Pech für Shell in Alas­ka

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - HTZ,

Der nie­der­län­disch-bri­ti­sche Öl­kon­zern Roy­al Dutch Shell muss sei­ne Boh­run­gen vor der Küs­te von Alas­ka er­neut ver­schie­ben. Grund da­für ist ei­ne neue Kla­ge von Um­welt­schüt­zern. Sie ha­ben fest­ge­stellt, dass die Bohr­ge­neh­mi­gung der US-Be­hör­den auf Ba­sis ver­al­te­ter Nor­men für den Stick­stoff­oxid­aus­stoss zu­stan­de ge­kom­men war, und ha­ben des­halb vor dem En­vi­ron­ment Ap­peals Bo­ard Be­ru­fung ge­gen die Be­wil­li­gung ein­ge­legt.

Für Shell ist das ein schwe­rer Schlag. «Wir ver­lie­ren da­durch wahr­schein­lich wie­der viel Zeit, und es kos­tet auch viel Geld», be­dau­ert die Haa­ger Kon­zern­zen­tra­le. Denn im ver­gan­ge­nen Jahr, als die Boh­run­gen in der Be­aufort Sea vor Alas­ka be­gin­nen soll­ten, er­eig­ne­te sich die Ex­plo­si­on der BP-Öl­platt­form «Deep­wa­ter Ho­ri­zon» im Golf von Me­xi­ko (vgl. ne­ben­ste­hen­den Ar­ti­kel un­ten). Die US-Re­gie­rung un­ter­band dar­auf­hin al­le Boh­run­gen vor den Küs­ten der USA.

Kein Grund zur Sor­ge

Das Ver­bot wur­de in­zwi­schen auf­ge­ho­ben. Shell ging des­halb da­von aus, mit den Boh­run­gen vor Alas­ka im Som­mer be­gin­nen zu kön­nen. Die Ge­neh­mi­gung hat­te noch die US-Re­gie­rung un­ter Prä­si­dent Ge­or­ge W. Bush er­teilt. We­gen der Wet­ter­ver­hält­nis­se kann dort nur im Som­mer ge­bohrt wer­den, wenn die Ge­wäs­ser eis­frei sind. Shell will ins­ge­samt neun Boh­run­gen durch­füh­ren. Da­für wur­den Schif­fe ge­mie­tet, die nun so­zu­sa­gen ar­beits­los vor An­ker lie­gen. Die Miet­kos­ten be­tra­gen 60 Mio. $ im Quar­tal. Wenn sich das Be­ru­fungs­ver­fah­ren über den Som­mer hin­zieht, kön­nen die Boh­run­gen vor­aus­sicht­lich erst im Som­mer 2012 be­gin­nen.

Der nie­der­län­disch-bri­ti­sche Ener­gie­kon­zern ist je­doch welt­weit tä­tig. Im drit­ten Quar­tal 2010 wur­de die Öl­för­de­rung im Jah­res­ver­gleich um 3% auf 1,71 Mio. Bar­rel pro Tag ge­stei­gert. Die Gas­för­de­rung nahm 7% zu, so­dass die Ge­samt­pro­duk­ti­on um 5% auf 3,06 Mio. Bar­rel Öl­äqui­va­len­te pro Tag wuchs (vgl. FuW Nr. 85 vom 30. Ok­to­ber 2010).

Den­noch ist die neu­er­li­che Ver­zö­ge­rung der Boh­run­gen vor Alas­ka für Shell ei­ne her­be Ent­täu­schung, weil sich da­durch die Öl­för­de­rung in die­ser Re­gi­on ver­zö­gert. Al­ler­dings wird bis An­fang 2012 die in Ka­tar er­rich­te­te welt­gröss­te An­la­ge zur Her­stel­lung von Flüs­sig­gas (LNG) voll ope­ra­tiv sein und läuft auch die Öl-und Gas­för­de­rung auf der rus­si­schen Halb­in­sel Sa­cha­lin her­vor­ra­gend.

Ak­ti­en blei­ben kau­fens­wert

An der Bör­se re­agier­ten die An­le­ger ge­las­sen auf die un­er­freu­li­che Nach­richt aus den USA. Roy­al Dutch Shell ga­ben am Don­ners­tag 0,5% auf 25.16 € nach und no­tier­ten am Frei­tag­mit­tag 24.99 €. Sie lie­gen aber dank des fes­ten Öl­prei­ses nach wie vor gut im Markt. Aus­ser­dem lo­cken sie mit ei­ner at­trak­ti­ven Di­vi­den­den­ren­di­te von über 5%.

Auf Ba­sis der Ge­winn­schät­zung für das lau­fen­de Jahr sind Roy­al Dutch Shell mit ei­nem mo­de­ra­ten Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis (KGV) von 8 be­wer­tet. Sie blei­ben kau­fens­wert. Nicht zu­letzt auch des­halb, weil der Öl­preis im Zu­ge der sich wie­der­be­le­ben­den Welt­kon­junk­tur wei­ter stei­gen dürf­te. Die Un­ter­neh­mens­aus­sich­ten sind in­takt. Das Ziel ist, bis 2012 die Ta­ges­pro­duk­ti­on auf 3,5 Mio. Bar­rel Öl­äqui­va­len­te zu stei­gern. Die ra­sche Ge­win­ner­ho­lung spricht da­für, dass die Di­vi­den­de er­höht wird.

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