Tes­co bes­ser in Form als Car­re­four

Hö­he­re Nah­rungs­mit­tel­prei­se ein Ri­si­ko für Mar­ge – In­ter­na­tio­na­le Ex­pan­si­on bleibt Prio­ri­tät für bei­de – Car­re­four brei­ter auf­ge­stellt

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - CLIFFORD PADEVIT,

Kon­su­men­ten sind ein­fach nicht in Stim­mung. Sie spa­ren mehr und ge­ben we­ni­ger aus. Ent­spre­chend vor­sich­tig sind An­le­ger mit Ak­ti­en der eu­ro­päi­schen Le­bens­mit­tel-De­tail­händ­ler Car­re­four und Tes­co. Car­re­four ga­ben im letz­ten Jahr 8% nach, wäh­rend Tes­co fast un­ver­än­dert no­tier­ten. Auch über drei Jah­re ge­se­hen hat Tes­co die Na­se vor­ne (vgl. Kurs­gra­fik).

Im lau­fen­den Jahr wird das Um­feld für De­tail­händ­ler schwie­rig blei­ben. In vie­len Län­dern stei­gen die Steu­ern und Re­al­lohn­er­hö­hun­gen sind sel­ten. Wenn Kon­su­men­ten den Gür­tel en­ger schnal­len, dann trifft das vor­ab grös­se­re An­schaf­fun­gen in Non-Food-Ka­te­go­ri­en (bei Car­re­four und Tes­co rund 20% des Um­sat­zes). Die letz­ten zwei Jah­re ha­ben aber ge­zeigt, dass auch Aus­ga­ben für Le­bens­mit­tel an­ge­passt wer­den. Zu­gleich dro­hen hö­he­re Prei­se für Nah­rungs­mit­tel die Mar­gen von Su­per­markt­ket­ten zu be­las­ten.

Hö­he­re Le­bens­mit­tel­prei­se

In­fla­ti­on wird für Le­bens­mit­tel­händ­ler im kom­men­den Jahr zum The­ma. Die Wel­ter­näh­rungs­or­ga­ni­sa­ti­on FAO warn­te die­se Wo­che be­reits vor ei­nem «Nah­rungs­mit­tel­preis­schock» (vgl. Gra­fik). «Hö­he­re Prei­se zei­gen sich den De­tail­händ­lern erst mit ei­ni­gen Mo­na­ten Ver­zö­ge­rung», sagt Na­ta­lie Berg ge­gen­über «Fi­nanz und Wirt­schaft». Berg lei­tet das welt­wei­te Re­se­arch des Ana­ly­se­un­ter­neh­mens Pla­net Re­tail. Die Ver­hand­lungs­macht der gros­sen De­tail­lis­ten wie Tes­co und Car­re­four be­deu­te aber meis­tens, dass Lie­fe­ran­ten die hö­he- ren Kos­ten tra­gen müss­ten. Tes­co zum Bei­spiel hat un­längst Pro­duk­te von Pre­mier Foods aus dem Sor­ti­ment ge­kippt, weil der Brot­lie­fe­rant ge­stie­ge­ne Wei­zen­prei­se wei­ter­ge­ben woll­te.

«Ganz oh­ne Preis­er­hö­hun­gen wird es nicht ge­hen», glaubt Berg. Sie er­war­tet, dass De­tail­händ­ler Preis­stei­ge­run­gen aber zu­nächst zu ab­sor­bie­ren ver­su­chen, schliess­lich herrscht ein Preis­kampf. Die Num­mer zwei in Gross­bri­tan­ni­en, die Wal-Mart-Sto­res-Toch­ter As­da, ga­ran­tiert 10% tiefere Prei­se im Ver­gleich zur Kon­kur­renz. Preis­er­hö­hun­gen sind da­mit bei­na­he aus­ge­schlos­sen, ob­wohl sie in eu­ro­päi­schen Märk­ten, in de­nen Car­re­four und Tes­co tä­tig sind, hel­fen wür­den, den Ef­fekt tie­fe­rer Vo­lu­men aus­zu­glei­chen.

