EZB be­ru­higt den Markt

IN­TER­NA­TIO­NA­LE AN­LEI­HEN Por­tu­gal und Spa­ni­en emit­tie­ren – Ja­pan will EFSF-Bonds kau­fen

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN/DEVISEN - ANDRE­AS NEINHAUS

Por­tu­gals Pre­mier­mi­nis­ter Jo­sé So­cra­tes er­klär­te am Di­ens­tag, sein Land be­nö­ti­ge kei­ne Fi­nanz­hil­fe im Rah­men der Eu­ro­pean Fi­nan­ci­al Sta­bi­li­ty Fa­ci­li­ty (EFSF). Das Bud­get­de­fi­zit ist mit 6,9 bis 7,1% des Brut­to­in­land­pro­dukts (BIP) um 800 Mio. € tie­fer aus­ge­fal­len, als die Re­gie­rung selbst ver­an­schlagt hat­te. Mit die­sem hoff­nungs­vol­len Ab­schluss, der al­ler­dings den ein­ma­li­gen Trans­fer der Pen­si­ons­kas­sen­ak­ti­ven von Por­tu­gal Tele­com im Um­fang von rund 1,5% des BIP ein­schliesst, stimmt der Re­gie­rungs­chef die An­le­ger auf die mit Span­nung er­war­te­te Emis­si­on heu­te Mitt­woch ein. Die Staats­an­lei­hen 33⁄ 5% OT 2014 und 44⁄ 5% OT 2020 wer­den auf­ge­stockt. Ge­plant ist ein Vo­lu­men von 750 Mio. bis 1,25 Mrd. €.

An­lei­hen Por­tu­gals, an­de­rer Staa­ten der Eu­ro­pe­ri­phe­rie so­wie Bel­gi­ens wa­ren in den ver­gan­ge­nen Ta­gen un­ter Ab­ga­be­druck ge­ra­ten. Am Di­ens­tag vor der Auk­ti­on ver­bes­ser­ten sich die bei­den ge­nann­ten Ob­ri­ga­ções da Te­sou­ro et­was: Ihr Kurs stieg auf 92,26 resp. 84,35%, die Ren­di­ten gin­gen auf 5,96 resp. 7,13% zu­rück. Das war zum Teil der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank (EZB) zu ver­dan­ken, die iri­sche und por­tu­gie­si­sche An­lei­hen kauf­te und da­bei nach Händ­ler­in­for­ma­tio­nen erst­mals zehn­jäh­ri­ge Pa­pie­re stütz­te. Por­tu­gals Emis­si­on gilt als Test für die Ka­pi­tal­markt­fä­hig­keit des Lan­des (vgl. Sei­te 25). In den ers­ten Wo­chen des Jah­res wird tra­di­tio­nell reich­lich emit­tiert. Am Don­ners­tag wer­den Ita­li­en und Spa­ni­en an den Markt tre­ten. Bei­de Staats­schuld­ner sto­cken aus­ste­hen­de An­lei­hen auf: Ita­li­en 3% BTP 2015 und 41⁄ 2% BTP 2026, Spa­ni­en 31⁄ 4% Bo­no 2016. Auch hier ist der Er­folg al­les an­de­re als si­cher. Grie­chen­land zahl­te am Di­ens­tag für Geld­markt­pa­pie­re mit sechs­mo­na­ti­ger Lauf­zeit be­acht­li­che 4,9% Zins. Dank des Prei­ses war die Emis­si­on in Eu­ro 3,4-fach über­zeich­net. Bei der letz­ten Auk­ti­on im No­vem­ber wur­den 4,82% ge­zahlt.

Ver­gan­ge­ne Wo­che hat­te die eu­ro­päi­sche Kom­mis­si­on über den Eu­ro­päi­schen Fi­nan­ci­al Sta­bi­li­sa­ti­on Mecha­nism (EFSM) 5 Mrd. € zu 2,59% auf­ge­nom­men. In den nächs­ten Wo­chen wird der grös­se­re Teil des

Emis­si­ons­ka­rus­sell in Fahrt

eu­ro­päi­schen Ret­tungs­schirms, die Eu­ro­pean Fi­nan­ci­al Sta­bi­li­ty Fa­ci­li­ty (EFSF), an den Ka­pi­tal­markt tre­ten, um Mit­tel auf­zu­neh­men. Ja­pan ver­sprach am Di­ens­tag, ein Fünf­tel der Emis­si­on zu kau­fen (vgl. S. 12 und 36). EFSF wird von den ein­zel­nen Staa­ten der Eu­ro­zo­ne, ge­wich­tet nach ih­ren An­tei­len am EZB-Ka­pi­tal, ga­ran­tiert. Die Ra­tin­ga­gen­tu­ren be­wer­ten sie mit der höchs­ten Qua­li­täts­no­te, dem Triple-A.

