Flut­ka­ta­stro­phe senkt Wachs­tum

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - UW,

Die seit Wo­chen an­hal­ten­den Nie­der­schlä­ge und Über­schwem­mun­gen in wei­ten Tei­len des Bun­des­staa­tes Queens­land ha­ben ne­ga­ti­ve Kon­se­quen­zen für ei­ne wach­sen­de Zahl aus­tra­li­scher Un­ter­neh­men. Meh­re­re Ge­sell­schaf­ten ha­ben in den ver­gan­ge­nen Ta­gen ih­re Um­satz-und Ge­winn­pro­gno­sen für das lau­fen­de Jahr re­du­ziert. Längst ist nicht mehr nur der Koh­le­sek­tor (vgl. FuW vom Mitt­woch) be­trof­fen. Ei­nes der gröss­ten Land­wirt­schafts­un­ter­neh­men Aus­tra­li­ens, Aus­tra­li­an Ag­ri­cul­tu­ral Com­pa­ny (AACo), rech­net mit Um­satz­ein­bus­sen zwi­schen 4,5 und 5,5 Mio. aus­tr. $ (4,3 bis 5,3 Mrd. Fr.). AACo, mit ei­ner Her­de von über 580 000 Rin­dern der füh­ren­de Pro­du­zent von Schlacht­vieh in Aus­tra­li­en, hat zwar nur rund hun­dert Tie­re in den Flu­ten ver­lo­ren. Die Schä­den an Ge­bäu­den und In­fra­struk­tur sind aber er­heb­lich. Zu­dem hat das Un­ter­neh­men Pro­ble­me, Ver­pflich­tun­gen für die Lie­fe­rung von Baum­wol­le zu er­fül­len.

Teu­re­re Agrar­pro­duk­te

Nach Ein­schät­zung von Sha­ne Oli­ver, Chef­öko­nom von AMP Ca­pi­tal In­ves­tors, wird die Über­schwem­mungs­kri­se im lau­fen­den Quar­tal rund 0,3% des Brut­to­in­land­pro­dukts Aus­tra­li­ens kos­ten. Zu­gleich wer­den nach sei­ner Er­war­tung in den nächs­ten Wo­chen we­gen Ern­te­aus­fäl­len die Prei­se vie­ler Agrar­pro­duk­te stei­gen. Ge­mäss dem Agrar­for­schungs­bü­ro Aba­re wer­den in den Flut­ge­bie­ten von Queens­land min­des­tens 30% der in Aus­tra­li­en kon­su­mier­ten und nach Asi­en ex­por­tier­ten Früch­te und Ge­mü­se pro­du­ziert. Be­reits ha­ben sich in aus­tra­li­schen Su­per­märk­ten die Kos­ten für ge­wis­se Pro­duk­te ver­dop­pelt oder gar ver­vier­facht.

An­de­re Markt­be­ob­ach­ter mei­nen, die aus­tra­li­sche Zen­tral­bank wer­de sich be­mü­hen, tem­po­rä­re Preis­schwan­kun­gen nicht zu hoch zu ge­wich­ten, wenn sie an ih­rer nächs­ten Sit­zung die Leit­zin­sen fest­le­ge. Doch kom­plett könn­ten die Geld­wäch­ter die Si­tua­ti­on nicht igno­rie­ren, kon­sta­tiert Rob Hen­der­son von Na­tio­nal Aus­tra­lia Bank: «Der Wie­der­auf­bau von Häu­sern, öf­fent­li­chen Ge­bäu­den, In­fra­struk­tur und La­ger­be­stän­den wird ei­nen Wachs­tums­schub aus­lö­sen und könn­te die Teue­rung an­hei­zen.» Ver­schie­de­ne Au­gu­ren er­war­ten, dass im nächs­ten Quar­tal die Teue­rungs­ra­te um 0,75 Pro­zent­punk­te stei­gen wird – von ge­gen­wär­tig 2,8%.

Im Be­reich der Roh­stoff­in­dus­trie sind vier­zig Mi­nen we­gen Über­flu­tung ge­schlos­sen oder ar­bei­ten mit re­du­zier­ter Leis­tung. Auch die Zug­stre­cken, auf de­nen die Koh­le an die Küs­te trans­por­tiert wird, sind we­gen aus­ge­dehn­ter Flut­schä­den zum Teil un­ter­bro­chen oder kön­nen nur mit ver­min­der­ter Ka­pa­zi­tät be­fah­ren wer­den. Schät­zun­gen der Re­gie­rung zu­fol­ge büsst die Koh­le­indus­trie pro Tag ge­gen 100 Mio. aus­tr. $ Um­satz ein.

Re­zes­si­on un­wahr­schein­lich

Ei­ner der wich­tigs­ten Koh­le­för­de­rer in Queens­land, Ma­car­thur Co­al, muss­te die Ge­winn­erwar­tun­gen für 2011 sen­ken. Das Un­ter­neh­men rech­net neu mit ei­nem Über­schuss von 97 Mio. aus­tr. $. Vor Be­ginn der Re­gen­fäl­le hat­te es 115 bis 125 Mio. aus­tr. $ in Aus­sicht ge­stellt.

War­nun­gen in ein­zel­nen aus­tra­li­schen Me­di­en vor ei­ner Re­zes­si­on als Fol­ge der Über­schwem­mun­gen ha­ben kein so­li­des Fun­da­ment. Vie­le der aus­tra­li­schen Roh­stof­fe – al­len vor­an Ei­sen­erz – wer­den in Westaus­tra­li­en ge­för­dert, das von den Flu­ten nicht be­trof­fen ist.

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