Re­gu­lie­rungs­fra­gen be­las­ten Tele­com­sek­tor

Wie wer­den sich die Rah­men­be­din­gun­gen im glo­ba­len Da­ten­ver­kehr ver­än­dern? – Neue Ta­rif­mo­del­le sind ab­seh­bar – Di­vi­den­den­ren­di­ten blei­ben at­trak­tiv

Finanz und Wirtschaft - - PODIUM - DIETEGEN MÜL­LER,

DRei­be­rei­en in Genf

ie ex­plo­si­ons­ar­ti­ge Zu­nah­me der glo­ba­len Da­ten­strö­me stellt die Tele­com­bran­che vor gros­se Her­aus­for­de­run­gen. Der Netz­werk­aus­rüs­ter Cis­co er­war­tet et­wa bis 2014 ei­ne Ver­vier­fa­chung des glo­ba­len IP-Ver­kehrs auf 767 Exa­byte (1018 By­te). Dies macht ho­he In­ves­ti­tio­nen in die Um­stel­lung der Net­ze auf IP-fä­hi­ge In­fra­struk­tur (Next Ge­ne­ra­ti­on Net­work, NGN) nö­tig.

Das Wachs­tum führt aber auch zu neu­en Her­aus­for­de­run­gen für die Re­gu­la­ti­on der Bran­che. Der Ver­net­zungs­grad in der Bran­che nimmt zu. Et­li­che Po­li­ti­ker und Markt­teil­neh­mer se­hen da­mit Ge­fah­ren für Wett­be­werb so­wie Mei­nungs-und In­for­ma­ti­ons­frei­heit ver­bun­den.

Die in Genf be­hei­ma­te­te In­ter­na­tio­na­le Fern­mel­de­uni­on (ITU), ei­ne Uno-Or­ga­ni­sa­ti­on, soll nach dem Wil­len von Schwel­len­län­dern ein glo­ba­ler Re­gu­lie­rer für in­ter­na­tio­na­le Netz­res­sour­cen und Pro­zes­se wer­den. Ei­ne Rol­le, die die USA und vie­le west­li­che Staa­ten ab­leh­nen. Kom­pe­tenz­ran­ge­lei­en spie­len sich um Ver­ga­be­richt­li­ni­en für In­ter­net Do­mains ab, die bis­her pri­vat­recht­lich von der ICANN ver­wal­tet wer­den. Aber auch die Ein­füh­rung der In­ter­net-Pro­to­koll­ver­si­on 6 so­wie Stan­dar­di­sie­rungs­fra­gen rund um NGN – für die Tele­com­be­trei­ber zen­tra­le Be­rei­che – ste­hen auf der Agen­da. Da es sich bei In­ter­net-Di­ens­ten um re­la­tiv neue Märk­te han­delt, ist nicht klar, wer zu­stän­dig für die Re­gu­lie­rung ist und was re­gu­liert wer­den soll. Die dy­na­mi­sche Markt­ent­wick­lung setzt aber ver­läss­li­che Leit­plan­ken vor­aus. Die Tele­com­an­bie­ter kön­nen an­ge­sichts die­ser Un­si­cher­hei­ten der­zeit nur sehr schwie­rig pla­nen. So sind die Per­spek­ti­ven trotz gu­ter Wachs­tums­chan­cen vor al­lem für in­ter­net­ba­sier­te Di­ens­te und im Mo­bil­funk durch­zo­gen. Es bleibt of­fen, wel­chen An­teil an der Wert­schöp­fung die Ex-Mo­no­po­lis­ten be­hal­ten kön­nen.

Soll­te es zu ei­ner in­ter­na­tio­na­len Re­gu­lie­rung des kom­mer­zi­ell be­trie­be­nen Da­ten­ver­kehrs kom­men, er­ge­ben sich für in­ter­na­tio­nal gut po­si­tio­nier­te Kon­zer­ne wie Vo­da­fo­ne, Te­le­fó­ni­ca oder Te­le­nor gros­se Chan­cen. Bis­her ist das Sy­ner­gie­po­ten­zi­al zwi­schen den Ak­ti­vi­tä­ten in den je­wei­li­gen Län­dern eng be­grenzt. Das ein­heit­li­che Aus­rol­len von Di­ens­ten – et­wa Fuss­ball­be­richt­er­stat­tung, die welt­weit ab­ruf­bar ist – auf ein­heit­li­cher, orts­un­ab­hän­gi­ger und kun­den­spe­zi­fi­scher Qua­li­täts­stu­fe bö­te enor­mes Kos­ten-und Er­trags­syn­er­gie­po­ten­zi­al.

