ten Her­aus­for­de­run­gen 2010 ei­nen si­gni­fi­kan­ten Neu­geld­zu­fluss ver­zeich­ne­ten.

Zahl­rei­che Ban­ken ha­ben sich ent­schlos­sen, das As­set Ma­nage­ment nicht mehr ei­gen­stän­dig zu füh­ren. Rech­nen Sie mit ei­ner wei­te­ren Markt­be­rei­ni­gung? Der Pro­zess ist nicht ab­ge­schlos­sen. Wei­te­re Ban­ken dürf­ten sich nach ei­nem Part­ner um­se­hen. Doch es gibt auch In­sti­tu­te, die am As­set Ma­nage­ment fest­hal­ten oder es gar aus­bau­en. Zur letz­te­ren Grup­pe ge­hört die Roy­al Bank of Ca­na­da, die un­längst für 1 Mrd. £ den bri­ti­schen Fonds­ma­na­ger Blue­bay As­set Ma­nage­ment er­wor­ben hat. In­so­fern las­sen sich die De­ves­ti­tio­nen nicht ver­all­ge­mei­nern.

Was hal­ten Sie von den Spe­ku­la­tio­nen, dass die UBS ei­nen Käu­fer für ihr As­set Ma­nage­ment sucht? Die­ses Ge­rücht exis­tiert seit lan­gem. Bis­her wur­de der Be­reich ent­ge­gen al­len Spe­ku­la­tio­nen nicht ver­kauft.

«Un­se­re Ak­tio­nä­re mö­gen die auf or­ga­ni­sches Wachs­tum aus­ge­rich­te­te Stra­te­gie.»

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