Frank­reichs Re­gie­rung ist ge­for­dert

Staats­prä­si­dent Sar­ko­zy will Fi­nanz­trans­ak­ti­ons­steu­er neu lan­cie­ren – Er­hö­hung der wö­chent­li­chen Ar­beits­zeit für ihn kein The­ma

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - GESCHE WÜPPER,

FLetz­te Re­form­pro­jek­te

rank­reichs Staats­prä­si­dent Nicolas Sar­ko­zy hat die Mar­sch­rich­tung vor­ge­ge­ben. «Mit­te 2011 wer­den wir sa­gen kön­nen, dass wir un­ser ge­sam­tes Re­form­pro­gramm durch­ge­setzt ha­ben», er­klär­te er vor Mit­glie­dern der kon­ser­va­ti­ven Re­gie­rungs­par­tei UMP be­reits im Mai. «Da­nach ma­chen wir nur noch Po­li­tik.» Po­li­tik, das heisst Wahl­kampf für die Prä­si­dent­schafts­wah­len 2012. Of­fi­zi­ell hat Sar­ko­zy sei­ne Kan­di­da­tur noch nicht be­kannt­ge­ge­ben, doch in Paris zwei­felt nie­mand, dass er ei­ne zwei­te Amts­zeit an­strebt.

Soll­te Do­mi­ni­que Strauss-Kahn, der Chef des In­ter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds, für die So­zia­lis­ten an­tre­ten, wird die Auf­ga­be für Sar­ko­zy nicht ein­fach sein. Denn Strauss-Kahn ist Um­fra­gen zu­fol­ge be­liebt. Sar­ko­zy be­fin­det sich da­ge­gen in ei­nem Dau­er-Um­fra­ge­tief: Im De­zem­ber sank sei­ne Be­liebt­heit mit nur 24% Zu­stim­mung auf ein his­to­ri­sches Tief. Die Steu­er-und Par­tei­spen­den­af­fä­re um die L’Oréal-Er­bin Li­lia­ne Bet­ten­court so­wie die Ver­ab­schie­dung der Ren­te­re­form be­las­ten sein Image. All dies will Sar­ko­zy ver­ges­sen ma­chen. Punk­ten will er da­bei vor al­lem als Staats­mann, da er seit dem 1. Ja­nu­ar so­wohl die G-8-Füh­rung als auch den G-20-Vor­sitz in­ne­hat. Da­für hat sich Sar­ko­zy ehr­gei­zi­ge Zie­le ge­setzt. So will er nichts we­ni­ger als «den Ka­pi­ta­lis­mus mora­li­sie­ren» und das «Fi­nanz­ka­pi­tal in den Di­enst des Wachs­tums» stel­len. Er will zu­dem den Wech­sel­kurs­streit um Dol­lar, Eu­ro und Yuan be­en- den. Zu­dem möch­te er die Idee ei­ner in­ter­na­tio­na­len Fi­nanz­trans­ak­ti­ons­steu­er neu lan­cie­ren und die im­mer grös­se­ren Schwan­kun­gen der Roh­stoff­prei­se in den Griff be­kom­men.

Sar­ko­zy ris­kiert al­ler­dings, mit sei­nen Vor­schlä­gen die USA zu brüs­kie­ren: Prä­si­dent Ba­rack Oba­ma hat be­reits ge­droht, dem G-8-Gip­fel Mit­te 2011 in De­au­vil­le fern­zu­blei­ben. Bei sei­ner Rei­se nach Washington am Mon­tag dürf­te Sar­ko­zy das Ter­rain son­die­ren. Wei­te­re De­tails zu sei­nen Plä­nen wird das Staats­ober­haupt wohl auf dem Neu­jahrs­emp­fang für die Pres­se am 24. Ja­nu­ar in Paris vor­stel­len.

