Wann zün­det der Fun­ke im Strom­sek­tor?

In Eu­ro­pa zie­hen die Elek­tri­zi­täts­prei­se wie­der an – Har­ter Fran­ken hält Schwei­zer Ener­gie­händ­ler auf Tr­ab – Auf Come­back von BKW, Al­piq und Re­power set­zen

Finanz und Wirtschaft - - IN KÜRZE - CHRIS­TOPH GISIGER

Strom­ak­ti­en ha­ben ei­ne lan­ge Durst­stre­cke hin­ter sich. Vor der Re­zes­si­on zähl­ten sie einst zu den span­nends­ten Pa­pie­ren am Tableau der Schwei­zer Bör­se. Mitt­ler­wei­le sind sie aus dem Blick­feld vie­ler An­le­ger na­he­zu ver­schwun­den und hin­ken dem Ge­samt­markt seit nun­mehr drei Jah­ren hin­ter­her. Noch be­las­ten vie­le Un­si­cher­hei­ten den Sek­tor. Im­mer­hin lässt sich da und dort je­doch ein leich­tes Knis­tern ver­neh­men.

Das neue Jahr wird für Elek­tri­zi­täts­kon­zer­ne wie Ax­po, Al­piq oder BKW nicht ein­fach. Weil sie ei­nen Gross­teil des Ge­winns mit Strom­ex­por­ten ins um­lie­gen­de Aus­land ver­die­nen, hält der har­te Fran­ken sie auf Tr­ab. Wie schwer die Wech­sel­kurs­ver­lus­te zum Teil wie­gen, hat sich be­reits in den Se­mes­ter­er­geb­nis­sen ge­zeigt. Wenn bald die Zah­len für 2010 vor­lie­gen, wer­den wei­te­re Ent­täu­schun­gen kaum aus­blei­ben. We­ni­ger be­trof­fen sind da­ge­gen klei­ne­re, bin­nen­markt­ori­en­tier­te Ver­sor­ger wie Ro­man­de Ener­gie. Um die Nach­fra­ge im Heim­markt wäh­rend des Winters zu de­cken, kau­fen sie am eu­ro­päi­schen Markt Fremd­strom zu und könn­ten da­mit vom wei­chen Eu­ro so­gar pro­fi­tie­ren.

Ita­li­en wird zum Pro­blem­fall

Nam­haf­te Her­aus­for­de­run­gen stel­len sich in Ita­li­en. Lan­ge von Ver­sor­gungs­eng­päs­sen ge­prägt, hat sich die Apen­ni­nen­halb­in­sel zum Schlüs­sel­markt für Schwei­zer Strom­ex­por­teu­re ent­wi­ckelt. Ein wil­der Aus­bau von Pro­duk­ti­ons­ka­pa­zi­tä­ten und die ge­dämpf­te Nach­fra­ge aus der Wirt­schaft sor­gen seit der Re­zes­si­on je­doch für ein Über­an­ge­bot an Elek­tri­zi­tät. Ent­sp­re- chend schwach ist die Er­trags­kraft der neu­en Gas­kraft­wer­ke, in die schwei­ze­ri­sche Strom­kon­zer­ne zu­vor mun­ter in­ves­tiert hat­ten, um ih­re Markt­stel­lung in Ita­li­en mit ei­ge­ner Pro­duk­ti­on zu fes­ti­gen.

Am meis­ten Ve­r­un­si­che­rung kommt aus der Po­li­tik. We­gen mas­si­ver Fi­nanz­pro­ble­me wächst in vie­len Staa­ten die Ver­su­chung, in die Kas­sen der Ver­sor­ger zu grei­fen. Ei­ne rich­ti­ge Schock­wel­le an der Bör­se hat et­wa die Ein­füh­rung ei­ner Kern­brenn­stoff­s­teu­er in Deutsch­land aus­ge­löst. Auch in der Schweiz ist über Ähn­li­ches schon laut nach­ge­dacht wor­den. So hat­te der da­ma­li­ge Bun­des­rat Mo­ritz Leu­en­ber­ger ge­gen En­de sei­ner Amts­zeit als Ener­gie­mi­nis­ter me­di­en­wirk­sam ei­ne Art «Atom­rap­pen» pro­pa­giert, mit dem die Ge­win­ne von Kern­kraft­wer­ken qua­si ver­staat­licht wür­den, wenn die­se über 2020 hin­aus am Netz blei­ben soll­ten.

