Erb­schafts­steu­er scha­det

Volks­in­itia­ti­ve wird lan­ciert – An­griff auf Pri­vat­ei­gen­tum – Nicht ziel­füh­rend

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - PE­TER MORF

VEck­wer­te fi­xiert

oraus­sicht­lich im Ju­ni soll die Un­ter­schrif­ten­samm­lung für die Volks­in­itia­ti­ve für die Ein­füh­rung ei­ner na­tio­na­len Erb­schafts-und Schen­kungs­steu­er be­gin­nen. Fe­der­füh­rend ist die Evan­ge­li­sche Volks­par­tei (EVP), sie wird un­ter­stützt von der SP und den Grü­nen, die ih­re ei­ge­nen Initia­tiv­pro­jek­te auf­ge­ge­ben und sich der EVP an­ge­schlos­sen ha­ben. Of­fen­bar ha­ben sich die Par­tei­en ge­ei­nigt, der Wort­laut der Initia­ti­ve ist fast fer­tig aus­ge­ar­bei­tet. Ge­mäss den Initi­an­ten sei ei­ne Erb­schafts­steu­er die ge­rech­tes­te Steu­er über­haupt. Der an­ge­streb­te Er­trag soll den Kan­to­nen und der AHV zu­flies­sen. Es ist al­ler­dings ei­ne Il­lu­si­on zu mei­nen, die AHV sei so zu sa­nie­ren. Zu­dem ist die Erb­schafts­steu­er kei­nes­wegs die ge­rech­tes­te Steu­er, sie dürf­te im Ge­gen­teil er­heb­li­che volks­wirt­schaft­li­che Schä­den an­rich­ten. Die Be­steue­rung der Erb­schaf­ten und Schen­kun­gen liegt heu­te in der Kom­pe­tenz der Kan­to­ne. Al­le er­he­ben in der ei­nen oder an­de­ren Form ei­ne der­ar­ti­ge Steu­er, mit Aus­nah­me des Kan­tons Schwyz. Mit der Initia­ti­ve wür­de die Erb­schafts­steu­er auf eid­ge­nös­si­sche Stu­fe ge­ho­ben. Ob­wohl der Initia­tiv­text noch nicht de­fi­ni­tiv be­rei­nigt ist, ste­hen die Eck­wer­te be­reits fest.

Wie Jo­el Bl­unier, Ge­ne­ral­se­kre­tär der EVP Schweiz, ge­gen­über «Fi­nanz und Wirt­schaft» fest­hielt, ist ei­ne Nach­lass­steu­er ge­plant. Die­se wird vom ge­sam­ten hin­ter­las­se­nen, nicht auf­ge­teil­ten Ver­mö- gen er­ho­ben. Sie wird nicht nach Er­b­an­teil oder Ver­wandt­schafts­grad dif­fe­ren­ziert. Vor­ge­se­hen ist le­dig­lich ein Frei­be­trag von vor­aus­sicht­lich zwei Mil­lio­nen Fran­ken. Für dar­über hin­aus­ge­hen­de Be­trä­ge soll ein li­nea­rer Satz gel­ten, der of­fen­bar noch nicht fi­xiert ist.

Die Re­de ist von Steu­er­er­trä­gen in der Grös­sen­ord­nung von 5 Mrd. Fr. Im Ver­gleich da­zu flies­sen den Kan­to­nen und Ge­mein­den auf­grund des heu­te gel­ten­den Erb­schafts­steu­er­re­gimes ins­ge­samt rund ei­ne Mil­li­ar­de Fran­ken zu. Die Steu­er wür­de al­so mas­siv ver­schärft. Die Gel­der sol­len haupt­säch­lich der AHV zu­flies­sen, die Kan­to­ne sol­len je­doch für ih­ren Steu­er­aus­fall ent­schä­digt wer­den.

