Pri­vat­ban­ken bau­en in Deutsch­land aus

Ju­li­us-Bär-CEO Bo­ris Col­lar­di sieht «gu­te Per­spek­ti­ven» – Eric G. Sa­ra­sin freut sich an «schwar­zen Zah­len» – Von­to­bel auf «gu­tem Weg» – UBS und CS sind om­ni­prä­sent

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - THO­MAS WYSS

ZGu­te Po­si­ti­on

um Wo­chen­be­ginn gab die Bank Ju­li­us Bär be­kannt, sie wer­de in Deutsch­land ex­pan­die­ren. Al­lein ist sie da­mit nicht. Auch an­de­re Pri­vat­ban­ken ha­ben gros­se Aus­bau­plä­ne im nörd­li­chen Nach­bar­land.

Ju­li­us Bär hat zum Jah­res­be­ginn 14 Kun­den­be­ra­ter mit lang­jäh­ri­ger Er­fah­rung in der Be­treu­ung ver­mö­gen­der Pri­vat­kun­den ein­ge­stellt. Die neu­en Mit­ar­bei­ter ver­stär­ken die Teams in Frank­furt, Ham­burg und Stutt­gart. In Kiel und Würzburg wer­den neue Ge­schäfts­stel­len er­öff­net. Die Mit­ar­bei­ter­zahl in Deutsch­land stieg da­mit auf rund 100. Wie gross die Ver­mö­gen un­ter Ver­wal­tung sind, mag die Bank nicht ent­hül­len. «Wir ge­ben kei­ne re­gio­na­len Zah­len be­kannt, ins­ge­samt macht aber das Deutsch­land­Ge­schäft we­ni­ger als zehn Pro­zent un­se­rer ver­wal­te­ten Ver­mö­gen aus», lässt sich CEO Bo­ris Col­lar­di zi­tie­ren. «Wir wol­len un­se­re Po­si­ti­on in Deutsch­land als füh­ren­der An­bie­ter für Pri­va­te Ban­king Di­enst­leis­tun­gen wei­ter stär­ken und in den nächs­ten drei Jah­ren pro­fi­ta­bel wer­den.»

Ne­ben der Schweiz und «un­se­rem zwei­ten Heim­markt Asi­en» sei Eu­ro­pa für Ju­li­us Bär der «drit­te geo­gra­fi­sche Fo­kus». «In Deutsch­land sind wir mit un­se­ren bis­he­ri­gen fünf Nie­der­las­sun­gen und der Frei­stel­lung durch das Ba­fin be­reits gut po­si­tio­niert.» Zu­dem er­hal­te das In­sti­tut durch die Fuchs­brie­fe auch An­er­ken­nung. «Die deut­sche Ban­ken­land­schaft wur­de durch die Fi­nanz­kri­se stark er­schüt­tert, und re­nom­mier­te Na­men sind ver­schwun­den oder ha­ben ih­re Ei­gen­stän­dig­keit ver­lo­ren. In die­ser Si­tua­ti­on se­hen wir gu­te Per­spek­ti­ven, um auch dank un­se­rer fi­nan­zi­el­len Sta­bi­li­tät und So­li­di­tät er­folg­reich Markt­an­tei­le ge­win­nen zu kön­nen», ist Bo­ris Col­lar­di über­zeugt.

Schwei­zer Ban­ken

Ähn­lich op­ti­mis­tisch ist Eric G. Sa­ra­sin, Lei­ter des Pri­va­te Ban­king der gleich­na­mi­gen Bank, die in Deutsch­land in Frank­furt, München und Nürnberg ver­tre­ten ist: «Die Er­öff­nung wei­te­rer Nie­der­las­sun­gen ist ge­plant.» Ge­naue An­ga­ben zu den ver­wal­te­ten Ver­mö­gen macht auch Sa­ra­sin nicht. Nur so viel: «Die ver­wal­te­ten Kun­den­ver­mö­gen in Deutsch­land be­lau­fen sich per 2010 in Eu­ro aber auf ei­nen si­gni­fi­kan­ten ein­stel­li­gen Mil­li­ar­den­be­trag.» Was die Zie­le be­trifft, strebt Sa­ra­sin län­ger­fris­tig im Be­reich der Ul­tra High Net Worth In­di­vi­du­als mit ei­nem li­qui­den Ver­mö­gen von über 1 Mio. € ei­nen Markt­an­teil von 1% an. Das ent­spricht rund 10 Mrd. € As­sets un­der Ma­nage­ment.

