Prei­se für Dia­man­ten stei­gen

Spe­ku­la­tio­nen um De Beers – Zu­ver­sicht im Markt wächst – Ten­den­zi­ell hö­he­re Nach­fra­ge trifft auf ver­knapp­tes An­ge­bot

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - WOLF­GANG DRECHS­LER,

Der Dia­man­ten­markt steu­ert in den nächs­ten Jah­ren auf ei­ne grös­se­re An­ge­bots­lü­cke zu. Die al­ten Mi­nen wer­den welt­weit schnel­ler aus­ge­beu­tet als neue Vor­kom­men er­schlos­sen wer­den kön­nen. Die­se Ent­wick­lung und der er­war­te­te Preis­an­stieg las­sen al­te Markt­ge­rüch­te wie­der auf­le­ben. Der bri­tisch­süd­afri­ka­ni­sche Berg­bau­kon­zern Ang­lo Ame­ri­can will dem­nach sei­nen An­teil am welt­gröss­ten Dia­man­ten­för­de­rer De Beers wei­ter aus­bau­en, hiess es En­de De­zem­ber (vgl. FuW Nr. 100 vom 22. De­zem­ber). Ang­lo Ame­ri­can zie­le auf den 40%-An­teil der Fa­mi­lie Op­pen­hei­mer, be­rich­te­te die bri­ti­sche «Sun­day Ti­mes» oh­ne Nen­nung von Qu­el­len. Ang­lo Ame­ri­can selbst woll­te die Mel­dung nicht kom­men­tie­ren.

Soll­te das Ge­schäft zu­stan­de kom­men, wird es auf min­des­tens 3 Mrd. $ ge­schätzt. Schon heu­te hält Ang­lo Ame­ri­can fast 45% an De Beers. Die rest­li­chen 15% ge­hö­ren der Re­gie­rung von Bots­wa­na, die im süd­afri­ka­ni­schen Step­pen­staat das Jo­int Ven­ture Debs­wa­na mit De Beers be­treibt. Ge­rüch­te um De Beers gab es schon mehr­fach. Die Spe­ku­la­tio­nen kom­men zum jet­zi­gen Zeit­punkt nicht ganz über­ra­schend: Nach ei­ner schwie­ri­gen Pha­se in den letz­ten bei­den Jah­ren zeich­net sich am Dia­man­ten­markt ei­ne spür­ba­re Er­ho­lung ab. Für das tra­di­tio­nell be­son­ders wich­ti­ge Weih­nachts­ge­schäft wer­den wie schon im Vor­jahr gu­te Zu­wäch­se er­war­tet.

Bran­chen­lea­der re­agiert

Dia­man­ten gel­ten als gu­te An­la­ge. «Sie sind rar – und wer­den zu­neh­mend ra­rer wer­den», pro­gnos­ti­ziert et­wa der ehe­ma­li­ge De-Beers-Chef Ga­reth Pen­ny. Die im­mer noch do­mi­nan­te Stel­lung von De Beers wird zwar am Markt oft kri­ti­siert, doch ha­ben die Stra­te­gen des Dia­man­ten­för­de­rers der gan­zen Bran­che in der Kri­se ge­hol­fen. «Wir müs­sen De Beers und den an­de­ren gros­sen Pro­du­zen­ten dank­bar sein, dass sie die För­de­rung An­fang letz­ten Jah­res enorm re­du­ziert ha­ben», sagt John Bris­tow, Chef von Rock­well Dia­monds. Da­durch sei ein noch grös­se­rer Preis­ver­fall ver­hin­dert wor­den.

Seit ei­ni­gen Mo­na­ten ist das Ver­trau­en in den Dia­man­ten­markt zu­rück­ge­kehrt. Un­ter­stützt wur­de dies durch die Ver­knap­pungs­po­li­tik der gros­sen An­bie­ter: Mi­nen mit ho­hen Pro­duk­ti­ons­kos­ten wur­den ge­schlos­sen und die Roh­dia­man­ten­prei­se er­höht. Sym­pto­ma­tisch für die­se Trend­wen­de steht De Beers, der frü­he­re Dia­man­ten­mo­no­po­list, der noch im­mer et­wa 40% des in­ter­na­tio­na­len Han­dels mit Roh­dia­man­ten kon­trol­liert. Be­reits im ers­ten Halb­jahr 2010 hat­te sich der Um­satz um 84% auf 2,6 Mrd. $ er­höht. Ins­ge­samt wur­den im ge­sam­ten Dia­man­ten­be­reich 13 Mrd. $ um­ge­setzt.

