Glo­ba­ler An­sturm auf Acker­bö­den

Agrar­land ist be­gehr­te Geld­an­la­ge – Chi­na und In­di­en sind ak­tivs­te Nach­fra­ger – Re­gie­run­gen schüt­zen sich vor dem Aus­ver­kauf

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - BER­NA­DET­TE CA­LO­NE­GO,

Der Ka­na­di­er Wal­ly Johns­ton sucht un­er­müd­lich Acker­bo­den, der zum Ver­kauf steht. Johns­ton, ein ehe­ma­li­ger Far­mer, ist Vi­ze­prä­si­dent der In­vest­ment­ge­sell­schaft Bon­ne­field Fi­nan­ci­al aus To­ron­to, die Agrar­land für In­ves­to­ren kauft und dann an Far­mer ver­pach­tet. Johns­ton fährt durch die Pro­vinz Sas­kat­che­wan, in der sich die Hälf­te von Ka­na­das Acker­flä­chen be­fin­det. Um die­ses Agrar­land reis­sen sich In­ves­to­ren, die ihr Geld in ei­ne be­stän­di­ge­re An­la­ge als die Fi­nanz­märk­te in­ves­tie­ren wol­len.

Nicht nur in Ka­na­da, dem siebt­gröss­ten Wei­zen­pro­du­zen­ten der Welt, son­dern auch welt­weit ist Farm­land ge­fragt. Fonds­ge­sell­schaf­ten ha­ben nach Schät­zun­gen von Ex­per­ten bis zu 20 Mrd. $ in Agrar­land rund um die Welt in­ves­tiert. Im ver­gan­ge­nen Jahr al­lein ha­ben sie laut ka­na­di­schen Zei­tungs­be­rich­ten für In­ves­to­ren fast 45 Mio. Hekt­ar Farm­land ge­kauft, zehn­mal mehr als in vor­an­ge­gan­ge­nen Jah­ren.

Auch die Po­li­zei in­ves­tiert

In Nord­ame­ri­ka ha­ben ganz un­ter­schied­li­che In­sti­tu­tio­nen sol­che In­vest­ment­fonds ge­grün­det, et­wa der ka­na­di­sche Ver­si­che­rungs­kon­zern Ma­nu­li­fe Fi­nan­ci­al, die ame­ri­ka­ni­sche Mor­mo­nen­kir­che oder das Po­li­zei­de­par­te­ment der US-Stadt Dal­las. Ak­tiv sind aber vor al­lem auch Re­gie­run­gen: Nach Schät­zun­gen kon­trol­lie­ren Re­gie­rungs­fonds aus Chi­na, Süd­ko­rea, den Ara­bi­schen Emi­ra­ten, Ja­pan und Sau­di-Ara­bi­en mehr als 7 Mio. Hekt­ar Agrar­land, vor­nehm­lich in Afri­ka.

Farm­land ist ei­ne be­schränk­te Res­sour­ce: Die Uno schätzt, dass die land­wirt­schaft­li­che Pro­duk­ti­vi­tät bis zum Jahr 2050 um 70% ge­stei­gert wer­den muss, um die Men­schen auf dem Glo­bus zu er­näh­ren. Die gröss­te Nach­fra­ge kommt aus Chi­na und In­di­en, wo ei­ne auf­stre­ben­de Mit­tel­schicht zu ei­ner bes­se­ren Er­näh­rung wech­selt. Mehr Men­schen kön­nen sich Fleisch leis­ten, so­dass mehr Fut­ter für Rin­der und an­de­re Nutz­tie­re ge­braucht wird. Nicht zu­letzt hat der Auf­stieg der Bio­treib­stoff­in­dus­trie die Nach­fra­ge nach Mais und Zu­cker­rü­ben an­ge­heizt.

Nicht über­all stösst das Auf­kau­fen von Farm­land durch Aus­län­der auf Ge­gen­lie­be. Als der süd­ko­rea­ni­sche Kon­zern Dae­woo Lo­gis­tics ver­such­te, fast die Hälf­te des Agrar­lan­des von Ma­da­gas­kar für 99 Jah­re zu pach­ten, gab es An­fang 2009 ei­nen Auf­stand in der Be­völ­ke­rung, und die Re­gie­rung wur­de ge­stürzt. Der neu ge­wähl­te Prä­si­dent sag­te den Han­del ab.