Im Ge­schäft mit Pri­vat­kun­den mit Wohn­sitz in Deutsch­land po­si­tio­niert sich die Bank ge­mäss Eric Sa­ra­sin als «nach­hal­ti­ger, kun­den­ori­en­tier­ter» Lö­sungs­an­bie­ter: «Wir nen­nen das Per­for­mance mit Nach­hal­tig­keit.» Im Ge­gen­satz zu an­de­ren Ban­ken ist Sa­ra­sin in Deutsch­land pro­fi­ta­bel: «Mit dem Aus­bau des Deutsch­lan­dGe­schäfts 2008 ha­ben wir uns zum Ziel ge­setzt, bis En­de 2010 den Break-even zu er­rei­chen. Das ha­ben wir ge­schafft. Wir schrei­ben heu­te schwar­ze Zah­len.»

CS will Num­mer fünf sein

Kon­kur­rent Von­to­bel ist in Deutsch­land ge­mäss Spre­cher Re­to Gui­di­cet­ti «auf gu­tem Weg, in na­her Zu­kunft die Ge­winn­schwel­le zu er­rei­chen». Von­to­bel ist in München, Frank­furt, Ham­burg und Köln prä­sent und will die ver­wal­te­ten Ver­mö­gen an der Bi­lanz­pres­se­kon­fe­renz am 23. Fe­bru­ar ver­öf­fent­li­chen. Die Bank ist zu­ver­sicht­lich, dass sie sich ge­gen­über der deut­schen Kon­kur­renz ab­he­ben kann: «Deut­sche Pri­vat­kun­den su­chen und schät­zen ei­nen fi­nan­zi­ell so­li­den Ver­mö­gens­part­ner, der sich durch ein kon­ser­va­ti­ves Wer­te-und Ri­si­ko­ver­ständ­nis so­wie durch un­ter­neh­me­ri­sche Un­ab­hän­gig­keit aus­zeich­net.» Als mit­tel­gros­se, so­lid ka­pi­ta­li­sier­te Schwei­zer Pri­vat­bank mit in­te­grier­tem Ge­schäfts­mo­dell ha­be sich Von­to­bel mit ge­nau die­sem An­spruch im hart um­kämpf­ten deut­schen Markt eta­bliert.

UBS und CS Group ste­hen den drei Ver­mö­gens­ver­wal­tern in nichts nach – im Ge­gen­teil: UBS ist mit 14, CS mit 12 Stand­or­ten ver­tre­ten. «Deutsch­land ist ei­ner der wich­tigs­ten eu­ro­päi­schen Märk­te für UBS. Wie in al­len an­de­ren Län­dern und Märk­ten, in de­nen UBS ak­tiv ist, wol­len wir auch in Deutsch­land un­se­re Markt­stel­lung wei­ter aus­bau­en», sagt UBS-Spre­cher Ser­ge St­ei­ner. Die We­alth-Ma­nage­men­tLand­schaft in Deutsch­land sei zwar sehr frag­men­tiert. «UBS po­si­tio­niert sich aber als Haus mit in­ter­na­tio­na­ler Aus­rich­tung und in­te­grier­tem Ge­schäfts­mo­dell.»

Für Cre­dit Suis­se ist Deutsch­land ge­mäss Spre­cher Marc Dosch ein «stra­te­gisch wich­ti­ger und be­deu­ten­der Markt». Das Ge­schäfts­mo­dell der in­te­grier­ten Bank he­be CS klar von den Mit­be­wer­bern ab. Die ver­wal­te­ten Ver­mö­gen wer­den nicht aus­ge­wie­sen, CS ge­hö­re je­doch «zu den Top-10-An­bie­tern» im Pri­va­te Ban­king. «Ziel ist es, die Num­mer fünf im Pri­va­te Ban­king in Deutsch­land zu sein.» Das Ge­schäft sei «sehr er­folg­reich».

Nichts wie hin:

(Bild: CS-Fi­lia­le in München) set­zen auf Deutsch­land.

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