Re­zep­te für den Eu­ro

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN/DEVISEN -

fi­nan­zie­ren. Ganz zu schwei­gen da­von, dass der Wert der Eu­roschul­den in der lo­ka­len Wäh­rung ex­plo­die­ren wür­de. Die­ses Sze­na­rio kann man kaum ins Au­ge fas­sen, wenn man weiss, dass die An­lei­hen der vier Pe­ri­phe­rie­län­der zu 75% von aus­län­di­schen In­ves­to­ren ge­hal­ten wer­den, von de­nen zwei Drit­tel aus der Eu­ro­zo­ne stam­men. Die Aus­wir­kun­gen auf die Gläu­bi­ger wä­ren der­mas­sen gra­vie­rend, dass die Staa­ten in­ter­ve­nie­ren müss­ten – an­ge­sichts des Zu­stands der Staats­fi­nan­zen ei­ne we­nig ver­lo­cken­de Per­spek­ti­ve.

Der Sta­bi­li­täts­pakt muss re­vi­diert wer­den, sein Re­gel­werk hat ver­sagt. Op­ti­mal wä­re, ge­mäss den ers­ten Vor­schlä­gen der Kom­mis­si­on, ei­ne mul­ti­la­te­ra­le Auf­sicht (wo­bei Haus­halts­plä­ne der Kom­mis­si­on vor­ge­legt wer­den müss­ten), ge­stützt auf das Fach­wis­sen ei­ner un­ab­hän­gi­gen Ein­heit, die ver­tief­te Un­ter­su­chun­gen durch­füh­ren dürf­te, und mit vor­ge­se­he­nen au­to­ma­tisch ein­set­zen­den Sank­tio­nen, die nur mit qua­li­fi­zier­ter Mehr­heit auf­ge­ho­ben wer­den könn­ten. Letz­te­res al­ler­dings leh­nen ei­ni­ge Staa­ten bis an­hin ab.

Da­zu soll­te sich ein Sank­ti­ons­me­cha­nis­mus ge­sel­len für den Fall, dass Re­form­ver­pflich­tun­gen zur Be­kämp­fung ma­kro­öko­no­mi­scher Un­gleich­ge­wich­te ( Wett­be­werbs­fä­hig­keit, ex­zes­si­ve Pri­vat­ver­schul­dung) miss­ach­tet wer­den. Von man­cher Sei­te ist zu hö­ren, sol­che Mass­nah­men be­deu­te­ten ei­nen Ver­lust an Sou­ve­rä­ni­tät. Tat­säch­lich ist es so, dass über die wün­schens­wer­ten Ein­schrän­kun­gen in Sa­chen Haus­halts­sal­do hin­aus kei­ne an­de­ren Vor­ga­ben punk­to Um­fang des Bud­gets oder Struk­tur von Ein­nah­men und Aus­ga­ben vor­han­den sind.

Zwei­fel­los gilt es nun, wei­te­re Schrit­te auf dem Weg des Haus­halts-Fö­de­ra­lis­mus zu un­ter­neh­men. Ma­kro­öko­no­mi­sche Über­le­gun­gen als Auf­takt zur Schaf­fung ei­nes ge­mein­sa­men, fö­de­ra­len Haus­halts kom­men nicht in Fra­ge, da­für be­steht kei­ne po­li­ti­sche Le­gi­ti­ma­ti­on. Wahr­schein­li­cher ist, dass der Fö­de­ra­lis­mus wohl­do­siert, Schritt für Schritt ver­stärkt wird. In die­se Rich­tung zielt die Idee ei­nes «eu­ro­päi­schen Bonds».

Der­zeit stösst sie noch auf Wi­der­stand von­sei­ten Deutsch­lands und Frank­reichs, doch das letz­te Wort ist nicht ge­spro­chen. Es ent­stün­de ein Markt in ähn­li­cher Grös­se wie der für ame­ri­ka­ni­sche Tre­a­su­ries, und dank sei­ner Li­qui­di­tät und der Ga­ran­tie durch sech­zehn Staa­ten dürf­te sei­ne At­trak­ti­vi­tät aus­ser Fra­ge ste­hen. Klar ist, dass die so­li­des­ten Staa­ten ei­nen ge­wis­sen Zins­an­stieg in Kauf neh­men müss­ten. An­de­re dürf­ten ver­sucht sein, als Tritt­brett­fah­rer vom gu­ten Ruf der So­li­den zu pro­fi­tie­ren und die ei­ge­ne Haus­halts­po­li­tik et­was la­scher zu hand­ha­ben. Nichts­des­to­trotz wür­de der­je­ni­ge Teil der Staats­schul­den, der nicht durch den Eu­ro-Bond fi­nan­ziert wür­de, der dis­zi­pli­nie­ren­den Wir­kung der Markt­kon­di­tio­nen un­ter­wor­fen – die, wie die Er­fah­rung zeigt, ei­ni­ges ef­fi­zi­en­ter ist als po­li­ti­sche In­stru­men­te. Ein sol­ches Pro­gramm hät­te ei­ne an­de­re Grös­sen­ord­nung als der Ret­tungs­schirm EFSF oder der Kri­sen­me­cha­nis­mus ESM. Aber es wä­re ja auch ein In­stru­ment der or­dent­li­chen Fi­nan­zie­rung in der Eu­ro­zo­ne und nicht ein Mit­tel zur Ret­tung von Staa­ten in Schwie­rig­kei­ten.

Ei­nes ist klar: Wenn ein Aus­tritt aus dem Eu­ro­ver­bund aus­ge­schlos­sen ist – und das ist er, aus­ser, man woll­te den ge­sam­ten Ein­heits­markt in Fra­ge stel­len, wo­mit der Weg of­fen wä­re für Ab­wer­tungs­wett­be­werb, Straf­zöl­le etc. –, setzt das Funk­tio­nie­ren der Wäh­rungs­uni­on ein Mi­ni­mum an Fö­de­ra­lis­mus vor­aus. So­lan­ge nicht klar ist, in wel­che Rich­tung die Re­for­men zie­len, bleibt uns nichts an­de­res üb­rig, als wei­ter mit der Vo­la­ti­li­tät zu le­ben.

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