So­wohl Car­re­four als auch Tes­co er­ziel­ten 2009 gut 80% des Um­sat­zes in Eu­ro­pa. Der Heim­markt Frank­reich brach­te bei Car­re­four 43% ein. Tes­co setzt erst je­des drit­te Pfund aus­ser­halb von Gross­bri­tan­ni­en um. Car­re­four ist brei­ter auf­ge­stellt in Eu­ro­pa und an­ders als Tes­co nicht nur in der Wachs­tums­re­gi­on Asi­en prä­sent, son­dern auch in Latein­ame­ri­ka. Phi­lip Clar­ke, der neue CEO von Tes­co, wird zwei­fels­oh­ne der Ex­pan­si­on in Emer­ging Mar­kets mit Wachs­tums­ra­ten von 15 bis 20% Prio­ri­tät ein­räu­men (vgl. Por­trät links).

Er­neue­rung ver­sus Kon­stanz

Clar­ke über­nimmt – ab­ge­se­hen von an­hal­ten­den Ver­lus­ten im US-Ge­schäft – ein gut be­stell­tes Haus, das weit hö­he­re Mar­gen er­zielt als Car­re­four. Er kann auf gu­ten Er­geb­nis­sen der letz­ten Jah­re auf­bau­en und wird kei­ne Re­vo­lu­ti­on star­ten. Car­re­four da­ge­gen wähnt sich bis 2012 in ei­ner Er­neue­rungs­pha­se, die ei­ne Wachs­tums­wel­le aus­lö­sen soll. Das un­ter­strich CEO Lars Olofs­son mit sehr am­bi­tiö­sen Zie­len. Er strebt für 2015 ei­nen Um­satz von 120 Mrd. € an (+50% ge­gen­über 2009). Der ver­gleich­ba­re ope­ra­ti­ve Ge­winn soll auf 6,4 Mrd. € mehr als ver­dop­pelt wer­den.

Kern­ele­ment ist die Er­neue­rung der 500 Hy­per­märk­te in Frank­reich, Spa­ni­en, Bel­gi­en, Ita­li­en und Grie­chen­land in den nächs­ten zwei Jah­ren. Ein Teil da­von wird durch Kos­ten­sen­kun­gen fi­nan­ziert; bis 2012 sol­len 3,1 Mrd. € ein­ge­spart wer­den. An­le­ger sind skep­tisch, ob Car­re­four die Zie­le er­rei­chen kann. Schlecht ver­daut ha­ben sie über­dies ei­ne Ge­winn­war­nung im Zu­sam­men­hang mit buch­hal­te­ri­schen Feh­lern in Bra­si­li­en, die zu Ab­schrei­bun­gen von La­ger­be­stän­den und Rück­stel­lun­gen für Rechts­fäl­le von 550 Mio. € füh­ren. Eben­falls ge­warnt wur­de vor dem «her­aus­for­dern­den» Ge­schäfts­kli­ma in Eu­ro­pa. Die Pro­gno­se des ver­gleich­ba­ren Ge­winns («Ac­tivi­ty Cont­ri­bu­ti­on») wur­de auf 3 Mrd. € (–4%) ge­senkt.

Vo­r­erst wer­den die Ak­ti­en auf die neus­ten Um­satz­zah­len re­agie­ren, die Car­re­four und Tes­co nächs­te Wo­che be­kannt­ge­ben. Für bei­de spricht die leich­te Sta­bi­li­sie­rung der Kon­sum­aus­ga­ben in Eu­ro­pa. Tes­co und Car­re­four sind ge­mes­sen an ei­nem Kurs-Ge­winn-Ver­hält­nis 2011 von 12 gleich be­wer­tet. Tes­co ist je­doch die si­che­re­re Wet­te. Car­re­four muss erst zei­gen, dass die Er­neue­rung ge­lingt.

Feh­ler in der Buch­hal­tung zwin­gen Car­re­four in Bra­si­li­en zu ei­nem 550-Mio.-€-Ab­schrei­ber.

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