«Trans­pa­renz für swap­ba­sier­te ETF»

CHRIS­TI­AN GAST Der Lei­ter von Isha­res Schweiz be­grün­det die Ab­kehr vom Grund­satz, aus­schliess­lich phy­sisch re­pli­zier­te ETF an­zu­bie­ten

Finanz und Wirtschaft - - ROHSTOFFE/DERIVATIVE INSTRUMENTE - IN­TER­VIEW: PHIL­IP­PE BÉ­GUE­LIN UND ANDRE­AS STO­CKER

Der Markt der ko­tier­ten In­dex­fonds (Ex­ch­an­ge Tra­ded Funds, ETF) ist in den ver­gan­ge­nen Jah­ren – trotz Fi­nanz­kri­se – mar­kant ge­wach­sen. An der SIX er­reich­te der ETF-Um­satz 2010 71,7 Mrd. Fr., ei­ne Stei­ge­rung von 42% ge­gen­über 2009. Heu­te tum­meln sich an der SIX 21 Emit­ten­ten, die 604 ETF an­bie­ten, dar­un­ter ist auch Isha­res. Der ETF-An­bie­ter wur­de 2009 vom welt­weit gröss­ten Ver­mö­gens­ver­wal­ter Black Rock über­nom­men.

Herr Gast, Isha­res be­ton­te stets, sie kon­stru­ie­re aus­schliess­lich phy­sisch re­pli­zier­te ETF. Seit kur­zem bie­ten Sie auch syn­the­ti­sche In­stru­men­te an. Wie ge­hen Sie mit die­sem Wi­der­spruch um? Isha­res bleibt der phy­si­schen Re­pli­ka­ti­on treu. Der Markt ist je­doch je län­ger, je mehr da­von weg­ge­kom­men, dog­ma­tisch zwi­schen phy­sisch und syn­the­tisch re­pli­zier­ten ETF zu un­ter­schei­den. Die Seg­men­tie­rung von An­bie­tern an­hand der Ab­bil­dungs­me­tho­den dürf­te sich wei­ter ver­wi­schen. Häu­fig wird aber ge­sagt, syn­the­ti­sche Pro­duk­te sei­en nicht so trans­pa­rent wie phy­sisch nach­ge­bil­de­te.

Der Markt ist je län­ger, je mehr da­von weg­ge­kom­men, dog­ma­tisch zwi­schen phy­sisch und syn­the­tisch re­pli­zier­ten ETF zu un­ter­schei­den.

Auch Isha­res äus­ser­te die­se Kri­tik. Un­se­rer Phi­lo­so­phie fol­gend ha­ben wir die Trans­pa­renz­stan­dards der phy­sisch nach­ge­bil­de­ten auf die swap­ba­sier­ten ETF über­tra­gen. Das Swap Pri­cing wird täg­lich im In­ter­net pu­bli­ziert, zu­dem kann der An­le­ger das Col­la­te­ral, al­so das Pfand, für die Be­si­che­rung des Swaps an­schau­en. Die Swap­kom­po­nen­te ist mit Wert­schrif­ten bis zu 120% über­be­si­chert. Die ETF di­ver­si­fi­zie­ren zu­dem das Ge­gen­par­tei­ri­si­ko auf drei Swap­part­ner. Mo­men­tan sind das RBS, Cre­dit Suis­se und UBS.

Wel­che Ba­sis­wer­te sol­len mit den syn­the­ti­schen ETF ab­ge­bil­det wer­den? Auf un­se­rer Sw­ap­platt­form wur­den bis­her zwei Pro­duk­te lan­ciert. Sie sind kom­ple­men­tär zu un­se­rem be­ste­hen­den An­ge­bot. Mit den swap­ba­sier­ten ETF ha­ben wir nun die Mög­lich­keit, Ni­schen­pro­duk­te an­zu­bie­ten, die durch phy­si­sche Re­pli­ka­ti­on nur in­ef­fi­zi­ent oder gar nicht ab­ge­bil­det wer­den kön­nen, bspw. ETF auf ver­schie­de­ne Schwel­len­län­der­indi­zes.

