Auf­schwung geht wei­ter

OST­EU­RO­PA

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSEN EUROPA/ÜBERSEE - STE­FAN MAXIAN

Un­ein­heit­lich star­te­ten die ost­eu­ro­päi­schen Ak­ti­en­in­di­zes in das neue Jahr. Wäh­rend der un­ga­ri­sche BUX und der ru­mä­ni­sche BET mit 3,9 bzw. 6,8% in der Ge­winn­zo­ne lie­gen, büss­ten üb­ri­ge In­di­zes wie der polnische WIG oder der slo­we­ni­sche SBITOP seit Jah­res­be­ginn meh­re­re Pro­zent­punk­te ein. Grün­de da­für sind gross­teils nicht ein­zel­ne ost­eu­ro­pa­spe­zi­fi­sche Mel­dun­gen, son­dern viel­mehr ein ge­ne­rel­ler An­stieg der Ri­si­ko­aver­si­on, die sich kurz­fris­tig un­güns­tig auf die Ka­pi­tal­strö­me in die Re­gi­on aus­wirkt.

In Po­len wur­de der Markt zu Jah­res­be­ginn durch ei­nen Re­gie­rungs­vor­schlag in Zu­sam­men­hang mit dem Pen­si­ons­sys­tem über­rascht. Ge­mäss dem Vor­schlag sol­len per April der Mit­tel­zu­fluss zu Pen­si­ons­fonds deut­lich ge­kürzt wer­den. Das dürf­te Aus­wir­kun­gen auf die wei­te­ren Pri­va­ti­sie­rungs­vor­ha­ben der Re­gie­rung ha­ben, da den pol­ni­schen Pen­si­ons­fonds be­son­ders am Pri­mär­markt ei­ne wich­ti­ge Rol­le zu­kommt.

Gu­te Kun­de aus Un­garn

Die zu Jah­res­be­ginn ver­öf­fent­lich­ten volks­wirt­schaft­li­chen Da­ten deu­ten auf ei­ne an­hal­ten­de Wirt­schafts­er­ho­lung in Ost­eu­ro­pa hin, die im Jah­res­ver­lauf gar an Dy­na­mik ge­win­nen soll­te. So zeig­te der In­dex, der die Form der ver­ar­bei­ten­den In­dus­trie misst, im De­zem­ber in den wich­ti­gen Re­gio­nen ei­ne kräf­ti­ge Kon­junk­tur­dy­na­mik an. In Tsche­chi­en wur­de mit 58,4 (+1,1 Ind­ex­punk­te) ein Drei­jah­res­hoch er­reicht. In Po­len stieg der In­dex 0,4 auf 56,3 und in Russ­land 2,4 auf 53,3. Dass sich die Kon­junk­tur­er­ho­lung nicht nur in Um­fra­gen, son­dern auch in fes­ten Da­ten nie­der­schlägt, zeigt die Ent­wick­lung der In­dus­trie­pro­duk­ti­on. Sie lag zu­letzt in Tsche­chi­en (+15,9) und Un­garn (+14,5%) über den Er­war­tun­gen. Zwar be­las­tet die schwa­che Wäh­rung den Kre­dit­markt Un­garns (vgl. Sei­te 31). Doch weist das Land ei­nen Han­dels­bi­lanz­über­schuss von 580 Mio. € auf ( Ja­nu­ar bis No­vem­ber).

Wäh­rend im Vor­jahr zy­kli­sche Wer­te zu den gröss­ten Kurs­ge­win­nern zähl­ten, füh­ren in den ers­ten Han­dels­ta­gen des neu­en Jah­res eher als de­fen­siv klas­si­fi­zier­te Ti­tel und Sek­to­ren die Kurs­lis­ten an. Die Sek­to­ren Tele­com­mu­ni­ka­ti­on und Ver­sor­ger prä­sen­tier­ten sich stark. Bes­ter Kurs­ge­win­ner in Un­garn ist bis da­to Ma­gyar Tele­com mit ei­nem Plus von über 7%. Die Be­grün­dung für die kräf­ti­ge Ge­gen­re­ak­ti­on zu den deut­li­chen Kurs­ver­lus­ten zum Jah­res­en­de ist die Hoff­nung, dass die un­ga­ri­sche Re­gie­rung die jüngs­ten Vor­schlä­ge zu Kri­sen­steu­ern für die Tele­co­mund Öl­in­dus­trie so­wie den Ein­zel­han­del nach in­ter­na­tio­na­len Pro­tes­ten noch abän­dern wird.

Ge­frag­te Tel­cos

Aus dem Tele­com­sek­tor zeig­ten sich zu­dem die polnische TPSA und die tsche­chi­sche Te­le­fó­ni­ca O2 mit ei­ner kräf­ti­ge­ren Out­per­for­mance im Ver­gleich zu den na­tio­na­len Bench­mark-In­di­zes in Form. Un­ter den Ver­sor­ger­wer­ten sta­chen die ru­mä­ni­sche Tran­selectri­ca und die tsche­chi­sche CEZ her­vor. In Ru­mä­ni­en führt Tran­selectri­ca die Ge­win­ner­lis­te mit ei­nem Plus von 13% an. Der Grund ist ei­ne vom Re­gu­la­tor ver­öf­fent­lich­te Ta­ri­f­um­stel­lung, die nicht so un­güns­tig wie zu­nächst er­war­tet aus­fiel. Ins­ge­samt wird der Ver­sor­ger­sek­tor zu­dem von stei­gen­den Strom­prei­sen be­güns­tigt.

Ge­las­sen sa­hen In­ves­to­ren die Mel­dung des pol­ni­schen Fi­nanz­mi­nis­te­ri­ums, dass der­zeit kein wei­te­rer An­teils­ver­kauf am Ver­sor­ger Tau­ron ge­plant ist. Der polnische Staat hält noch 42% an Tau­ron. Ei­ner­seits er­schwert die Neu­re­ge­lung des pol­ni­schen Pen­si­ons­sys­tems ei­ne wei­te­re Pla­zie­rung, an­de­rer­seits ver­öf­fent­lich­te die polnische Re­gie­rung für 2011 we­ni­ger ag­gres­si­ve Pri­va­ti­sie­rungs­zei­len als im Vor­jahr. Mit ei­nem ge­plan­ten Pri­va­ti­sie­rungs­er­lös von 15 Mrd. Zlo­ty liegt der Be­trag um rund 10 Mrd. Zlo­ty un­ter der Re­kord­sum­me vom Vor­jahr.

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