De­tail­han­del le­bens­lang

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - CP

In den letz­ten zwölf Mo­na­ten ha­ben meh­re­re bri­ti­sche Un­ter­neh­men ih­re Füh­rungs­spit­zen aus­ge­wech­selt oder zu­min­dest die Stab­über­ga­be an­ge­kün­digt. Die Be­klei­dungs­ket­te Marks & Spen­cer hat ei­nen neu­en Chef. Seit Ja­nu­ar liegt das Zep­ter der Ban­ken HSBC und Bar­clays bei an­de­ren Per­so­nen, und auch der Tur­bi­nen­her­stel­ler Rolls-Roy­ce hat bald ei­nen neu­en CEO. Die­ser letz­ten Ab­lö­sung ist der Wech­sel an der Spit­ze des De­tail­händ­lers Tes­co sehr ähn­lich: Die Vor­gän­ger wa­ren gut vier­zehn Jah­re im Amt.

Ab März wird Tes­co von Phi­lip Clar­ke ge­führt. Der Fünf­zig­jäh­ri­ge über­nimmt von Sir Ter­ry Le­a­hy. Sir Ter­ry ge­bührt die Eh­re, nicht nur Sains­bu­ry als gröss­ten Le­bens­mit­tel­händ­ler in Gross­bri­tan­ni­en ab­ge­löst, son­dern in der Rang­lis­te der welt­gröss­ten Ein­zel­händ­ler den drit­ten Platz hin­ter Wal-Mart Sto­res aus den USA und Car­re­four aus Frank­reich (vgl. Text rechts) er­reicht zu ha­ben. Er wird über­dies als Va­ter des Kun­den­bin­dungs­pro­gramms Club­card ge­fei­ert, das er 1994 – da­mals noch als Mar­ke­ting­chef – ein­führ­te.

Li­ver­pool-Con­nec­tion

Phi­lip Clar­ke stammt wie Le­a­hy aus Li­ver­pool. Er ist erst der sechs­te Kon­zern­chef in der acht­zig­jäh­ri­gen Un­ter­neh­mens­ge­schich­te. Er durch­lief sei­ne ge­sam­te bis­he­ri­ge Kar­rie­re bei Tes­co, was fir­men­in­tern als Aus­zeich­nung be­grif­fen wird. Es gibt zwar vie­le Un­ter­neh­men, die be­haup­ten, dass die An­ge­stell­ten wie ei­ne gros­se Fa­mi­lie sei­en. Im Fall von Tes­co scheint es je­doch gar so et­was wie ei­nen haus­ei­ge­nen Kult zu ge­ben: Clar­ke be­zeich­net sei­nen Vor­gän­ger als «gross­ar­ti­gen Leh­rer». Grös­se­re Um­wäl­zun­gen sind mit Clar­ke, der nur fünf Jah­re jün­ger ist als Le­a­hy, an­de­rer­seits nicht zu er­war­ten.

Die ers­te per­sön­li­che Er­fah­rung mit Tes­co, an die er sich er­in­nern kön­ne, sagt Clar­ke, ha­be er als Fünf­jäh­ri­ger ge­macht. Er sass ei­nen Sonn­tag­nach­mit­tag lang an der Kas­se in ei­nem von sei­nem Va­ter ge­führ­ten Tes­co-Ge­schäft in Li­ver­pool. Na­tür­lich stimm­te die Abrech­nung spä­ter nicht, was Va­ter Clar­ke Pro­ble­me mit dem Fi­lial­in­spek­tor ein­trug. Aber Clar­ke war fort­an vom De­tail­han­del an­ge­fres­sen.

Ein­mal Tes­co, im­mer Tes­co

Mit vier­zehn füll­te Clar­ke Tes­co-Re­ga­le auf, und auch wäh­rend sei­nes Volks­wirt­schafts­stu­di­ums ar­bei­te­te er für Tes­co. Of­fen­bar wünsch­te er sich nichts lie­ber, als beim De­tail­händ­ler sei­ne Kar­rie­re zu star­ten, was er dann auch tat. Er führ­te Lä­den, lern­te Mar­ke­ting und stieg zum Lo­gis­tikund In­for­ma­tik­lei­ter auf. Seit 2004 lei­te­te er das in­ter­na­tio­na­le Ge­schäft.

Die Wahl zeigt: Tes­co braucht Mehr­um­satz aus­ser­halb von Gross­bri­tan­ni­en. Im Heim­markt, wo der Dis­coun­ter die preis­ori­en­tier­te Kund­schaft an­zieht, stösst er an Wachs­tums­gren­zen. Im No­vem­ber lud Tes­co In­ves­to­ren nach Chi­na und Süd­ko­rea ein, um ih­nen die Märk­te der Zu­kunft zu zei­gen. Für Clar­ke ist Chi­na der wich­tigs­te Wachs­tums­markt, wo er in den nächs­ten fünf Jah­ren den Um­satz auf 4 Mrd. £ (rund 6 Mrd. Fr.) ver­vier­fa­chen will. Im Ren­nen um süd­ost­asia­ti­sche Kon­su­men­ten er­leb­te er aber ge­ra­de ei­nen Rück­schlag: Die vier­zig Car­re­four-Lä­den in Thai­land gin­gen an ei­nen an­de­ren Bie­ter. Und in den USA ist die Ge­winn­schwel­le noch nicht er­reicht. Clar­ke wird es an Chan­cen nicht feh­len, um sich als wür­di­ger Tes­co-Ober­ver­käu­fer zu be­wei­sen.

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.