Lu­xus bleibt top

Roh­stoff­hausse dämpft die Stim­mung – Swatch Group und Ri­che­mont ge­fragt – Lon­za schwach

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSE SCHWEIZ - FRAN­ZIS­KA PFIS­TER UND MO­NI­CA HEGG­LIN

So man­che Stirn bleibt ge­run­zelt. Die Han­dels­wo­che liess sich mi­se­ra­bel an. Trotz ei­ner Ge­gen­be­we­gung am Di­ens­tag – lang­sam kris­tal­li­siert sich her­aus: Der schlech­ten Stim­mung zu ent­rin­nen, wird nicht leicht. Nö­tig wä­ren da­zu hand­fes­te Si­gna­le, dass sich die Kon­junk­tur in den In­dus­trie­na­tio­nen fes­tigt. Tat­säch­lich wächst die Un­si­cher­heit. Der Swiss Mar­ket In­dex stieg 0,6% auf 6535.

Ei­ni­ge Roh­stof­fe ha­ben sich in jüngs­ter Zeit frap­pant ver­teu­ert: Der Öl­preis nä­hert sich der 100-$-Mar­ke. Auch die Prei­se ge­wis­ser Nah­rungs­grund­stof­fe und Me­tal­le schies­sen nach oben, aus­ge­löst durch das billige Geld, mit dem die US-No­ten­bank die Märk­te flu­tet. Die Hausse be­sorgt die An­le­ger zu­neh­mend und lenkt den Blick weg von den be­vor­ste­hen­den Jah­res­ab­schlüs­sen. Hier wer­den so­li­de Leis­tun­gen er­war­tet, doch was nützt das, wenn die kon­junk­tu­rel­le Er­ho­lung ab­ge­würgt zu wer­den droht? Ers­te Aus­sa­gen zu Ge­schäfts­aus­sich­ten und mög­li­chen Stol­per­stei­nen ste­hen En­de Wo­che an, wenn der Bro­ker Hel­vea ein Se­mi­nar für In­ves­to­ren ab­hält. Zahl­rei­che Schwei­zer Un­ter­neh­men tre­ten auf.

Die Schul­den­kri­se in der Eu­ro­zo­ne dämpft die Stim­mung eben­falls. Tem­po­rär für Auf­at­men sorg­te am Di­ens­tag Ja­pan. Das Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um teil­te mit, ein Fünf­tel der Eu­ro­päi­schen Fi­nanz­sta­bi­li­sie­rungs­fa­zi­li­tät er­wer­ben zu wol­len. Die Bonds sol­len En­de Mo­nat emit­tiert wer­den. Chi­na be­kräf­tig­te En­de Wo­che, auch da­von kau­fen zu wol­len. Am Mitt­woch steht in­des ei­ne Auk­ti­on für por­tu­gie­si­sche Staats­an­lei­hen an. Markt­teil­neh­mer er­war­ten, dass das Land eben­falls un­ter den EU-Ret­tungs­schirm krie­chen muss – auch wenn die na­tio­na­le Re­gie­rung das (noch) von sich weist.

Zy­kli­ker à la ABB ge­sucht

Ge­fragt wa­ren am Di­ens­tag ABB (+2,3%), wie an­de­re zy­kli­sche Wer­te auch. Die Mit­tei­lung, dass die An­ge­bots­frist für den US-Au­to­ma­ti­ons­tech­ni­ker Bal­dor bis 19. Ja­nu­ar ver­län­gert und der Ab­schluss der Trans­ak­ti­on im lau­fen­den Quar­tal er­war­tet wird, dürf­te da­bei kaum den Aus­schlag ge­ge­ben ha­ben. Bis zum 10. Ja­nu­ar sind ABB 86,4% der Ak­ti­en Bal­dor an­ge­dient wor­den. Wich­ti­ger ist, dass sich das Ener­gie­ge­schäft be­lebt. Ein ak­tu­el­les Zei­chen hier­für ist et­wa: ABB hat Auf­trä­ge über 32 Mio. $ für die Lie­fe­rung von fünf Um­spann­wer­ken und den Bau von Frei­lei­tun­gen in Bra­si­li­en er­hal­ten. Da­mit sol­len vier­zehn Wind­parks mit ei­ner Er­zeu­gungs­ka­pa­zi­tät von rund 300 Me­ga­watt ver­sorgt wer­den.

