Ist der Fran­ken wirk­lich zu hart?

MAN SPRICHT VON der Kri­sen­sit­zung am Frei­tag und mög­li­chen Un­ter­stüt­zungs­mass­nah­men für die Ex­por­teu­re

Finanz und Wirtschaft - - AUF EINEN BLICK - JEAN­NE RICHENBERGER

Der Bund lädt zur Wech­sel­kurs­aus­spra­che ein: Un­ter der Lei­tung des Staats­se­kre­ta­ri­ats für Wirt­schaft (Se­co) wer­den am Frei­tag Ex­per­ten von Wirt­schafts-und Bran­chen­ver­bän­den so­wie Ge­werk­schaf­ten über die Stär­ke der hel­ve­ti­schen Va­lu­ta be­ra­ten. Ana­ly­siert wer­den sol­len die Aus­wir­kun­gen auf die Schwei­zer Ex­port­wirt­schaft so­wie mög­li­che Ge­gen­mass­nah­men.

Wach­ge­rüt­telt wur­den die Po­li­ti­ker in Bern wohl durch den be­son­ders vo­la­ti­len Kurs­ver­lauf in den ver­gan­ge­nen dreis­sig Ta­gen: Der Fran­ken klet­ter­te von Re­kord zu Re­kord, am 30. De­zem­ber wur­de auf 1,2402 Fr./€ das jüngs­te his­to­ri­sche Ni­veau er­reicht. Die hel­ve­ti­sche Va­lu­ta hat sich in den ver­gan­ge­nen dreis­sig Ta­gen zum Eu­ro 4,3% auf­ge­wer­tet, im ver­gan­ge­nen Jahr 15,6%. Am Di­ens­tag no­tier­te das Paar 1.25 Fr./€.

Der Fran­ken gilt seit An­fang 2010 als über­be­wer­tet. Doch wie be­misst sich das kor­rek­te Aus­tausch­ver­hält­nis? Der Schlüs­sel zum Wert ei­ner Wäh­rung liegt (theo­re­tisch) in der Kauf­kraft­pa­ri­tät: Sie geht da­von aus, dass glei­che Wa­ren in ver­schie­de­nen Län­dern gleich viel kos­ten – der Wech­sel­kurs agiert als An­pas­sungs­fak­tor.

Ein be­kann­tes il­lus­tra­ti­ves Bei­spiel ist der re­gel­mäs­sig von der bri­ti­schen Wo­chen­zeit­schrift «The Eco­no­mist» pu­bli­zier­te Big-Mac-In­dex. Er ver­gleicht den Preis des Dop­pel­de­cker-Ham­bur­gers von McDo­nald’s, als Ba­sis dient der Preis in Dol­lar. Dem­nach kos­tet der Big Mac in der Schweiz 6.78 $ – das ent­spricht ei­ner Über­be­wer­tung von mehr als 80%. Ganz kor­rekt ist die Be­rech­nung zwar nicht, aber sie weist auf die im Ver­gleich zu an­de­ren Wäh­run­gen teu­re hel­ve­ti­sche Va­lu­ta hin.

Ge­mäss Bloom­berg be­fin­det sich der «fai­re Wert» der­zeit auf 1.43 Fr./€. Das ent­spricht ei­ner Über­be­wer­tung von 12,6% (vgl. Gra­fik). Was sind die Ur­sa­chen für die kon­ti­nu­ier­li­che Auf­wer­tung? De­vi­sen­ex­per­ten ar­gu­men­tie­ren u. a. mit der Zins­dif­fe­renz, der Funk­ti­on als si­che­rer Ha­fen bzw. der Eu­ro­zo­n­e­kri­se, dem Han­dels­bi­lanz­über­schuss, dem so­li­den Wirt­schafts­wachs­tum so­wie den Fran­ken­kre­di­ten in Ost­eu­ro­pa. Die hel­ve­ti­sche Va­lu­ta wer­tet sich al­so nicht auf, weil mit den­sel­ben Res­sour­cen deut­lich mehr Gü­ter pro­du­ziert wer­den und sich die Wirt­schafts­pro­duk­ti­vi­tät mas­siv er­höht hat.

