Ban­kob­li­ga­tio­nä­re ver­lie­ren

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - CP,

Ein Jah­res­wech­sel ver­än­dert die Welt­ge­schich­te nicht, we­der für In­ves­to­ren noch für Po­li­ti­ker und Re­gu­la­to­ren. So ver­gin­gen im neu­en Jahr nur we­ni­ge Ta­ge, bis die Eu­ro­päi­sche Kom­mis­si­on ei­nen Be­richt vor­stell­te, wie in der Eu­ro­päi­schen Uni­on (EU) künf­tig mit vom Kon­kurs be­droh­ten Ban­ken um­zu­ge­hen sei.

Ziel der Kom­mis­si­on ist es, ein har­mo­ni­sier­tes Vor­ge­hen zu schaf­fen, wie Ban­ken scho­nend li­qui­diert wer­den kön­nen, oh­ne da­bei die Sta­bi­li­tät des Fi­nanz­sys­tems zu ge­fähr­den. Weil ein ent­spre­chen­des Re­gime fehl­te, ha­ben meh­re­re Staa­ten mit Mil­li­ar­den von Steu­er­gel­dern Fi­nanz­in­sti­tu­te ver­staat­licht oder un­ter­stützt so­wie Ga­ran­ti­en aus­ge­spro­chen. Da­durch wur­de in vie­len Fäl­len nicht nur die Bank ge­ret­tet, son­dern auch die pri­va­ten Geld­ge­ber – Ak­tio­nä­re und Ob­li­ga­tio­nä­re –, die ei­gent­lich das Ri­si­ko tra­gen. In die­sem Zu­sam­men­hang wur­de von der im­pli­zi­ten Staats­ga­ran­tie für wich­ti­ge Ban­ken («Too big to fail») ge­spro­chen.

Macht der Be­hör­den

Der Ver­nehm­las­sungs­be­richt nennt gut sieb­zig Fra­gen zu den Vor­schlä­gen rund um neue Mit­tel für die Auf­sichts­be­hör­den und die Be­tei­li­gung der pri­va­ten Geld­ge­ber im Fall ei­nes dro­hen­den Kon­kur­ses. Im Som­mer soll ein Ge­set­zes­ent­wurf vor­lie­gen.

Als ers­te Op­ti­on für ei­ne von den Be­hör­den an­ge­ord­ne­te Ban­k­li­qui­da­ti­on wird der or­dent­li­che Kon­kurs ge­nannt. Je­der Staat kennt je­doch ein ei­ge­nes Kon­kurs­recht, und bis­her hat es die EU nicht ge­schafft, das Recht zu har­mo­ni­sie­ren. Zu­dem dau­er­te ein Kon­kurs­ver­fah­ren zu lan­ge, so­dass die An­ste­ckungs­ge­fahr un­ter Ban­ken be­ste­hen blie­be. Dar­um wird vor­ge­schla­gen, dass die Be­hör­den den Ver­kauf der gan­zen Bank oder Tei­len da­von an­ord­nen kön­nen. Als letz­ter und dra­ma­tischs­ter Schritt wür­de die Bank­fi­nan­zie­rung re­struk­tu­riert, wo­bei die Schuld­ner auf ei­nen Teil ih­res Ka­pi­tals ver­zich­ten müss­ten oder es in Ak­ti­en um­ge­wan­delt wür­de. Das ist Neu­land.

Hö­he­re Fi­nan­zie­rungs­kos­ten

Bis­her wa­ren die si­chers­ten Schuld­pa­pie­re (Se­ni­or Bonds), ge­nau wie die Ein­le­ger, selbst bei Staats­in­ter­ven­tio­nen ge­schützt. Auch in Ir­land war dies der Fall; nur nach­ran­gi­ge Ob­li­ga­tio­nen der ver­staat­lich­ten Ang­lo Irish Bank wur­den um 80% ab­ge­schrie­ben. Müss­ten nun vor­ran­gi­ge Schuld­ner da­mit rech­nen, dass sie ihr Ka­pi­tal in ei­ner Re­struk­tu­rie­rung (n. b. oh­ne Kon­kurs) ver­lie­ren oder es in Ak­ti­en um­ge­wan­delt wird (Bail-in), wür­den die Fi­nan­zie­rungs­kos­ten stei­gen. Denn für mehr Ri­si­ko ver­lan­gen In­ves­to­ren ei­nen hö­he­ren Cou­pon. Für aus­ste­hen­de Ob­li­ga­tio­nen wür­de sich nichts än­dern.

Soll­ten die­se Mass­nah­men wirk­lich in Kraft tre­ten, so wür­den EU-Ban­ken vor dem Ein­füh­rungs­stich­tag 2013 ver­su­chen, mög­lichst vie­le Ob­li­ga­tio­nen un­ter jet­zi­gem Recht aus­zu­ge­ben. Der Re­fi­nan­zie­rungs­be­darf eu­ro­päi­scher Ban­ken ist aber oh­ne­hin hoch. Im lau­fen­den Jahr sind ge­mäss Dea­lo­gic 600 Mrd. € fäl­lig. In der ers­ten Ja­nu­ar­wo­che wur­den ge­mäss Cre­dit Suis­se be­reits 18 Mrd. € aus­ge­ge­ben, zu zwei Drit­teln in Form von be­si­cher­ten Ob­li­ga­tio­nen. Si­cher ist, dass der Ent­zug der De-fac­to-Staats­ga­ran­tie die Fi­nan­zie­rungs­kos­ten für Ban­ken er­höht.

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