An­ge­sichts vie­ler Hür­den sind sol­che Über­le­gun­gen rei­ne Zu­kunfts­mu­sik. Ge­strit­ten wird der­zeit dar­über, wie weit der Da­ten­aus­tausch über­haupt via pri­va­te kom­mer­zi­el­le Ver­trä­ge ab­ge­wi­ckelt wer­den soll und darf. Netz­an­bie­ter könn­ten ja ver­sucht sein, ihr Netz zu «ma­na­gen», sprich Da­ten­flüs­se von «Ma­na­ged Ser­vices» wie In­ter­net-TV oder In­ter­net-Te­le­fo­nie zu be­vor­zu­gen, um ei­ne be­stimm­te Min­de­st­über­tra­gungs­qua­li­tät für die­se (ei­ge­nen) An­ge­bo­te si­cher­zu­stel­len. Dies wür­de klei­ne­ren Wett­be­wer­bern, ar­gu­men­tie­ren Skep­ti­ker, den Markt­zu­gang er­schwe­ren und das Prin­zip der Netz­neu­tra­li­tät (vgl. Kas­ten) ver­let­zen.

Be­trof­fen wä­ren auch In­hal­t­e­lie­fe­ran­ten. In ei­ner Stel­lung­nah­me für die EU schrei­ben ARD und ZDF, es brau­che ei­nen «um­fas­sen­den Re­gu­lie­rungs­an­satz zu­guns­ten ei­nes of­fe­nen Ge­samt­sys­tems Di­enst-Netz-End­ge­rät». Die öf­fent­lich­recht­li­chen Sen­der glau­ben, dass die «Li­mi­tie­rung von Band­brei­ten für be­stimm­te Pro­to­kol­le und An­bin­dungs­ty­pen» ein im­mer häu­fi­ger vor­kom­men­des Phä­no­men sei, da die «be­nö­tig­te Band­brei­te über­pro­por­tio­nal zum Aus­bau der Net­ze an­steigt». Wie sehr «Netz­werk­ma­nage­ment» zu­läs­sig sein soll, ist um­strit­ten. Aus Deutsch­land heisst es, die Lö­sung dürf­te in ei­nem Kom­pro­miss lie­gen – et­was, das sich auch in den USA ab­zeich­net (vgl. Kas­ten). In Nor­we­gen ha­ben sich die Markt­teil­neh­mer ei­ne Selbst­ver­pflich­tung auf­er­legt, das Mo­dell wird bis­her ak­zep­tiert.

Wer soll zah­len?

Ein Dis­kus­si­ons­punkt ist auch, ob Di­ens­te­an­bie­ter wie Goog­le für die Durch­lei­tung ih­rer Da­ten sämt­li­che Netz­be­trei­ber, wel­che die Da­ten trans­por­tie­ren, be­zah­len müs­sen. Vor ei­nem Jahr hat Te­le­fó­ni­ca dies (bis­her ver­geb­lich) ge­for­dert. In Gross­bri­tan­ni­en will BT Group nun die BBC an den Kos­ten für den Netz­aus­bau be­tei­li­gen, weil die BBC-On­line-Di­ens­te das gröss­te Da­ten­auf­kom­men auf der In­sel ge­ne­rie­ren. Auch der Ver­band Deut­scher Ka­bel­netz­be­trei­ber (An­ga) möch­te In­hal­t­e­lie­fe­ran­ten für die Fi­nan­zie­rung des Netz­aus­baus her­an­zie­hen.