Zahl­rei­che Erst­klass­schuld­ner wer­ben be­reits die­se Wo­che um An­le­ger. Kre­dit­an­stalt für Wie­der­auf­bau (KfW) legt ei­ne zehn­jäh­ri­ge Bench­mar­kan­lei­he in Eu­ro auf, Nor­we­gens Kom­mu­nal­ban­ken ei­ne fünf­jäh­ri­ge in Dol­lar. Die zur Welt­ban­kG­rup­pe ge­hö­ren­de IBRD be­gibt ei­ne va­ria­bel ver­zins­te An­lei­he, die in Pfund de­no­mi­niert ist. Die Eu­ro­päi­sche In­ves­ti­ti­ons­bank bie­tet ei­ne zwei­jäh­ri­ge Pf­und­an­lei­he mit 3% Cou­pon an. Eben­falls in der bri­ti­schen Wäh­rung emit­tiert die ka­na­di­sche Pro­vinz On­ta­rio. Die An­lei­he wird 2013 zu­rück­ge­zahlt und ist mit Aa1 von Moo­dy’s bzw. AA– von Stan­dard & Poor’s ein­ge­stuft. Eu­ro­zo­n­e­mit­glied Slo­we­ni­en nimmt 1,5 Mrd. € über zehn­jäh­ri­ge An­lei­hen auf, die mit ei­nem Cou­pon von 43⁄ 8% ver­se­hen sind. Dop­pel-A Nord­rhein-West­fa­len ga­ran­tiert die am Mon­tag emit­tier­ten 15⁄ 8% NRW Bank 2014.

Emit­ten­ten aus der Fi­nanz­bran­che set­zen auf kur­ze Lauf­zei­ten, um An­lei­hen zu ver­kau­fen. Lloyds Bank be­gibt ein drei­jäh­ri­ges va­ria­bel ver­zins­tes Pa­pier in Eu­ro, die ja­pa­ni­sche Bank of To­kyo Mitsu­bi­shi UFJ – Aa2 (Moo­dy’s) bzw. A+ (S&P) – wählt die glei­che Lauf­zeit, aber den aus­tra­li­schen Dol­lar als Wäh­rung und zahlt ei­nen Cou­pon von 5,58%. Cré­dit Ag­ri­co­le und Uni­credit be­schrän­ken sich un­ab­hän­gig von­ein­an­der auf an­dert­halb Jah­re Lauf­zeit und ei­nen va­ria­blen Cou­pon.

Kon­sum­boom in Chi­na

Am an­de­ren En­de der Qua­li­täts­ska­la plant der als spe­ku­la­ti­ve An­la­ge be­wer­te­te, in der me­di­zi­ni­schen Dia­gnos­tik tä­ti­ge Schuld­ner Lab­co ei­ne hoch­ver­zins­li­che An­lei­he über 500 Mio. € mit sechs­jäh­ri­ger Lauf­zeit. Die eben­falls im Ge­sund­heits­we­sen an­ge­sie­del­te spa­ni­sche Grifols (B3/B) lan­cier­te am Mon­tag ei­nen sie­ben­jäh­ri­gen Dol­l­ar­bond. Mit den Ein­nah­men soll ein Kre­dit ab­ge­löst wer­den, der auf­ge­nom­men wur­de, um die Über­nah­me der US-Bio­tech-Fir­ma Tale­cris zu fi­nan­zie­ren.

Die Welt­kon­junk­tur scheint über den Jah­res­wech­sel nicht an Dy­na­mik ver­lo­ren zu ha­ben. Chi­nas Ex­port­über­schuss ist 2010 um 13 Mrd. auf 183 Mrd. $ ge­ring­fü­gig zu­rück­ge­gan­gen, ob­wohl ein Ex­por­tre­kord er­zielt wur­de. Als Fol­ge des sehr kräf­ti­gen Wirt­schafts­wachs­tums er­lebt das Reich der Mit­te ei­nen Kon­sum­boom, wor­auf die Im­por­te 39% zu­ge­nom­men ha­ben. Im De­zem­ber er­höh­te die No­ten­bank die Leit­zin­sen, um den Auf­schwung et­was zu brem­sen. Die Aus­sicht auf all­mäh­lich stei­gen­de Zin­sen, die die Kre­dit­nach­fra­ge dros­seln, ver­an­lasst Emit­ten­ten, syn­the­ti­sche Yuan-Bonds zu pla­zie­ren. Die chi­ne­si­sche Im­mo­bi­li­en­ge­sell­schaft Ever­gran­de be­gibt die­se Wo­che in Hong­kong ei­ne drei­und fünf­jäh­ri­ge Yuan-An­lei­he, die in Dol­lar ab­ge­wi­ckelt wer­den und Cou­pons von 71⁄

2 bzw. 9 bis 91⁄ 2% ab­wer­fen sol­len.

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