Am Di­ens­tag hat der US-Lu­xus­gü­ter­her­stel­ler Tif­fa­ny die Ge­winn­vor­her­sa­ge für 2010/11 (per 31. Ja­nu­ar) er­höht, dank ei­nes star­ken Weih­nachts­ge­schäfts. Das war Treib­stoff für die Pa­pie­re Swatch Group (Inh.+1,6%) und Ri­che­mont (+3,8%). Swatch Group wird am 24. Fe­bru­ar über 2010 in­for­mie­ren, Ri­che­mont wird am 18. Ja­nu­ar ein Tra­ding State­ment zum drit­ten Quar­tal 2010/11 (ent­spre­chend dem vier­ten Ka­len­der­quar­tal) ab­ge­ben.

Der Che­mie­kon­zern Cla­ri­ant (+2,6%) gab be­kannt, die Prei­se der Öl­spar­te in­fol­ge hö­he­rer Roh­stoff­prei­se bis zu 15% an­zu­he­ben. Giv­au­dan rück­ten 3% vor auf die Mel­dung, dass der US-Che­mie­kon­zern Du Pont für 6,3 Mrd. $ Da­nis­co über­neh­men will (vgl. Sei­te 27). Über­schnei­dun­gen ha­ben die Gen­fer kei­ne mit Da­nis­co, die Dä­nen ha­ben 2007 das Aro­men­ge­schäft an Fir­me­nich ver­äus­sert. Der De­al stärkt in­des die Wahr­neh­mung am Markt, wie at­trak­tiv neue Le­bens­mit­tel­märk­te wie Fit­ness und Well­ness sind.

Ge­strau­chelt sind die Va­lo­ren Lon­za (–4,3%). Grund sind zwei Rück­stu­fun­gen durch Ci­ti­bank und Deut­sche Bank auf «Ver­kau­fen». Bei­de In­sti­tu­te mo­nie­ren, die Kon­sens­schät­zun­gen für 2011 sei­en zu hoch, und be­ur­tei­len das Um­feld in der Auf­trags­her­stel­lung als gars­tig. Ac­te­li­on (Ak­ti­en –2,6%) hat im Vor­feld ei­ner In­ves­to­ren­prä­sen­ta­ti­on die Pro­gno­sen für den Be­triebs­ge­winn 2010 leicht re­du­ziert. Bis­her wur­de ei­ne Be­triebs­mar­ge von 21 bis 24% an­ge­peilt, die­se Vor­ga­be wird aber knapp ver­fehlt. Grund sind Rechts­kos­ten.

Die In­dex­schwer­ge­wich­te No­var­tis (+0,5%), Ro­che (GS –0,6%) und Nest­lé (+0,3%) schlos­sen ge­hal­ten. San­doz, die Ge­ne­ri­kas­par­te von No­var­tis, star­tet ei­ne kli­ni­sche Stu­die für ein Bio­si­mi­lar zum Ro­che-Me­di­ka­ment Mabt­he­ra. Be­han­delt wer­den soll rheu­ma­to­ide Ar­thri­tis (RA). Auch Lon­za ent­wi­ckelt mit Te­va ei­nen Nach­ah­mer für den Block­bus­ter. Die Part­ner wol­len je­doch zu­sätz­lich zu RA ei­ne Krebs­in­di­ka­ti­on ab­de­cken. Nest­lé ge­lang es, in der Schweiz ei­nen Kon­kur­ren­ten ab­zu­schüt­teln, zu­min­dest vor­läu­fig. Ein Ge­richt wies Den­ner an, Kaf­fee­kap­seln für Nes­pres­so-Ma­schi­nen aus dem Ver­kauf zu neh­men. Der De­tail­händ­ler hat­te die Kap­seln halb so teu­er an­ge­bo­ten wie Nest­lé.