ETF wer­den als ko­tier­te Fonds be­zeich­net. Trotz­dem wi­ckeln vie­le In­ves­to­ren ih­re Trans­ak­tio­nen aus­ser­börs­lich ab. Rund 50% des ETF-Trans­ak­ti­ons­vo­lu­mens wer­den in der Schweiz aus­ser­börs­lich, al­so over the coun­ter ab­ge­wi­ckelt. Das ho­he Vo­lu­men im OTC-Ge­schäft ist dar­auf zu­rück­zu­füh­ren, dass grös­se­re Ge­schäf­te der Ge­büh­ren we­gen ger­ne aus­ser­börs­lich ab­ge­schlos­sen wer­den. Ab ei­ner Trans­ak­ti­ons­hö­he von 20 bis 30% des durch­schnitt­li­chen täg­li­chen Han­dels­vo­lu­mens ra­ten wir un­se­ren Kun­den meist, den aus­ser­börs­li­chen Weg zu wäh­len.

Wie kann ei­ne aus­ser­börs­li­che Trans­ak­ti­on aus­ge­stal­tet sein? Wir kön­nen den Kun­den bspw. be­ra­ten, wel­chen Bro­ker er am bes­ten wählt. Wir ha­ben meist Ein­sicht in die Po­si­tio­nen der Bro­ker in den je­wei­li­gen ETF und wis­sen, ob ein be­stimm­ter Händ­ler ei­ne grös­se­re Tran­che zu ver­äus­sern hat. Isha­res kann den Kon­takt zwi­schen Käu­fer und Ver­käu­fer her­stel­len. So kann die Trans­ak­ti­on bei­spiels­wei­se zum Net­to­in­ven­tar­wert ab­ge­wi­ckelt wer­den. Hier gibt es kei­ne Gel­dB­rief-Span­ne, und die Ge­büh­ren be­lau­fen sich auf we­ni­ge Ba­sis­punk­te. Der Bro­ker kann den Kauf auch als Agen­cy Tra­de aus­füh­ren. Das heisst, er kauft die ein­zel­nen im ETF ent­hal­te­nen Ti­tel über den Tag hin­weg nach ei­nem mit dem Kun­den ver­ein­bar­ten Ver­fah­ren an der Bör­se und ver­rech­net die­se Trans­ak­tio­nen zum Durch­schnitts­preis dem Kun­den. Der Bro­ker lie­fert an­schlies­send den Wert­schrif­ten­korb an Isha­res, wo er in neue An­tei­le des be­tref­fen­den ETF ein­ge­tauscht wird.

Gibt es wei­te­re Grün­de, war­um grös­se­re ETF-Trans­ak­tio­nen nicht an der Bör­se ab­ge­schlos­sen wer­den soll­ten? Das Schlech­tes­te, was dem Kun­den pas­sie­ren kann, ist, dass sich nach Pla­zie­rung des Kauf­auf­trags an der Bör­se die Geld-Brie­fSpan­ne des ETF aus­wei­tet. So be­kä­me er zu dem Zeit­punkt ei­nen ver­hält­nis­mäs­sig schlech­ten Kurs ge­stellt. Pas­siert dies, spie­len ge­rin­ge Un­ter­schie­de in den Ver­wal­tungs­kos­ten zu ähn­li­chen ETF der Kon­kur­renz al­so kei­ne gros­se Rol­le mehr. Ne­ben den Ge­büh­ren ist so­mit auch das Mar­ket Ma­king von enor­mer Wich­tig­keit.