In der In­nen­po­li­tik hat sich Sar­ko­zy für 2011 die letz­ten Pro­jek­te sei­nes Re­form­pro­gramms wie die Re­form der Al­ten­pfle­ge auf­ge­spart, ein Wahl­ver­spre­chen von 2007, das je­doch be­reits im Vor­feld für Po­le­mik sorgt. Da­bei steht auch ei­ne pri­va­te Pfle­ge­ver­si­che­rung zur Dis­kus­si­on. Fi­nan­ziert wer­den könn­te das durch die An­he­bung der Steu­ern für Er­ben. Die Re­gie­rung soll vor dem Som­mer ers­te Mass­nah­men be­kannt­ge­ben.

Ne­ben der Pfle­ge­re­form und der Be­kämp­fung des Haus­halts­de­fi­zits fasst Sar­ko­zy ei­ne Re­form des Steu­er­sys­tems so­wie Mass­nah­men zur Be­kämp­fung der Ju­gend­ar­beits­lo­sig­keit ins Au­ge: Frank­reich ge­hört zu den eu­ro­päi­schen Län­dern mit der höchs­ten Ar­beits­lo­sen­ra­te (24,2%) bei Ju­gend­li­chen bis 25 Jah­ren. Der Prä­si­dent will des­halb dua­le Aus­bil­dun­gen för­dern. Um die Ar­beit­ge­ber da­von zu über­zeu­gen, denkt er über die Ein­füh­rung ei­nes Bo­nusMa­lus-Sys­tems nach.

Ver­mö­gens­steu­er ab­schaf­fen

En­de April soll dann Haus­halts­mi­nis­ter François Ba­ro­in das Ge­rüst der ge­plan­ten Steu­er­re­form vor­stel­len. Sar­ko­zy hat da­für be­reits vier Zie­le ge­nannt, die al­ler­dings schwer mit­ein­an­der ver­ein­bar er­schei­nen: Ne­ben der Ab­schaf­fung des Steu­er­schutz­schil­des für Gross­ver­die­ner, die dem Staat Mehr­ein­nah­men von 700 Mio. € be­sche­ren dürf­te, ge­hört da­zu die Ab­schaf­fung der Ver­mö­gens­steu­er. Da­durch wür­den dem Staat Ein­nah­men von rund 4 Mrd. € ver­lo­ren ge­hen. Gleich­zei­tig hat Sar­ko­zy er­klärt, er wol­le kei­ne neue, hö­he­re Ein­kom­mens­steu­er­klas­se ein­füh­ren. In sei­ner Neu­jahrs­an­spra­che ver­sprach er zu­dem, dass die Re­form «die Fran­zo­sen vor De­lo­ka­li­sie­run­gen schüt­zen» sol­le.

Aus wirt­schafts­po­li­ti­scher Sicht steht Sar­ko­zy nicht nur we­gen der Steu­er­re­form vor gros­sen Her­aus­for­de­run­gen. Denn in Frank­reich ist zu­sätz­lich ei­ne neue De­bat­te über die 35-St­un­den-Wo­che ent- brannt. An­ge­stos­sen wur­de sie aus­ge­rech­net vom so­zia­lis­ti­schen Ab­ge­ord­ne­ten Ma­nu­el Valls, der ih­re Ab­schaf­fung for­dert. Doch so­wohl So­zia­lis­ten als auch die kon­ser­va­ti­ve Re­gie­rungs­par­tei UMP sind ge­teil­ter Mei­nung, wäh­rend ei­ne knap­pe Mehr­heit der Be­völ­ke­rung die 35-St­un­den-Wo­che be­hal­ten will. Sar­ko­zy ver­sucht ge­ra­de die Dis­kus­si­on ein­zu­däm­men. Ge­sprä­che über die 35-St­un­denWo­che sei­en nicht ta­bu. Doch of­fen­kun­dig ist das für ihn der­zeit kein The­ma.

Eck­da­ten Frank­reich

Staats­chef Sar­ko­zy: Die Ren­ten­re­form hat sei­ne Be­liebt­heit wei­ter sin­ken las­sen.

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