Die Mar­gen ver­klei­nern sich

Der Druck, be­son­ders auf die In­dus­trie, nimmt des­halb zu: die Mar­gen sin­ken. Un­ter­neh­men kön­nen der Fran­ken­stär­ke ent­flie­hen, in­dem sie ver­mehrt im Aus­land ein­kau­fen und pro­du­zie­ren – oder aber eben staat­li­che Ge­gen­mass­nah­men for­dern. Am Frei­tag in der Se­co-Run­de dis­ku­tiert wer­den wohl ei­ne An­bin­dung (Peg) an den Eu­ro, die De­vi­sen­spe­ku­la­ti­on, spe­zi­el­le Wech­sel­kur­se, Mi­nus­zin­sen für Aus­län­der so­wie wei­te­re In­stru­men­te für die Ex­port­wirt­schaft.

Mit ei­nem Eu­ro-Peg ver­lö­re die Schwei­ze­ri­sche Na­tio­nal­bank ih­re Un­ab­hän­gig­keit – sie müss­te die Geld­po­li­tik der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank über­neh­men. Zur Durch­füh­rung der ein­sei­ti­gen An­bin­dung müss­te sie, schätzt UBS, die Bi­lanz um bis 500 Mrd. Fr. ver­län­gern. Ver­lus­tig gin­ge auch der Zins­bo­nus – das Zins­ni­veau der Eu­ro­zo­ne liegt hö­her.

Eben­so kaum wir­ken dürf­te ei­ne Ver­ein­ba­rung, dass Schwei­zer Fi­nanz­in­sti­tu­te De­vi­sen­markt­spe­ku­la­tio­nen un­ter­las­sen: Auf dem De­vi­sen­markt wer­den täg­lich 4 Bio. $ ge­han­delt. Der Fran­ken, der an sechs­ter Stel­le ran­giert, setzt täg­lich 263 Mrd. $. um. Der An­teil der hei­mi­schen Ban­ken an die­sem Ge­schäft be­trägt le­dig­lich 5,2%.

Spe­zi­el­le Wech­sel­kur­se so­wie Mi­nus­zin­sen ber­gen das Ri­si­ko von Fehl­al­lo­ka­tio­nen. Das In­stru­ment der Ne­ga­tiv­zin­sen hat­te zu­dem be­reits vor dreis­sig Jah­ren nicht zum ge­wünsch­ten Er­geb­nis ge­führt. Markt­teil­neh­mer, die in Fran­ken in­ves­tie­ren, kön­nen sol­che Be­schrän­kun­gen – da­mals wie heu­te – um­ge­hen. Im Aus­land kann der Fran­ken ge­kauft und ge­han­delt wer­den. Er ist frei kon­ver­tier­bar und ein si­che­rer Ha­fen. Das ist sein Pro­blem.

Schwei­zer KMU op­ti­mis­tisch

Über­ra­schend op­ti­mis­tisch sind Schwei­zer Klein-und Mit­tel­un­ter­neh­men (KMU). Zwar be­rei­tet ih­nen der Fran­ken Sor­gen, aber ge­mäss dem von Cre­dit Suis­se und Osec so­eben pu­bli­zier­ten Ex­port­in­di­ka­tor hat sich die Stim­mung im ers­ten Quar­tal 2011 spür­bar ver­bes­sert.

Ge­mäss dem In­di­ka­tor wird die aus­län­di­sche Nach­fra­ge hoch blei­ben, Un­ter­neh­men al­ler Bran­chen er­war­ten hö­he­re Aus­fuh­ren. Zwar rech­nen 58% der be­frag­ten KMU da­mit, dass sie als Fol­ge des star­ken Fran­kens we­ni­ger ex­por­tie­ren. Gleich­zei­tig ge­ben aber 41% der Ge­sell­schaf­ten an, dass der Wech­sel­kurs ih­re Aus­fuh­ren nicht be­ein­flus­se.

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