Un­ter­su­chungs­kom­mis­si­on be­las­tet BP schwer

In sie­ben von neun Ri­si­ko­ent­schei­dun­gen ver­ant­wort­lich für Öl­un­fall im Golf von Me­xi­ko – Hal­li­bur­ton und Tran­so­ce­an mit­be­tei­ligt

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - MG

Der Un­fall auf der Bohr­platt­form «Deep­wa­ter Ho­ri­zon» vom ver­gan­ge­nen 20. April im Golf von Me­xi­ko sei das «Pro­dukt meh­re­rer in­di­vi­du­el­ler Fehl­trit­te und Fehl­in­ter­pre­ta­tio­nen durch BP, Hal­li­bur­ton und Tran­so­ce­an ge­we­sen, die Re­gie­rungs­be­hör­den nicht zu ver­hin­dern fä­hig wa­ren, weil ih­nen die Au­to­ri­tät, die per­so­nel­len Res­sour­cen und das tech­ni­sche Know­how fehl­ten». So fass­te der Ko-Vor­sit­zen­de Bob Gra­ham den am Mitt­woch ver­öf­fent­lich­ten Teil­be­richt ei­ner von US-Prä­si­dent Ba­rack Oba­ma ein­ge­setz­ten Un­ter­su­chungs­kom­mis­si­on zu­sam­men. Der voll­stän­di­ge Be­richt soll nächs­te Wo­che pu­bli­ziert wer­den. Der Un­fall wur­de durch ei­ne Gas­ex­plo­si­on ver­ur­sacht, die elf Ar­bei­ter tö­te­te, die Bohr­platt­form un­ter­ge­hen liess und zur schwers­ten Öl­pest in der Ge­schich­te der USA führ­te.

Kein Ein­zel­er­eig­nis

Die Kom­mis­si­on räumt auf mit dem Ar­gu­ment der In­dus­trie, der Un­fall sei ein Ein­zel­er­eig­nis und sei auf un­üb­li­che Ent­schei­dun­gen der in­vol­vier­ten Un­ter­neh­men zu­rück­zu­füh­ren. Die Ex­plo­si­on «war nicht das Pro­dukt ei­ner Se­rie von ir­ra­tio­na­len Ent­schei­dun­gen durch Ge­set­zes­bre­cher in der In­dus­trie oder in den Be­hör­den», heisst es in dem vor­ab ver­öf­fent­lich­ten Ka­pi­tel des Un­ter­su­chungs- be­richts. «Die Grundur­sa­chen sind viel­mehr sys­tem­be­dingt und könn­ten – wenn es nicht zu tief­grei­fen­den Re­for­men in den In­dus­trie­prak­ti­ken und den Be­hör­den­po­li­ti­ken kommt – er­neut auf­tre­ten.»

Die Kom­mis­si­on kri­ti­siert al­le drei Un­ter­neh­men, fo­kus­siert aber auf den bri­ti­schen Ener­gi­e­mul­ti BP, dem das Bohr­loch ge­hör­te und der die Boh­run­gen über­wach­te. Sie iden­ti­fi­ziert neun Ent­schei­dun­gen, mit de­nen Zeit ge­spart wer­den soll­te, die aber das Ri­si­ko er­höh­ten. Für sie­ben da­von war BP ver­ant­wort­lich. Die Kom­mis­si­on sagt da­zu, der Mul­ti ha­be es ver­säumt, Ver­fah­ren ein­zu­rich­ten, die ver- hin­dern könn­ten, dass Kos­ten­sen­kungs­an­stren­gun­gen die Si­cher­heit kom­pro­mit­tie­ren. Die Kom­mis­si­on kri­ti­siert auch, dass die Bri­ten wie­der­holt Än­de­run­gen am Bohr­loch­de­sign vor­ge­nom­men hät­ten, oh­ne die mit den Än­de­run­gen ver­bun­de­nen Ri­si­ken an­zu­ge­hen.

