Ter­min­bör­sen auf Wachs­tums­kurs

Die Han­dels­vo­lu­men der Markt­füh­rer ent­wi­ckeln sich er­freu­lich – CBOE fei­er­te Mit­te 2010 ih­ren Bör­sen­gang – Eur­ex ex­pan­diert

Finanz und Wirtschaft - - KUNSTMARKT - ANDRE­AS STO­CKER

Ter­min­bör­sen ge­hö­ren zu den gros­sen Pro­fi­teu­ren der Neu­ord­nung der Fi­nanz­märk­te, die nach dem Leh­man-Kon­kurs ein­ge­lei­tet wur­de. Vor­aus­sicht­lich Mit­te Jahr soll ein ho­her An­teil aus­ser­börs­li­cher (Over the Coun­ter, OTC) De­ri­vat­trans­ak­tio­nen über Clea­ring­häu­ser ab­ge­wi­ckelt wer­den – so ver­langt es das Dodd-Frank-Ge­setz.

Die­se Ver­la­ge­rung auf Clea­ring­platt­for­men soll zur Re­duk­ti­on des Ge­gen­par­tei­ri­si­kos füh­ren. Für die Ter­min­bör­sen­be­trei­ber, die häu­fig eben­falls Clea­ring­lö­sun­gen an­bie­ten, öff­nen sich al­so neue Märk­te in der OTC-Ab­wick­lung. Ge­mäss der Bank für In­ter­na­tio­na­len Zah­lungs­ver­kehr (BIZ) be­lief sich En­de Ju­ni 2010 das no­mi­na­le Brut­to­vo­lu­men des aus­ser­börs­li­chen De­ri­vat­markts auf 583 Bio. $.

CBOE an der Bör­se

Doch zu­rück zum Kern­ge­schäft: Ei­nes der gröss­ten Er­eig­nis­se in der Bran­che der Ter­min­bör­sen­be­trei­ber war 2010 der Bör­sen­gang der Chi­ca­go Bo­ard Op­ti­ons Ex­ch­an­ge (CBOE), der im Ju­ni statt­fand. Die CBOE wur­de 1973 ge­grün­det und bot die ers­te Platt­form für den Han­del von Op­tio­nen auf Ak­ti­en an. Rund 93 Mio. Kon­trak­te setz­te CBOE 2010 mo­nat­lich um, ei­ne leich­te Ein­bus­se von 1,7% im Ver­gleich zum Vor­jahr.

Die Chi­ca­go­er Bör­se ist der gröss­te Prot­ago­nist des Op­ti­ons In­dus­try Coun­cil (OIC) und kon­zen­triert rund 30% al­ler OIC-Trans­ak­tio­nen auf sich. Im OIC sind sie­ben US-Op­ti­ons­bör­sen zu­sam­men­ge­fasst, ge­grün­det wur­de er 1992. Im ver­gan­ge­nen Jahr konn­te das OIC das Vo­lu­men im Ver­gleich zu 2009 um 8% auf durch­schnitt­lich 325 Mio. Kon­trak­te pro Mo­nat stei­gern. Ein neu­er Re­kord und zu­dem der ach­te in Fol­ge.

CBOE ver­lor al­so – ge­gen den Trend des wach­sen­den US-Op­ti­ons­markts – leicht an Markt­an­teil. Ei­ner der gros­sen Trümp­fe der CBOE ist aber das War­rant-An­ge­bot auf Leit­in­di­zes wie den Dow Jo­nes In­dus­tri­al, den S&P 500 und den Vo­la­ti­li­täts­in­dex Vix. Der Vix misst die Schwan­kungs­in­ten­si­tät (im­pli­zi­te Vo­la­ti­li­tät) an­hand der Op­tio­nen auf den S&P 500 über ei­ne Zeit­span­ne von dreis­sig Ta­gen. Das Barometer wur­de von CBOE kre­iert, so­mit be­sitzt der Bör­sen­be­trei­ber ein pro­prie­tä­res Recht auf den In­dex.

