Das Schwei­gen der Li­be­ra­len

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND -

Erst­mals seit 1989 hat die deut­sche Po­li­tik in der eu­ro­päi­schen Schul­den­kri­se ei­ne Auf­ga­be ge­fun­den, die für das Land und für Eu­ro­pa ei­ne ver­gleich­ba­re Be­deu­tung ha­ben könn­te wie die fried­li­che Wie­der­ver­ei­ni­gung. Es könn­te die St­un­de der Li­be­ra­len sein, de­nen der Ruf vor­aus­eil­te, wirt­schafts­und aus­sen­po­li­ti­sche Kom­pe­tenz zu be­sit­zen. Doch die FDP hat sich seit dem Er­folg in der Bun­des­tags­wahl 2009 de­mon­tiert. Spit­zen­ma­na­ger be­ur­tei­len die Ar­beit der Par­tei als mi­se­ra­bel. Wahl­um­fra­gen pro­gnos­ti­zie­ren we­ni­ger als 5% der Stim­men – die ma­gi­sche Hür­de für den Ein­zug ins Par­la­ment. Das De­ba­kel in den nächs­ten Land­tags­wah­len ist vor­ge­zeich­net.

An der nur mäs­si­gen Ver­drah­tung mit den deut­schen Me­di­en liegt dies nicht. Die FDP ist kein Op­fer. Im Ge­gen­teil, sie hat es ver­säumt, sich im ent­schei­den­den Mo­ment auf ih­ren Kern zu be­sin­nen und in der Schul­den­kri­se die po­li­ti­sche Agen­da zu prä­gen: Wie sä­he ei­ne wirt­schafts­po­li­ti­sche In­te­gra­ti­on Eu­ro­pas aus, wie wä­re sie zu le­gi­ti­mie­ren? Was wä­ren die da­mit ver­bun­de­nen Ri­si­ken und Chan­cen, Kos­ten und Nut­zen für die Bun­des­re­pu­blik? Gä­be es Al­ter­na­ti­ven? Wie sol­len auf­ge­lau­fe­ne und künf­ti­ge Ver­lus­te aus der Ban­ken-und Schul­den­kri­se ver­teilt wer­den? Das Schwei­gen der Li­be­ra­len da­zu – in Deutsch­land er­staun­li­cher­wei­se kaum je ein The­ma – scha­det der Par­tei. In­nen­po­li­tisch ist sie längst vom Ko­ali­ti­ons­part­ner CDU/CSU an die Wand ge­spielt. Wäh­rend die Op­po­si­ti­on zur Schul­den­kri­se nur Bruch­stück­haf­tes von sich gibt und die Lin­ke ana­chro­nis­tisch Ro­sa Lu­xem­burg und den Kom­mu­nis­mus an­ruft, schwei­gen die Li­be­ra­len am Drei­kö­nigs­tref­fen wei­ter.

Soll­te Eu­ro­land zu ei­ner Trans­fer­uni­on ver­kom­men, dürf­te die un­ge­lieb­te schwarz-gel­be Ko­ali­ti­on in der Bun­des­tags­wahl 2013 die Quit­tung da­für er­hal­ten; schon die Ver­ab­schie­dung des Eu­ro-Ret­tungs­pa­kets im Mai hat ihr wei­te­re Zu­stim­mung ge­kos­tet. Ei­ner der we­ni­gen deut­schen Po­li­ti­ker, die in der Eu­ro­pa­fra­ge be­den­kens­wer­te Vor­schlä­ge brin­gen, ist Fi­nanz­mi­nis­ter Wolf­gang Schäu­b­le (CDU) – der «letz­te Eu­ro­pä­er». Doch sein Miss­trau­en ge­gen­über dem Ka­pi­tal­markt un­ter­gräbt al­les. Die FDP könn­te da ei­ne wich­ti­ge Lü­cke fül­len. Doch es feh­len ihr da­zu der Mut und die ge­eig­ne­ten Ex­po­nen­ten. So blei­ben li­be­ra­le An­sät­ze mar­gi­na­li­siert, und Deutsch­land wird sei­ne In­ter­es­sen wei­ter sprung­haft und oh­ne Kom­pass ver­fol­gen.

aus Frank­furt über das Drei­kö­nigs­tref­fen der FDP und de­ren Ab­senz in der Eu­ro­kri­se

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