Ei­ne der­ar­ti­ge Erb­schafts­steu­er bringt ei­nen wei­te­ren Ein­griff in das Ver­fü­gungs­recht des In­di­vi­du­ums über sein ver­fas­sungs­mäs­sig ga­ran­tier­tes Pri­vat­ei­gen­tum – und ist schon nur aus die­sem Grund ab­zu­leh­nen. Sie ist zu­dem ein rei­nes und sys­tem­wid­ri­ges In­stru­ment der Um­ver­tei­lung und soll hel­fen, das so­zia­lis­ti­sche Gleich­heits­ide­al zu er­rei­chen.

Zu­dem sind die von der ge­for­der­ten Erb­schafts­steu­er er­fass­ten Ver­mö­gen al­le schon mehr­mals be­steu­ert – min­des­tens als Ein­kom­men und Ver­mö­gen. Der­ar­ti­ge Mehr­fach­be­steue­run­gen sind öko­no­misch falsch, ver­stos­sen ge­gen steu­er­po­li­ti­sche Grund­sät­ze und ver­schlei­ern die wah­ren Geld­strö­me in der Volks­wirt­schaft. Durch die Schröp­fung der Erb­schaf­ten über ei­ne be­son­de­re Steu­er wird zu­dem die Bil­dung von Ri­si­ko­ka­pi­tal er­schwert. Ge­ra­de die gros­sen Ver­mö­gen tra­gen we­sent­lich da­zu bei.

Ein heik­ler Punkt ist die Ver­er­bung von Un­ter­neh­men. Der Grenz­wert von zwei Mil­lio­nen Fran­ken ist auch im Fall klei­ner und mitt­le­rer Un­ter­neh­men sehr rasch er­reicht. Ho­he Erb­schafts­steu­ern kön­nen die Wei­ter­füh­rung ver­erb­ter Ge­schäf­te er­schwe­ren oder gar ver­un­mög­li­chen. Das ha­ben selbst die Initi­an­ten er­kannt – an die­sem Punkt wird of­fen­bar noch ge­ar­bei­tet. Schliess­lich schafft ei­ne der­ar­ti­ge Steu­er auf ge­samt­schwei­ze­ri­scher Ebe­ne An­rei­ze zur Um­ge­hung be­zie­hungs­wei­se zur Ver­la­ge­rung ins Aus­land – das Steu­er­sub­strat schmilzt ent­spre­chend, die Mit­tel ge­hen für die Wirt­schaft ver­lo­ren.

AHV soll pro­fi­tie­ren

Die Initi­an­ten wol­len den Er­trag aus der Steu­er mehr­heit­lich in die AHV flies­sen las­sen. Da­mit wür­de die schon heu­te mas­si­ve Um­ver­tei­lungs­wir­kung der AHV – die Prä­mi­en sind nach oben nicht be­grenzt, die Ren­ten aber sehr wohl – noch ver­schärft. Es ist ge­sell­schafts­po­li­tisch hei­kel, ei­ne Min­der­heit zu Guns­ten der Mehr­heit stets stär­ker zu schröp­fen. Die So­li­da­ri­tät kann auch über­stra­pa­ziert wer­den. Von der AHV pro­fi­tie­ren al­le, es sol­len auch al­le zu ih­rer Fi­nan­zie­rung bei­tra­gen.

Mit der Initia­ti­ve wird die Il­lu­si­on ge­schaf­fen, die AHV sei auf schmerz­lo­se Art und Wei­se auf al­le Zei­ten zu si­chern. Das trifft je­doch in kei­ner Art und Wei­se zu. Die zu er­war­ten­den Lö­cher im So­zi­al­werk sind we­sent­lich grös­ser als die all­fäl­li­gen Ein­nah­men aus ei­ner Erb­schafts­steu­er (vgl. FuW Nr. 2 vom 8. Ja­nu­ar). Da­mit dient die Initia­ti­ve in ers­ter Li­nie der Ver­schleie­rung des mas­si­ven Sa­nie­rungs­be­darfs in der AHV und er­schwert des­we­gen so­gar die lang­fris­ti­ge Si­che­rung des So­zi­al­wer­kes.

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