UBS re­kla­miert Fort­schrit­te

Et­was Rat­lo­sig­keit hin­ter­liess ein in­ter­nes Me­mo der UBS (Ak­ti­en +0,4%). CEO Os­wald Gr­ü­bel er­klär­te dar­in, die Bank wer­de ana­ly­sie­ren, ob die schär­fe­ren Ka­pi­tal­vor­schrif­ten, die zwar in vie­len Punk­ten noch un­klar sei­en, Stra­te­gie­än­de­run­gen nö­tig mach­ten. Mög­li­cher­wei­se geht es da­bei um die Fra­ge, in­wie­fern sich die am­bi­tiö­sen Plä­ne der In­vest­ment Bank in­ner­halb des neu­en Ka­pi­tal­re­gimes um­set­zen las­sen. Zu­dem er­klär­te Gr­ü­bel, in den ver­gan­ge­nen zwölf Mo­na­ten ha­be die Bank Fort­schrit­te ge­macht und ge­win­ne «Schritt um Schritt» das Kun­den­ver­trau­en zu­rück.

Die Mel­dung der Cre­dit Suis­se (Ak­ti­en +1,3%) über die Fest­le­gung ei­nes Pro­gramms für die Bo­nus­run­de ist als Er­folg zu wer­ten, sind dem heik­len Ent­scheid doch in­ten­si­ve Dis­kus­sio­nen mit der Auf­sichts­be­hör­de Fin­ma vor­aus­ge­gan­gen.

Ei­ne wer­be­wirk­sa­me Mel­dung kam von Part­ners Group (Ak­ti­en +0,2%): Der Ver­mö­gens­ver­wal­ter hat für Kun­den vor Jah­ren ei­nen klei­ne­ren Be­trag in ei­nen Pri­va­te Equi­ty Fund in­ves­tiert, der sei­ner­seits in ei­nem Früh­sta­di­um Po­si­tio­nen in Face­book und Twit­ter ein­ge­gan­gen ist, be­stä­tig­te ei­ne Spre­che­rin auf An­fra­ge. Ri­si­ko und Chan­cen die­ses En­ga­ge­ments gin­gen auf Rech­nung der An­la­ge­kun­den.

Die Ana­lys­ten der Deut­schen Bank ha­ben zu den Schwei­zer Ver­si­che­rern zu­min­dest ein biss­chen mehr Mut ge­fasst. Für Bâ­loi­se (+0,5%), Swiss Li­fe (–2,5%) und Swiss Re (+0,3%) ha­ben sie das Kurs­ziel leicht an­ge­ho­ben – die Ein­stu­fung bleibt für al­le auf «Hal­ten». Dem Kurs der Schwei­zer Rück nichts an­ha­ben konn­ten die Mel­dun­gen über die ver­schärf­te Hoch­was­ser­la­ge in Deutsch­land und Aus­tra­li­en. Bei­de Län­der sind für die Rück­ver­si­che­rer nur von mitt­le­rer Be­deu­tung (vgl. Sei­te 16).

Ei­ne Ver­kaufs­emp­feh­lung der UBSAna­lys­ten sand­te auch die Va­lo­ren von Ju­li­us Bär (–1,5%) auf Tal­fahrt. Die Pa­pie­re hät­ten sich bes­ser ent­wi­ckelt als der eu­ro­päi­sche Sek­tor und lä­gen über dem lang­fris­ti­gen Be­wer­tungs­durch­schnitt, lau­te­ten die Ar­gu­men­te. Wir al­ler­dings hal­ten das Po­ten­zi­al der «Bä­ren» für noch nicht aus­ge­schöpft. Die ehr­gei­zi­gen, wenn auch kost­spie­li­gen Ex­pan­si­ons­schrit­te in Ita­li­en und Deutsch­land ge­hen in die rich­ti­ge Rich­tung.

Ent­wick­lung Schwei­zer Wer­te

Markt-Mo­ni­tor SIX

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