In der ka­na­di­schen Pro­vinz Qu­e­bec gab es im ver­gan­ge­nen März Ge­rüch­te, wo­nach In­ves­to­ren aus Chi­na 40 000 Hekt­ar Farm­land kau­fen woll­ten. Aber in Ka­na­da sind sol­che Land­käu­fe nicht so ein­fach. In Sas­kat­che­wan bei­spiels­wei­se kön­nen Aus­län­der der­zeit nicht mehr als 4 Hekt­ar Farm­land kau­fen. «Das frus­triert uns sehr», sagt Tom Ei­sen­hau­er, Prä­si­dent von Bon­ne­field. Denn für je­den An­ruf ei­nes ka­na­di­schen In­ter­es­sen­ten er­hal­te er zwei An­ru­fe von In­ves­to­ren aus dem Aus­land, auch aus Eu­ro­pa.

Noch vor ei­ni­gen Jah­ren war der Kauf von Agrar­land nur für Be­woh­ner von Sas­kat­che­wan mög­lich, seit sie­ben Jah­ren ist er auch Ka­na­di­ern er­laubt. Des­halb sind dort die Prei­se für Acker­bo­den seit 2002 um 44% auf durch­schnitt­lich 1200 Fr. pro Hekt­ar ge­stie­gen. In be­son­ders be­gehr­ten Ge­gen­den von Sas­kat­che­wan kos­tet ein Hekt­ar aber bis zu 3400 Fr.

Wäh­rend sich Sas­kat­che­wan und Qu­e­bec vor dem Aus­ver­kauf schüt­zen, sind an­de­re Pro­vin­zen gross­zü­gi­ger, zum Bei- spiel On­ta­rio und Ma­ni­to­ba. Die ka­na­di­sche Re­gie­rung hat je­doch kürz­lich de­mons­triert, dass sie wich­ti­ge Roh­stof­fe un­ter ka­na­di­scher Kon­trol­le be­hal­ten will. So hat sie die Über­nah­me des ka­na­di­schen Ka­li­dün­ger­her­stel­lers Po­tash Corp. of Sas­kat­che­wan durch den aus­tra­li­schen Mi­nen­kon­zern BHP Bil­li­ton mit der Be­grün­dung ver­hin­dert, Ka­li­dün­ger sei ei­ne stra­te­gisch be­deut­sa­me Res­sour­ce.

Es ge­be zwei Ka­te­go­ri­en von In­ves­to­ren, heisst es in ei­ner Stu­die der In­vest­ment­ge­sell­schaft Des­jard­ins in To­ron­to: «Re­gie­run­gen und gros­se mul­ti­na­tio­na­le Kon­zer­ne mit ei­ner rie­si­gen Kauf­kraft so­wie klei­ne pri­va­te An­le­ger mit be­schei­de­ne­ren Mit­teln». Über­ra­schend sei­en die Grös­se der Trans­ak­tio­nen und der Um­stand, dass zu­neh­mend Re­gie­run­gen un­ter­ein­an­der Ver­trä­ge ab­schlös­sen. So ha­be Sau­di-Ara­bi­en im Früh­jahr 2009 die Re­gie­rung von Tan­sa­nia um den Kauf von 0,5 Mio. Hekt­ar Land für den An­bau von Reis und Ge­trei­de an­ge­fragt. Die Golf­na­tio­nen deh­nen ih­re Land­käu­fe auch auf Ost­eu­ro­pa und Aus­tra­li­en aus.

Mög­lich­kei­ten für An­le­ger

Für eu­ro­päi­sche An­le­ger könn­ten fol­gen­de In­vest­ment­fonds in­ter­es­sant sein: UBS Agri­vest in Hart­ford (US-Staat Con­nec­ti­cut) hat et­wa 524 Mio. $ in ame­ri­ka­ni­sches Farm­land in­ves­tiert und sieht sich nun in Süd­ame­ri­ka um. Das Un­ter­neh­men Black Earth Far­ming in Schwe­den be­sitzt 328 000 Hekt­ar Bo­den in Russ­land.

Wei­zen­feld in Sas­kat­che­wan.

Ein Far­mer be­gut­ach­tet sein

Ka­na­di­sches Acker­land ist bei aus­län­di­schen In­ves­to­ren sehr ge­fragt.

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