Sie ha­ben An­fang No­vem­ber die Lei­tung des Schwei­zer Ab­le­gers von Isha­res über­nom­men. Was sind Ih­re Plä­ne? Un­ser Ziel für die Schweiz ist, hier ei­ne grös­se­re Prä­senz auf­zu­bau­en. Bis an­hin wur­de der hie­si­ge Markt haupt­säch­lich von London aus be­treut. Das hat Vor­tei­le, da in En­g­land viel Pro­dukt­kom­pe­tenz vor­han­den ist. Was uns aber noch ge­fehlt hat, ist ei­ne lo­ka­le Prä­senz, die den Schwei­zer Markt und sei­ne Kli­en­tel gut ver­steht.

Als wir 2001 ETF auf ja­pa­ni­sche In­di­zes lan­cie­ren woll­ten, be­zeich­ne­te man uns bei­na­he als toll­kühn.

Wel­che Wachs­tums­ra­ten er­war­ten Sie für die kom­men­den Jah­re im eu­ro­päi­schen ETF-Ge­schäft? Wir er­war­ten ein jähr­li­ches Wachs­tum von rund 20 bis 30%. Isha­res Eu­ro­pe durch­stiess vor kur­zem die Schwel­le von 100 Mrd. $ an ver­wal­te­ten Ver­mö­gen und ver­zeich­ne­te im ver­gan­ge­nen Jahr 13,4 Mrd. $ Neu­geld­zu­fluss. Be­ein­dru­cken­de Zah­len, die mich für den Schwei­zer Markt po­si­tiv stim­men. Wir sind hier in tra­di­tio­nel­len Ka­nä­len, wie dem Pri­va­te Ban­king, gut ver­tre­ten. Im Be­reich der in­sti­tu­tio­nel­len In­ves­to­ren, vor al­lem der Pen­si­ons­kas­sen und Tre­a­su­rer, möch­ten wir aber noch et­was auf­ho­len.

Soll die ETF-Pa­let­te von Isha­res dem­nächst er­wei­tert wer­den? Wir ha­ben an der SIX fast drei Jah­re lang kei­ne Pro­duk­te mehr ko­tiert. Zur­zeit bie­ten wir 48 Pro­duk­te an und pla­nen, im ers­ten Halb­jahr min­des­tens dreis­sig wei­te­re zu lan­cie­ren, so­ge­nann­te Cross Lis­tings. Das sind Pro­duk­te, die an an­de­ren Bör­sen­plät­zen be­reits han­del­bar sind.

Was für Pro­duk­te sol­len das sein? Was bis­her in der Schweiz ge­fehlt hat, sind ETF, die dem Schwei­zer An­le­ger ein wei­te­res US-Ex­po­sure er­mög­li­chen. So pla­nen wir, In­stru­men­te auf US-An­lei­hen zu lan­cie­ren. Da­mit möch­ten wir die Lü­cke in der Isha­res-Pro­dukt­pa­let­te schlies­sen, die zwi­schen den Ver­ei­nig­ten Staa­ten und der Schweiz be­steht.

Ver­schie­de­ne ETF-Emit­ten­ten ha­ben in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten ihr An­ge­bot im An­lei­hen­seg­ment aus­ge­baut. Wie­so erst jetzt? Als wir 2001 – da­zu­mal lei­te­te ich noch das ETF-Ge­schäft der UBS – Pro­duk­te auf ja­pa­ni­sche In­di­zes lan­cie­ren woll­ten, be­zeich­ne­te man uns bei­na­he als toll­kühn. Die ge­naue Um­set­zung der Ab­si­che­rung die­ser In­di­zes zu eu­ro­päi­schen Han­dels­zei­ten war da­zu­mal nicht klar. Spä­ter ka­men die MSCI-In­di­zes hin­zu, da wur­de ge­sagt, die­se Bench­marks sei­en il­li­qui­de. All die­se Pro­ble­me wur­den ge­löst. Bond-ETF wa­ren ei­ne ähn­li­che Her­aus­for­de­rung. Isha­res Schweiz wird 2011 den Haupt­fo­kus si­cher­lich auf An­lei­hen-ETF le­gen.

Chris­ti­an Gast: «Wir er­war­ten ein jähr­li­ches Markt­wachs­tum von 20 bis 30%.»

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