Si­cher ist, dass neue Ta­rif­mo­del­le kom­men müs­sen. Bis­her war es in der Te­le­fo­nie üb­lich, dass der An­ru­fer zahlt; künf­tig könn­te es dem­ent­spre­chend auch im Da­ten­ver­kehr so sein, dass nur der Sen­der für die Über­mitt­lung zahlt. Denk­bar ist auch ei­ne Kos­ten­tei­lung. Es ist aber da­von aus­zu­ge­hen, dass die heu­te gän­gi­gen Fla­tFee-Mo­del­le mehr und mehr durch vo­lu­men­ab­hän­gi­ge Ta­rif­sys­te­me ab­ge­löst wer­den. Dies wird auch auf die Er­trags­strö­me der Ex-Mo­no­po­lis­ten Aus­wir­kun­gen ha­ben. Für die Ex-Mo­no­po­lis­ten zeich­net sich wei­ter die Ver­schie­bung der Wert­schöp­fung hin zu dienst­ba­sier­ten An­ge­bo­ten ab, die über die rei­ne Über­tra­gungs­leis­tung hin­aus Mehr­wert bie­ten. Blei­ben in­ter­na­tio­na­le Da­ten­ver­bin­dun­gen pri­vat­recht­lich ver­han­del­bar, er­ge­ben sich dar­aus wo­mög­lich neue Ein­nah­me­mög­lich­kei­ten. Per sal­do dürf­ten dann für die Ex-Mo­no­po­lis­ten Chan­cen und Ri­si­ken auf ab­seh­ba­re Zeit aus­ge­gli­chen sein

Im ope­ra­ti­ven Ge­schäft zu be­ob­ach­ten ist, dass es ei­ne Zwei­tei­lung der Er­folgs­bi­lanz der Ex-Mo­no­po­lis­ten gibt. Mit dem dy­na­mi­schen Um­feld tun sich Rie­sen wie Fran­ce Tele­com und Deut­sche Te­le­kom In Mo­bil­funk­net­zen wer­den die Ka­pa­zi­tä­ten knapp – doch Netz­be­trei­ber auf ih­re Aus­bau­in­ves­ti­tio­nen?

Fast durch­weg sehr ho­he Di­vi­den­den­ren­di­ten schwer, wäh­rend klei­ne­re Wett­be­wer­ber wie KPN oder Te­le­nor wen­di­ger und pfif­fi­ger sind. Sie fah­ren Ni­schen­stra­te­gi­en, auch im Aus­land, wie Te­le­nor, die stark in Pa­kis­tan, Thai­land und Ban­gla­desch ver­tre­ten ist, oder Te­lia So­ne­ra, die über Be­tei­li­gun­gen Zu­gang zum rus­si­schen und zum tür­ki­schen Markt hat..

Auf klei­ne­re An­bie­ter set­zen

Das Ma­na­gen die­ser Be­tei­li­gun­gen ist er­fah­rungs­ge­mäss schwie­rig, zahlt sich auf lan­ge Sicht aber aus. Ri­si­ko­fä­hi­ge In­ves­to­ren soll­ten des­halb sol­che Wer­te im Sek­tor be­vor­zu­gen. Auch Swiss­com zäh­len zu den at­trak­ti­ve­ren Ti­teln, kann das Un­ter­neh­men doch wei­ter auf ei­ne re­la­tiv ge­schütz­te Hei­mat­markt­po­si­ti­on mit ei­ner kauf­kräf­ti­gen und qua­li­täts­be­wuss­ten Kund­schaft set­zen, die be­reit ist, für Pre­mi­um­diens­te ei­ne Prä­mie zu zah­len.

Er­freu­lich ist, dass sich auf den ge­sät­tig­ten Märk­ten der Preis­druck ab­zu­schwä­chen scheint. Auch neue Ak­ti­vi­tä­ten wie An­ge­bo­te für in­tel­li­gen­te Strom­net­ze (Smart Grids) ber­gen lang­fris­tig Chan­cen, ob­wohl da der Wett­be­werb hart sein wird.

Von den gros­sen Ex-Mo­no­po­lis­ten ist Te­le­fó­ni­ca die über­zeu­gends­te Wahl. Fran­ce Tele­com und Deut­sche Te­le­kom da­ge­gen zeh­ren ge­mäss der Gross­bank Bar­clays le­dig­lich von ei­nem über­pro­por­tio­nal ho­hen An­teil hö­her­prei­si­ger Alt­ver­trä­ge, der Er­geb­nis­druck wird eher stei­gen. Trotz der auf zwei Jah­re zu­ge­sag­ten statt­li­chen Di­vi­den­den dürf­te die ho­he Aus­schüt­tungs­quo­te sin­ken. Das Kur­s­po­ten­zi­al nach oben ist der­zeit ge­ring.

wel­che Ren­di­te er­hal­ten die

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