Ver­sor­ger als Mäu­se im La­bor

Viel Hoff­nung ruht auf der neu­en De­par­te­ments­vor­ste­he­rin Do­ris Leuthard, die ihr Amt An­fang No­vem­ber an­ge­tre­ten hat. Als vor­ma­li­ge Ver­wal­tungs­rä­tin der Ax­poToch­ter EGL dürf­te sie der Bran­che mehr Ver­ständ­nis ent­ge­gen­brin­gen. Den­noch ist die Angst vor Über­re­gu­lie­rung nach wie vor gross: «Die Strom­ver­sor­ger sind kei­ne La­bor­mäu­se, bei de­nen man mit et­was we­ni­ger Fut­ter die Ag­gres­si­vi­tät stei­gern und mit et­was mehr Nah­rungs­zu­fuhr die Lust zur Fort­pflan­zung er­hö­hen kann», sag­te Kurt Rohr­bach, Prä­si­dent des Bran­chen­ver­bands VSE, zum Auf­takt des­sen jähr­li­chen Tref­fens in Bern. «Den Ver­sor­gern bleibt nichts an­de­res üb­rig, als bei Mit­tel­ent­zug we­ni­ger zu in­ves­tie­ren und Leis­tun­gen ab­zu­bau­en. Das trifft aber – im Ge­gen­satz zur La­bo­r­um­ge­bung – uns al­le», füg­te Rohr­bach hin­zu, der auch das ope­ra­ti­ve Ge­schäft der BKW lei­tet.

Bis­her ha­ben sich die Strom­kon­zer­ne mit Aus­ga­ben für die In­fra­struk­tur nicht zu­rück­ge­hal­ten, ob­wohl ihr ope­ra­ti­ves Er­geb­nis seit 2008 ste­tig ab­nimmt. Auch ste­hen in den kom­men­den Jah­ren wei­te­re Gross­pro­jek­te wie bei­spiels­wei­se der Bau von Pump­spei­cher­kraft­wer­ken an. Es er­staunt da­her nicht, dass die Di­vi­den­den­po­li­tik hei­mi­scher Un­ter­neh­men im Ver­gleich zu eu­ro­päi­schen Bran­chen­nach­barn meist zu­rück­hal­ten­der ist.

Da­mit ech­te Span­nung in den Sek­tor zu­rück­kehrt, müs­sen sich zu­nächst die Elek­tri­zi­täts­prei­se im Gross­han­del er­ho­len. An der EEX in Leip­zig, dem wich­tigs­ten Um­schlags­platz auf dem Kon­ti­nent, ten­die­ren sie seit Spät­herbst et­was fes­ter, hin­ken den Brenn­stof­fen Koh­le und Gas aber noch hin­ter­her. Hält der Auf­wärts­trend an, könn­ten Strom­wer­te wie­der mehr Auf­merk­sam­keit er­hal­ten. Das auch des­halb, weil die Er­ho­lung am Ge­samt­markt seit März 2009 an den Va­lo­ren weit­ge­hend vor­bei­ge­gan­gen ist und da­mit ei­ni­ges Auf­hol­po­ten­zi­al in ih­nen steckt.

So­fern sich die Stim­mung auf­hellt, dürf­ten zu­erst die Ak­ti­en BKW pro­fi­tie­ren. Sie sind von den Schwei­zer Strom­wer­ten die li­qui­des­ten, was sie für in­sti­tu­tio­nel­le In­ves­to­ren aus dem Aus­land at­trak­tiv macht. Gros­se He­bel­wir­kung hat der Strom­preis zu­dem auf Händ­ler wie Al­piq und Re­power. Bis der zün­den­de Fun­ke auf die Ti­tel über­springt, braucht es aber wohl noch et­was Ge­duld.

An Strom­va­lo­ren ist die Kurs­er­ho­lung an der Bör­se bis­lang weit­ge­hend vor­über­ge­gan­gen. Das könn­te nun Auf­hol­po­ten­zi­al frei­set­zen.

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