Ban­ken tra­gen ro­sa Bril­le

Gu­tes Jahr er­war­tet – Aber we­ni­ger Ren­di­te für Ak­tio­nä­re

Finanz und Wirtschaft - - SCHWEIZ - RG

Das Be­ra­tungs­un­ter­neh­men Ernst & Young hat zum ers­ten Mal ei­nen Ban­ken­ba­ro­me­ter ver­öf­fent­licht. Zu die­sem Zweck wur­den im De­zem­ber sech­zig Schwei­zer Pri­vat-, Aus­land-, Re­gio­nal-und Kan­to­nal­ban­ken be­fragt. Der Aus­blick auf 2011 über­rascht nicht, gel­ten doch Ban­ker als no­to­ri­sche Dau­er­op­ti­mis­ten: 92% glau­ben, das Ge­schäft ih­res In­sti­tuts ent­wick­le sich im neu­en Jahr po­si­tiv oder eher po­si­tiv.

Im Schutz der An­ony­mi­tät ei­ner Um­fra­ge ge­ben die Ban­ken aber auch Er­staun­li­ches preis: So tei­len 55% die Auf­fas­sung von Na­tio­nal­bank und Fin­ma, der schwei­ze­ri­sche Im­mo­bi­li­en­markt nei­ge teil­wei­se zu ei­ner Bla­sen­bil­dung (vgl. Gra­fik). Im Ge­spräch mit Bank­lei­tern sind sol­che di­rek­ten Aus­sa­gen sel­ten. Wei­ter schät­zen 71%, dass die Bran­che 2011 ei­ne ex­pan­si­ve­re oder gleich­blei­bend ex­pan­si­ve Kre­dit­po­li­tik ver­fol­ge; 58% stel­len fest, die Ban­k­in­dus­trie ge­wäh­re in der Ver­ga­be von Hy­po­the­ken der­zeit ver­mehrt Aus­nah­men von den in­ter­nen Re­geln. Of­fi­zi­ell ist von fast al­len In­sti­tu­ten nichts zum Aus­mass sol­cher Aus­nah­men zu er­fah­ren (vgl. FuW Nr. 94 vom 1. De­zem­ber 2010). Ob­wohl al­so ei­ne über­ra­schen­de Mehr­heit von zu­sätz­li­chen Ri­si­ken – Bla­sen­bil­dung und ei­ne ex­pan­si­ve, we­nig dis­zi­pli­nier­te Kre­dit­ver­ga­be – aus­geht, rech­net nur ein Drit­tel der Ban­ken mit ei­nem hö­he­ren Wert­be­rich­ti­gungs­be­darf für Kre­dit­aus­fäl­le. Die­ses Mus­ter weckt bö­se Er­in­ne­run­gen, denn auch vor frü­he­ren Kri­sen lob­ten sich die Ban­ken, die Ri­si­ken er­kannt, aber im Griff zu ha­ben.

Ein wei­te­res In­diz da­für, dass die Zu­kunft mög­li­cher­wei­se et­was zu ro­sig ge­se­hen wird, wenn die Fi­nanz­in­sti­tu­te ei­nen güns­ti­gen Ge­schäfts­gang in Aus­sicht stel­len, ist das Um­fra­g­er­geb­nis im The­men­block Re­gu­lie­rung. 95% der Ban­ken sind ganz oder eher der Mei­nung, der Sek­tor wer­de künf­tig mehr re­gu­liert, und 65% be­fürch­ten, das ope­ra­ti­ve Ge­schäft 2011 wer­de da­durch ne­ga­tiv be­ein­flusst, weil die Kos­ten nicht auf die Kun­den über­wälzt wer­den kön­nen. Dar­über, wer die Ze­che zahlt, herrscht Ei­nig­keit: 85% sa­gen, dass An­le­ger in Bank­ak­ti­en künf­tig mit we­ni­ger Ren­di­te rech­nen müs­sen.

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