Druck im Kes­sel Bel­gi­en steigt

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND -

«Bel­gi­en ver­damp­fen las­sen.» Das ist ei­ner der Sprü­che, die der flä­mi­sche Na­tio­na­list Bart De We­ver ger­ne klopft. Die pro­sa­isch an­mu­ten­de Aus­sa­ge kommt aus dem Mund ei­nes der mäch­tigs­ten bel­gi­schen Po­li­ti­kers. Denn Bart De We­ver und die von ihm ge­führ­te «Nieu­we Vlaam­se Al­li­an­tie» (N-VA, Neue Flä­mi­sche Al­li­anz) ist seit den Wah­len vom 13. Ju­ni die gröss­te Par­tei des Kö­nig­reichs. De We­ver und die N-VA ma­chen kei­nen Hehl dar­aus, dass die Auf­lö­sung Bel­gi­ens und ein un­ab­hän­gi­ges Flan­dern das lang­fris­ti­ge Ziel sind. Die Re­pu­blik Flan­dern an­te por­tas.

Der Druck im Kes­sel Bel­gi­en steigt. Seit mehr als sie­ben Mo­na­ten ver­han­deln die fran­ko­fo­nen Wal­lo­nen und die nie­der­län­disch­spra­chi­gen Fla­men über die Bil­dung ei­ner Ko­ali­ti­ons­re­gie­rung in Brüssel. Er­folg­los. Al­le An­läu­fe sind ge­schei­tert. Bel­gi­en ist so tief ge­spal­ten wie nie zu­vor. Das klei­ne Kö­nig­reich mit sei­nen rund 10 Mio. Ein­woh­nern, 6,5 Mio. da­von sind Fla­men, ist de fac­to un­re­gier­bar ge­wor­den. Der Gr­a­ben, der die bei­den Sprach­ge­mein­schaf­ten trennt, ist so tief und weit, dass die letz­ten noch vor­han­de­nen po­li­ti­schen Brü­cken­bau­er Bel­gi­ens ihn im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes nicht mehr über­brü­cken kön­nen. Das Land droht in ei­nen ge­fähr­li­chen Ab­wärts­sog zu ge­ra­ten. Be­reits ist es im Vi­sier der Spe­ku­lan­ten. Denn Bel­gi­en ist hoch ver­schul­det. Der Schul­den­berg ist auf über 100% des Brut­to­in­land­pro­dukts (BIP) ge­stie­gen. Not­wen­di­ge Re­for­men wie die Schul­den­re­du­zie­rung, ei­ne Ren­tenoder So­zi­al­staats­re­form und vor al­lem ei­ne neue Staats­re­form, wie sie von flä­mi­scher Sei­te ge­for­dert wird, blei­ben auf der Stre­cke. Das Land düm­pelt vor sich hin, hat kei­nen kla­ren po­li­ti­schen und wirt­schafts­po­li­ti­schen Kurs mehr.

Die Ren­di­te zehn­jäh­ri­ger bel­gi­scher Staats­an­lei­hen ist zum Wo­chen­auf­takt elf Ba­sis­punk­te auf 4,23% ge­stie­gen. Die gros­sen bel­gi­schen Fi­nanz­in­sti­tu­te, die oh­ne­hin durch die Fi­nanz­kri­se schwer ge­beu­telt wur­den, lei­den mit. Die De­xia-Ak­ti­en ver­lo­ren zum Wo­chen­auf­takt 3,3%, Age­as (frü­her For­tis) ga­ben 7% ab, und KBC muss­ten gar ei­nen Kurs­sturz von 9% hin­neh­men. Bel­gi­en wird im­mer häu­fi­ger in ei­nem Atem­zug mit den an­de­ren Kri­sen­län­dern der Eu­ro­zo­ne wie Grie­chen­land, Ir­land, Por­tu­gal oder Spa­ni­en ge­nannt. Auf ei­ner von der bri­ti­schen Cre­dit Mar­ket Ana­ly­sis (CMA) ge­ra­de pu­bli­zier­ten Ra­ting­lis­te zum Kon­kurs­ri­si­ko von Län­dern ist Bel­gi­en von ei­nem einst un­be­denk­li­chen 53. Rang nun auf Rang 16 ge­stie­gen. Bel­gi­en und sei­ne Bo­ni­tät, das wird mehr und mehr zu ei­nem Pro­blem. Denn ei­ne Ei­ni­gung zwi­schen flä­mi­schen und wal­lo­ni­schen Par­tei­en ist nach wie vor nicht in Sicht.

aus Den Haag über die pre­kä­re La­ge in Bel­gi­en.

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