Die di­ri­gis­ti­sche Elek­tri­zi­täts­po­li­tik rächt sich

Spa­ni­ens Pri­vat­haus­hal­te wer­den mit hö­he­ren Strom­prei­sen kon­fron­tiert – Ein­schnit­te im Be­reich al­ter­na­ti­ver Ener­gi­en – Re­gie­rung setzt ver­mehrt auf den frei­en Markt

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - AE,

In der spa­ni­schen Strom­bran­che gibt es trotz re­gu­la­to­ri­scher Un­ge­reimt­hei­ten ei­nen Licht­blick für die Pro­du­zen­ten: Zum Leid­we­sen der Kon­su­men­ten­schüt­zer hat die so­zia­lis­ti­sche Re­gie­rung von Mi­nis­ter­prä­si­dent Jo­sé Lu­is Ro­drí­guez Za­pa­te­ro für 20 Mio. Pri­vat­haus­hal­te ei­ne 10%ige Er­hö­hung der Strom­prei­se zum neu­en Jahr ver­ord­net.

Hö­he­re Di­vi­den­den

Wäh­rend die Op­po­si­ti­on die­sen «gröss­ten Ta­rif­an­stieg seit 28 Jah­ren» kri­ti­siert, schät­zen Fi­nanz­ana­lys­ten, dass die drei bör­sen­no­tier­ten Ver­sor­ger En­de­sa, Iber­dro­la und Unión Fe­no­sa die­sen Ta­rif­sprung in hö­he­re Di­vi­den­den um­set­zen: Da­nach könn­ten 2011 ins­ge­samt knapp 4,6 Mrd. € aus­ge­schüt­tet wer­den, nach et­wa 3,6 Mrd. € im letz­ten Jahr, zi­tier­te das Por­tal «Co­tiza­lia» Pro­gno­sen aus dem Markt.

Die Preis­er­hö­hung ist mög­li­cher­wei­se die letz­te staat­lich ver­ord­ne­te: Noch 2011 sol­len nach den be­reits li­be­ra­li­sier­ten Ta­ri­fen für In­dus­triegross­kun­den auch die Prei­se für Pri­vat­haus­hal­te end­gül­tig den Markt­kräf­ten über­ge­ben wer­den.

Die­se Ve­rän­de­rung der Rah­men­be­din­gun­gen führt ab­seh­bar zu ei­nem kräf­ti­gen Preis­an­stieg. Denn seit En­de der Neun­zi­ger­jah­re, als die da­ma­li­ge kon­ser­va­ti­ve Re­gie­rung des Par­ti­do Po­pu­lar zur In­fla­ti­ons­kon­trol­le ei­ne Po­li­tik künst­lich nied­ri­ger Prei­se eta­blier­te, spie­geln die Ta­ri­fe die Er­zeu­ger­kos­ten nicht mehr. Das Er­geb­nis ist das «Ta­rif­de­fi­zit»: Die Dif­fe­renz zwi­schen Ein­nah­men und Kos­ten mach­te al­lein für die vier gröss­ten Ver­sor­ger per En­de Sep­tem­ber 12,5 Mrd. € aus. Da­bei sind die Prei­se zum Är­ger der Ver­brau­cher seit 2005 be­reits um 50% ge­stie­gen. Die Ki­lo­watt­stun­de kos­tet laut Bran­chen­ver­band Une­sa 0,157 €, wo­mit sich Spa­ni­en EU-weit im Mit­tel­feld be­fin­det. Bis Jah­res­en­de hat sich das De­fi­zit mög­li­cher­wei­se auf 20 Mrd. € aus­ge­wei­tet: Die staat­lich ga­ran­tier­ten Ein­spei­se­ver­gü­tun­gen für Strom aus den in Spa­ni­en bis­lang gross­zü­gig ge­för­der­ten grü­nen Ener­gi­en dürf­ten zu­sätz­li­che 6 Mrd. € aus­ma­chen. Hin­zu kom­men von Brüssel ge­neh­mig­te Sub­ven­tio­nen für die hei­mi­sche St­ein­koh­le.

