Kon­tron hat noch mehr zu bie­ten

AKTIENEXPOSÉ Füh­ren­der An­bie­ter ein­ge­bet­te­ter Sys­tem­lö­sun­gen – In Wachs­tums­bran­chen po­si­tio­niert – Ful­mi­nan­tes Kurs­ral­ly

Finanz und Wirtschaft - - KAPITALANLAGEN - DIETEGEN MÜL­LER,

Die Ak­ti­en des Tec-Dax-Un­ter­neh­mens, das auf ei­ne Grün­dung des Schwei­zers Bran­co Weiss zu­rück­geht, sind seit An­fang De­zem­ber gut 40% ge­klet­tert. Am Markt heisst es, der Hard­ware­her­stel­ler ha­be auf ei­ner In­ves­to­ren­kon­fe­renz in London ei­nen gu­ten Ein­druck ge­macht. In­ter­es­se von drit­ter Sei­te ist dem Ma­nage­ment ge­mäss ei­ge­nen Aus­sa­gen nicht be­kannt.

Im ver­gan­ge­nen Som­mer war viel Ver­trau­en ver­lo­ren ge­gan­gen, als ein Be­trug in der ma­lay­si­schen Toch­ter be­kannt wur­de. Der Fall kos­tet Kon­tron 34 Mio. € und da­mit et­wa den Jah­res­ge­winn 2010. Der Fi­nanz­chef nahm sei­nen Hut, und Kon­tron be­kräf­tigt, es sei­en kei­ne wei­te­ren Fol­ge­kos­ten zu er­war­ten. Das kommt am Markt gut an.

Markt in der Kon­so­li­die­rung

Ge­mes­sen am Um­satz zählt Kon­tron, die Em­bed­ded-Com­pu­ter-Tech­no­lo­gi­en (ECT) an­bie­tet, zu den welt­weit füh­ren­den ECT-Un­ter­neh­men. Be­deu­ten­de Wett­be­wer­ber sind Emer­son, Ge­ne­ral Electric, Ad­van­tech und Ra­di­sys. Der Em­bed­de­dMarkt ist frag­men­tiert und kon­so­li­diert sich schon seit län­ge­rem. Kon­tron trat da­bei ak­tiv als Käu­fe­rin auf, gilt selbst aber auch po­ten­zi­el­le Über­nah­me­kan­di­da­tin, da ein An­ker­in­ves­tor fehlt. Die bei Kon­tron en­ga­gier­ten Gross­ak­tio­nä­re – dar­un­ter der Tech­no­lo­gie­spe­zia­list War­burg Pin­cus – sind al­ler­dings nicht auf kur­ze Hal­te­fris­ten aus.

Ver­ein­facht ge­sagt, be­steht das Ge­schäfts­mo­dell von Kon­tron dar­in, Mi­kro­pro­zes­so­ren et­wa von In­tel zu kau­fen und in ei­ne Hard­ware «ein­zu­bet­ten», die spe­zi­fi­sche Kun­den­be­dürf­nis­se er­fül­len muss, et­wa ei­ne be­son­de­re Tem­pe­ra­tur-oder Schock­re­sis­tenz. Kon­tron bie­tet die­se Lö­sun­gen «ap­p­li­ca­ti­on re­a­dy» an, das heisst, mit Be­triebs­sys­tem. Ei­ge­ne Ap­pli­ka­tio­nen ent­wi­ckeln die Bay­ern aber nicht. Die Stück­zah­len be­lau­fen sich von Ein­zel­an­fer­ti­gun­gen bis hin zu grös­se­ren Se­ri­en mit Stück­zah­len im fünf­stel­li­gen Be­reich. Zum Port­fo­lio zäh­len et­wa Lö­sun­gen auf Com­pu­ter­board-Ebe­ne, of­fe­ne Platt­for­men für Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ser­ver, Rack-Ge­rä­te, Mensch-Ma­schineSchnitt­stel­len, trag­ba­re Com­pu­ter und ein­ge­bet­te­te Hard­ware.