Ge­mes­sen an der Markt­ka­pi­ta­li­sie­rung von rund 2,4 Mrd. $ ist die CBOE aber ei­ne ver­hält­nis­mäs­sig klei­ne Bör­se in den USA. Auf der an­de­ren Sei­te des Grös­sen­spek­trums, mit ei­ner Ka­pi­ta­li­sie­rung von rund 21 Mrd. $, steht die CME Group – die welt­weit gröss­te Ter­min­bör­sen­be­trei­be­rin. Die CME Group ent­stand durch den Zu­sam­men­schluss der Tra­di­ti­ons­häu­ser CME, CBOT und Nymex und kann auf ein er­folg­rei­ches Ge­schäfts­jahr zu­rück­bli­cken. Das durch­schnitt­li­che mo­nat­li­che Kon­trakt­vo­lu­men konn­te auf 256 Mio. (+19%) ge­stei­gert wer­den. Der CME Group kam vor al­lem ih­re Stär­ke in den Be­rei­chen Roh­wa­ren, Zin­sen und Wäh­run­gen zu­gu­te. Hier ver­zeich­ne­te sie ho­he Wachs­tums­ra­ten in den je­wei­li­gen Kon­trak­ten.

Die In­ter­con­ti­nen­tal Ex­ch­an­ge (ICE) blickt eben­falls auf ein zu­frie­den­stel­len­des Bör­sen­jahr zu­rück. Ei­ner­seits klet­ter­te das mo­nat­li­che Kon­trakt­vo­lu­men 25% auf 27 Mio., an­der­seits wur­de im Som­mer 2010 die Lon­do­ner Cli­ma­te Ex­ch­an­ge ak­qui­riert.

Die­se of­fe­riert den Han­del von Emis­si­ons­rech­ten, und das in Eu­ro­pa über die Eu­ro­pean Cli­ma­te Ex­ch­an­ge durch­aus er­folg­reich. In den USA hin­ge­gen brach das Ge­schäft mit CO2-Zer­ti­fi­ka­ten zu­sam­men, nach­dem die Vor­la­ge für ein lan­des­wei­tes Cap-and-Tra­de-Sys­tem vom Par­la­ment vo­r­erst auf Eis ge­legt wur­de. Des­halb hat die ICE das Ge­schäft ih­rer US-Kli­ma­bör­se, der Chi­ca­go Cli­ma­te Ex­ch­an­ge, En­de des ver­gan­ge­nen Jah­res ein­ge­stellt.

Eur­ex ex­pan­diert

Die Eur­ex, nach der CME Group die welt­weit zweit­gröss­te Ter­min­bör­se, be­en­de­te 2010 mit ei­ner durch­zo­ge­nen Bi­lanz. Mo­nat­lich wur­den 220 Mio. Kon­trak­te ge­han­delt – im Ver­gleich zu 2009 ei­ne ge­rin­ge Ab­nah­me von 0,2%. Vor al­lem das Ge­schäft der ame­ri­ka­ni­schen Eur­ex-Toch­ter In­ter­na­tio­nal Se­cu­ri­ties Ex­ch­an­ge (ISE) – eben­falls OIC Mit­glied – ver­lief har­zig, und 2010 wech­sel­ten im Mo­nat le­dig­lich 62 Mio. In­stru­men­te den Be­sit­zer. Das ent­spricht ei­ner Ab­nah­me von 22%. Dem­ge­gen­über konn­te die Eur­ex das Vo­lu­men im Eu­ro­pa­ge­schäft um 12% auf mo­nat­lich 158 Mio. Kon­trak­te aus­wei­ten.

Ter­min­bör­sen

En­de De­zem­ber gab die Eur­ex be­kannt, dass sie ih­re Be­tei­li­gung an der Ener­gie­bör­se Eu­ro­pean Ener­gy Ex­ch­an­ge (EEX) bis im zwei­ten Quar­tal 2011 von 35,2% auf ma­xi­mal 58,16% auf­sto­cken wer­de. Die EEX er­mög­licht den Han­del mit Kon­trak­ten auf CO2, Koh­le, Strom und Erd­gas. Die Leip­zi­ger EEX er­war­tet für das ver­gan­ge­ne Ge­schäfts­jahr ei­nen Vor­steu­er­ge­winn von ge­schätz­ten 16 Mio. €.

Am 31. De­zem­ber hat­ten die Händ­ler der Roh­wa­ren­bör­se CBOT Grund zum Fei­ern – Roh­stof­fe wa­ren 2010 äus­serst ge­fragt.

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