Die Preis­er­hö­hung von 10% wird zu­sam­men­fas­send das Ta­rif­de­fi­zit nicht schmä­lern. Der Re­gie­rung Za­pa­te­ro ging es nur dar­um, dass sich der Fehl­be­trag an­ge­sichts der zu­sätz­li­chen Kos­ten für die Koh­le nicht noch ver­grös­sert. Zwar hat die Po­li­tik den Ver­sor­gern die Zah­lung die­ser auf­ge­lau­fe­nen Min­der­ein­nah­men aus den künst­lich nied­rig ge­hal­te­nen Ta­ri­fen zu­ge- sagt. Der Staat will die­se For­de­run­gen, die ir­gend­wann ein­mal die Ver­brau­cher über ih­re Rech­nun­gen ser­viert be­kom­men, in Form ver­brief­ter Rech­te am Markt pla­zie­ren. Doch zwei von bis­her drei ver­such­ten Emis­sio­nen platz­ten, weil kaum In­ter­es­se von­sei­ten der In­ves­to­ren be­stand. So müs­sen die Kon­zer­ne wei­ter auf ihr Geld war­ten, wo­bei das Um­feld 2011 für spa­ni­sche An­lei­hen je­g­li­cher Art schwie­rig bleibt.

In­ves­to­ren sind be­un­ru­higt

Die Ver­sor­ger ver­bu­chen die ih­nen zu­ste­hen­den Be­trä­ge der­weil als Ein­nah­men, müs­sen sie aber zu­gleich fi­nan­zie­ren und be­las­ten da­mit ih­re Bi­lan­zen emp­find­lich. Die Ra­ting­agen­tur Stan­dard & Poor’s hat die Ra­tings von Iber­dro­la, En­de­sa und Haupt­ak­tio­när Enel (92% der An­tei­le) we­gen der dif­fu­sen Aus­sich­ten auf Zah­lung die­ser aus­ste­hen­den Be­trä­ge Mit­te De­zem­ber auf die Be­ob­ach­tungs­lis­te mit ne­ga­ti­ven Im­pli­ka­tio­nen ge­setzt.

Die Re­gie­rung hat in­des wei­te­re Mass­nah­men be­schlos­sen, um die Ver­brau­cher bis 2013 vor zu­sätz­li­chen Kos­ten von 4,6 Mrd. € zu schüt­zen. Da­nach müs­sen die Strom­kon­zer­ne un­ter an­de­rem künf­tig ei­ne «Pro­duk­ti­ons­ge­bühr» von 0.50 € je MW pro­du­zier­ten Stroms zah­len. Gros­se Ein­schnit­te be­tref­fen mit 2,2 Mrd. € die Fo­to­vol­ta­ik als teu­ers­te Tech­no­lo­gie un­ter den grü­nen Ener­gi­en. Die Zahl der ver­gü­te­ten Be­triebs­stun­den fast al­ler An­la­gen wird rück­wir­kend re­du­ziert. Das hat auch aus­län­di­sche In­ves­to­ren auf den Plan ge­ru­fen, die um ih­re Ren­di­ten fürch­ten.

Al­lein in den Jah­ren 2007 und 2008 in­ves­tier­ten Geld­ge­ber aus Deutsch­land und an­de­ren eu­ro­päi­schen Län­dern et­wa 20 Mrd. € in die So­lar­ener­gie. Vor die­sem Hin­ter­grund warn­ten die drei Bran­chen­ver­bän­de Asif, Aef und Ap­pa, die ver­än­der­ten Rah­men­be­din­gun­gen wür­den die «wirt­schaft­li­che Le­bens­fä­hig­keit» der An­la­gen ge­fähr­den, und kün­dig­ten ent­spre­chend ju­ris­ti­sche Schrit­te an.

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