BP re­agier­te auf die An­schul­di­gun­gen mit der Mit­tei­lung, dass die US-Kom­mis­si­on wie ein ei­ge­ner Un­ter­su­chungs­be­richt zum Schluss kom­me, der Un­fall sei das Re­sul­tat ver­schie­de­ner Ur­sa­chen und der Ak­ti­vi­tä­ten ver­schie­de­ner Un­ter­neh­men. Der Mul­ti füg­te an, er sei dar­an si­cher­zu­stel­len, dass die Er­fah­run­gen aus dem Un­fall in Ver­bes­se­run­gen der Si­cher­heit und des Ri­si­ko­ma­nage­ments bei Tief­see­boh­run­gen ein­flies­sen.

Dem US-Öl­feld­dienst­leis­ter Hal­li­bur­ton wirft die Kom­mis­si­on vor, den zur Sta­bi­li­sie­rung des Bohr­lochs ver­wen­de­ten Ze­ment nicht un­mit­tel­bar ge­prüft und BP nicht alar­miert zu ha­ben, nach­dem Tests ge­zeigt hät­ten, dass das Ma­te­ri­al in­sta­bil sei. Hal­li­bur­ton gab zu­rück, der Ze­ment sei nach Vor­ga­ben von BP ge­mixt wor­den und ha­be ei­nen ab­schlies­sen­den La­b­or­test be­stan­den.

Dem in der Schweiz ko­tier­ten ame­ri­ka­ni­schen Bohr­platt­form­be­sit­zer Tran­so­ce­an hält die Kom­mis­si­on vor, beim Er­ken­nen von Si­gna­len für Pro­ble­me ver­sagt zu ha­ben und die Platt­form­be­sat­zung nicht über ge­lern­te Lek­tio­nen aus ei­nem sehr ähn­li­chen Bei­na­heun­fall auf ei­ner sei­ner Bohr­in­seln in der Nord­see in­for­miert zu ha­ben. Tran­so­ce­an kon­ter­te mit dem Hin­weis, die Ver­fah­ren auf der Bohr­platt­form in den letz­ten St­un­den vor dem Un­fall sei­en von BP er­stellt und di­ri­giert so­wie im Vor­aus von den Auf­sichts­be­hör­den ab­ge­seg­net wor­den. An­hand der we­ni­gen In­for­ma­tio­nen, die ihr zur Ver­fü­gung ge­stan­den hät­ten, ha­be die Mann­schaft die rich­ti­gen Mass­nah­men ge­trof­fen, um das Bohr­loch zu kon­trol­lie­ren.

Für Ge­richt wich­tig

Die Er­kennt­nis­se der Un­ter­su­chungs­kom­mis­si­on sind wich­tig für das von ei­nem Ge­richt zu fäl­len­de Ur­teil, ob BP und Kon­sor­ten fahr­läs­sig oder grob­fahr­läs­sig ge­han­delt ha­ben. Soll­te Letz­te­res zu­tref­fen, wür­de die Bus­se für die durch den Un­fall ent­stan­de­ne Öl­pest im Golf von Me­xi­ko meh­re­re Mil­li­ar­den Dol­lar hö­her aus­fal­len. BP hat für die Be­glei­chung der Un­fall­kos­ten – Bohr­loch­ver­sie­ge­lung, Säu­be­rungs­ar­bei­ten, Ver­dienst­aus­fall­ent­schä­di­gun­gen für Fischer und Tou­ris­mus­un­ter­neh­mer am Golf so­wie Bus­sen – ins­ge­samt 30 Mrd. $ zu­rück­ge­stellt. Bis die Ver­ant­wort­lich­kei­ten auch ge­richt­lich ge­klärt sind, blei­ben die Ak­ti­en der be­tei­lig­ten Un­ter­neh­men Hoch­ri­si­ko­pa­pie­re.

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