Ur­sprüng­lich hat­te Bran­co Weiss Kon­tron 1959 in Zü­rich ge­grün­det, an­fangs ver­trieb es Mess­ge­rä­te, Bau­tei­le und Com­pu­ter­pe­ri­phe­rie. 1974 kauf­te Hoff­man­nLa-Ro­che das Un­ter­neh­men, 1989 ging es an BMW. Nach ei­ner In­sol­venz wur­den Tei­le der frü­he­ren Ak­ti­vi­tä­ten mit zwei an­de­ren Un­ter­neh­men ver­schmol­zen und dar­aus im Jahr 2000 die neue Kon­tron ge­formt. Der heu­ti­ge Chief Exe­cu­ti­ve Of­fi­cer Ul­rich Gehr­mann lei­te­te da­mals be­reits als Vor­stand die Ak­ti­vi­tä­ten in Eu­ro­pa, im Na­hen Os­ten und in Afri­ka. Von der Or­ga­ni­sa­ti­on her ist die Grup­pe in die Be­rei­che Em­bed­ded Sys­tems, Em­bed­ded So­lu­ti­ons, Em­bed­ded Mo­du­les so­wie ODM (Ori­gi­nal De­sign Ma­nu­fac­tu­rer) un­ter­teilt, wo­bei der letz­te Be­reich den ge­rings­ten Um­satz­an­teil aus­macht. Die Ak­ti­vi­tä­ten sind re­gio­nal breit di­ver­si­fi­ziert.

Smar­te Lu­cky Buys

Kon­tron ist das ein­zi­ge Un­ter­neh­men in der Bran­che, das in Ent­wick­lung und Fer­ti­gung so­wie Kun­den­dienst in den drei wich­tigs­ten Halb­lei­ter­märk­ten Eu­ro­pa, Nord­ame­ri­ka und Asi­en ver­tre­ten ist. Durch Ak­qui­si­tio­nen hat sich die Grup­pe ste­tig ver­grös­sert und neue Ge­schäfts­fel­der er­schlos­sen. Da­zu zählt et­wa die Über­nah­me des US-Rüs­tungs­spe­zia­lis­ten AP Labs oder Ubi­tro­nix, die sich auf Ener­gie­netz­ma­nage­ment (Smart Grids, Smart Me­te­ring) kon­zen­triert. Wich­ti­ge Kun­den sind die Au­to-und Luft­fahrt­in­dus­trie, aber auch der Tele­com-, Me­di­zin-, Ener­gie­und Fi­nanz­sek­tor so­wie Ma­schi­nen­bau. Da­zu zäh­len et­wa Tha­les und Air­bus, das rus­si­sche Strom­kon­glo­me­rat Fe­deral Grid, der Netz­werk­aus­rüs­ter Ju­ni­per und der Spiel­au­to­ma­ten­her­stel­ler Bally Tech­no­lo­gies so­wie auch Hei­del­druck.

Die Ab­hän­gig­keit von gros­sen Halb­lei­ter­her­stel­lern und mäch­ti­gen Kun­den ist ein Schwach­punkt des Ge­schäfts­mo­dells: Die Preis­macht Kon­trons ist eher be­schei­den. Dies schlägt sich im ge­rin­gen Wachs­tum des Cash­flows nie­der. Wenn es ge­lingt, Be­schaf­fungs­ket­te und Vor­rats­hal­tung gut zu ma­na­gen, dürf­te sich ein zu er­war­ten­des über­durch­schnitt­li­ches Wachs­tum in höher­mar­gi­gen Ak­ti­vi­tä­ten auch in stei­gen­der Er­trags­kraft nie­der­schla­gen. Da­zu kommt dank des fi­nan­zi­el­len Spiel­raums auch noch et­was Wachs­tums­fan­ta­sie durch wei­te­re klei­ne Zu­käu­fe.

Die Be­wer­tung der Ak­ti­en ist mit dem gut ein­ein­halb­fa­chen Buch­wert im his­to­ri­schen Ver­gleich nicht teu­er. Für ri­si­ko­fä­hi­ge In­ves­to­ren sind die Ti­tel als Bei­mi­schung trotz des jüngs­ten Ral­lys reiz­voll.

Kon­tron-Chef Gehr­mann ist zu­ver­sicht­lich.

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