Über­trie­be­ner Pes­si­mis­mus

DE­VI­SEN Spa­ni­en be­nö­tigt we­ni­ger Ka­pi­tal – Fehl­an­pas­sun­gen ver­bes­sern sich schritt­wei­se

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN/DEVISEN - DA­NI­EL BLANCHET,

Un­ge­wiss­heit prägt die Wirt­schafts­aus­sich­ten für die nächs­ten Jah­re. Für Un­ru­he sor­gen Ängs­te vor ei­ner er­neu­ten Re­zes­si­on und vor wei­te­ren Staats­de­fi­zi­ten. Am letz­ten Tref­fen der Mit­glie­der der Eu­ro­päi­schen Uni­on (EU) war ein per­ma­nen­ter Kri­sen­me­cha­nis­mus be­schlos­sen wor­den – doch das ver­moch­te die An­le­ger nicht zu über­zeu­gen. Sie hat­ten ein­schnei­den­de­re Mass­nah­men er­war­tet.

In den ver­gan­ge­nen Wo­chen un­be­strit­te­ner Star im Be­reich Flucht­wäh­rung war der Fran­ken. Er­freu­li­cher­wei­se ist Chi­na wei­ter­hin be­reit, die EU-Mit­glied­län­der bei der Be­kämp­fung ih­rer Staats­schul­den zu un­ter­stüt­zen. Be­reits hat die Volks­re­pu­blik por­tu­gie­si­sche Staats­an­lei­hen im Wert von 5 Mrd. € ge­kauft. Es ist da­von aus­zu­ge­hen, dass Chi­na im Fall von Spa­ni­en gleich han­delt.

Gre­en­back fes­ter

In den letz­ten Ta­gen hat sich der Markt et­was be­ru­higt, die hel­ve­ti­sche Va­lu­ta hat sich sta­bi­li­siert – auch, weil sich der Dol­lar dank vor­teil­haf­ten Kon­junk­tur­da­ten von 0.93 auf 0.97 Fr./$ er­holt hat. Seit En­de Au­gust 2009 ha­ben sich die lang­fris­ti­gen Zin­sen klar er­holt und im De­zem­ber ei­nen Re­kord er­reicht. Der fünf­zehn­jäh­ri­ge Satz mar­kier­te 2,55%. Seit­dem ver­moch­ten sich die Zin­sen je­doch wie­der 25 Ba­sis­punk­te zu re­du­zie­ren.

Zahl­rei­che Aspek­te der spa­ni­schen Staats­ver­schul­dung lie­gen im Dun­keln. Doch ei­ni­ge Kom­men­ta­re von Markt­teil­neh­mern lie­gen völ­lig falsch: Denn Ver- bes­se­run­gen wer­den vor­ge­nom­men. Das be­le­gen auch die En­de De­zem­ber vom spa­ni­schen Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um pu­bli­zier­ten Zah­len: 2010 wur­den 15 Mrd. € we­ni­ger Staats­an­lei­hen be­ge­ben. 2011 ist ei­ne wei­te­re Sen­kung des Fi­nan­zie­rungs­be­darfs auf 47,2 Mrd. € ge­plant.

Der Rück­gang des Re­fi­nan­zie­rungs­vo­lu­mens um 24% ist auf die be­schlos­se­nen Sa­nie­rungs­mass­nah­men zu­rück­zu­füh­ren. Un­längst gab die spa­ni­sche Wirt­schafts­mi­nis­te­rin Ele­na Sal­ga­do be­kannt, dass Spa­ni­ens Ka­pi­tal­be­darf 2011 durch das neue Teil­pri­va­ti­sie­rungs­pro­gramm (u. a. Flug­hä­fen und Lot­te­rie) um ein wei­te­res Drit­tel re­du­ziert wird. Dann wä­re der Staat auf ei­nem Stand von 30 bis 31 Mrd. €. Im Sin­ne der Trans­pa­renz wird das Fi­nanz­mi­nis­te­ri­um zu­dem sein Emis­si­ons­pro­gramm neu mo­nat­lich und nicht mehr quar­tals­wei­se ver­öf­fent­li­chen. Da­mit sol­len die neu­en Pa­pie­re an die Markt­prä­fe­renz an­ge­passt wer­den.

Die so­zi­al­de­mo­kra­ti­sche Re­gie­rung un­ter der Lei­tung von Jo­sé Lu­is Ro­d­ri­guez Za­pa­te­ro hat­te 2010 ein Kri­sen­pa­ket be­schlos­sen. Sie will da­mit 2011 das öf­fent­li­che De­fi­zit Spa­ni­ens auf 6% des Brut­to­in­land­pro­dukts sen­ken (2010: 9,3% und 2009: 11,1%). Viel zu re­den gab zu­dem die Si­tua­ti­on Ma­drids – es hiess, die Haupt­stadt ste­he kurz vor dem Bank­rott. Dies mit ei­ner Brut­to­ver­schul­dung von 2200 € pro Ein­woh­ner. Die Schul­den­last des Kan­tons Genf be­trägt 32 000 Fr. pro Ein­woh­ner. Exis­tiert da wirk­lich ein Grund zur Be­un­ru­hi­gung? Oh­ne dies wei­ter zu ver­tie­fen und über die pri­va­te Ver­schul­dung zu spre­chen – nur ein Wert sei ge­nannt: Die Ent­wick­lung von Ri­si­ko­zu­schlä­gen, bei­spiels­wei­se von spa­ni­schen Wert­pa­pie­ren in Fran­ken, liegt der­zeit rund 2% über ver­gleich­ba­ren in Eu­ro de­no­mi­nier­ten Wer­ten. 2011 könn­te sie sich ge­nau um­keh­ren, mit den ab­seh­ba­ren Fol­gen – fes­te­rer Eu­ro, schwä­che­re Flucht­wäh­run­gen, über­ra­schend ho­he In­fla­ti­on und Zin­sHausse.

Kräf­ti­ge Er­ho­lung?

Das wür­de be­stä­ti­gen, dass sich die Wirt­schaft in den ver­gan­ge­nen zwölf Mo­na­ten kräf­ti­ger er­holt hat, als vie­le zu hof­fen wag­ten. Auch wür­de das heis­sen, dass die heu­ti­ge Markt­la­ge ei­ne Fol­ge von Li­qui­di­täts­fehl­an­pas­sun­gen in den Bank­bü­chern ist. Sie ha­ben es ver­säumt, für aus­rei­chend lang­fris­ti­ges Ka­pi­tal zu sor­gen. Kom­men noch Spe­ku­la­ti­on und Ma­ni­pu­la­ti­on hin­zu, kann dies zu al­len er­denk­li­chen Ex­zes­sen füh­ren. Glück­li­cher­wei­se sind die Zen­tral­ban­ken da, um in den kom­men­den Jah­ren ei­ne pro­gres­si­ve Rück­kehr zu nor­ma­len Kon­di­tio­nen zu er­mög­li­chen.

Die Aus­wir­kun­gen der Fi­nanz-und Wirt­schafts­kri­se wer­den 2011 und 2012 sicht­bar blei­ben – aber klei­ner wer­den. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren wur­de von ei­ner Über­trei­bung zur nächs­ten ge­gan­gen. Die Li­qui­di­täts­fehl­an­pas­sun­gen soll­ten sich aber schritt­wei­se ver­bes­sern – wie auch die Si­tua­ti­on im Kö­nig­reich Spa­ni­en.

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