Für das zwei­te Halb­jahr wird nun eben­falls viel er­war­tet. Ins­ge­samt för­der­te De Beers im Zei­t­raum bis En­de Ju­ni rund 15,4 Mio. Ka­rat – mehr als dop­pelt so viel wie im Jahr zu­vor. Al­ler­dings hat­ten die Süd­afri­ka­ner we­gen der tie­fen Wirt­schafts­kri­se ih­re Pro­duk­ti­on An­fang 2009 um kaum glaub­li­che 90% ge­dros­selt. Zu­dem wur­de rund ein Drit­tel der Be­leg­schaft ent­las­sen. Der Er­folg: In­zwi­schen lie­gen die Prei­se fast wie­der auf dem Ni­veau von Mit­te 2008, aber noch nicht ganz so hoch wie un­mit­tel­bar vor dem Leh­man-Kol­laps im Sep­tem­ber 2008. Da­bei sind die Prei­se im Ein­zel­han­del zu­letzt nicht so stark ge­stie­gen wie die­je­ni­gen für Roh­dia­man­ten.

Asi­en im­mer wich­ti­ger

De Beers selbst er­war­tet für die­ses Jahr ei­ne Ge­samt­för­de­rung von 31 Mio. Ka­rat. Da­mit blie­be das Un­ter­neh­men noch weit un­ter den 48 Mio., die 2007 ge­schürft wur­den. Die­ses Ni­veau wird wohl auch nicht mehr er­reicht wer­den: Das Un­ter­neh­men hat an­ge­kün­digt, dass es sei­ne Pro­duk­ti­on künf­tig auf 40 Mio. Ka­rat be­schrän­ken will. Da­hin­ter steckt aber kein Pes­si­mis­mus für den Dia­man­ten­ab­satz. Ganz im Ge­gen­teil: De Beers geht da­von aus, dass der Markt in Asi­en be­reits 2016 et­wa die glei­che Grös­se ha­ben wird wie der ak­tu­ell noch do­mi­nan­te US-Markt, wo bis vor kur­zem rund 50% der ver­ar­bei­te­ten Dia­man­ten um­ge­setzt wur­den. Das ver­knapp­te An­ge­bot trifft al­so auf ei­ne ten- den­zi­ell wach­sen­de Nach­fra­ge. «Ich rech­ne da­mit, dass an­ge­sichts der rück­läu­fi­gen För­de­rung von Roh­dia­man­ten in den nächs­ten zehn Jah­ren die Prei­se der ed­len Stü­cke schon bald in die Hö­he schnel­len wer­den, selbst wenn der Ein­zel­han­del sta­gnie­ren soll­te», sagt Ja­mes Al­len von der Un­ter­neh­mens­be­ra­tungs­ge­sell­schaft Al­lan Hoch­rei­ter vor­aus.

Auch von der an­de­ren Sei­te man­gelt es nicht an Ent­span­nungs­si­gna­len. So sind in den letz­ten zwan­zig Jah­ren kaum mehr grös­se­re Vor­kom­men ent­deckt wor­den. Zu­dem lie­gen neue Fun­de oft in po­li­tisch in­sta­bi­len Ge­bie­ten wie Sim­bab­we. Das macht den Ab­bau un­zu­ver­läs­sig. Die jüngs­te Kri­se im Dia­man­ten­sek­tor hat aber auch ge­zeigt, wie ris­kant An­la­gen in vie­len der klei­ne­ren För­de­rer ( Ju­ni­ors) oder Ex­plo­ra­ti­ons­un­ter­neh­men sind.

Ju­ni­ors ris­kan­te An­la­gen

Im Ge­gen­satz da­zu sind die Ti­tel der gros­sen di­ver­si­fi­zier­ten Mi­nen­häu­ser wie et­wa Rio Tin­to oder Ang­lo Ame­ri­can zwar so­li­de An­la­gen. Al­ler­dings sind sie we­gen der För­de­rung an­de­rer Roh­stof­fe der­art breit auf­ge­stellt, dass der An­teil der Dia­man­ten im Ge­samt­er­geb­nis fast un­ter­geht. Trotz sei­ner Grös­se steu­ert selbst De Beers der­zeit nur et­was mehr als 5% zum Ge­samt­er­geb­nis von Ang­lo Ame­ri­can bei.

Schon vor der jüngs­ten Kri­se hat­ten sich die Ak­ti­en vie­ler klei­ne­rer Dia­man­ten­för­de­rer schwach ent­wi­ckelt. Vie­le be­fin­den sich noch im Ex­plo­ra­ti­ons­pro­zess und ha­ben des­halb ei­nen sehr ho­hen Ka­pi­tal­be­darf, an­de­re lei­den un­ter ho­hen För­der­kos­ten. Ein Bei­spiel da­für bie­tet Süd­afri­kas gröss­ter ko­tier­ter Pro­du­zent Trans Hex Group, der vor al­lem am Oran­je­fluss Dia­man­ten ge­winnt und trotz dras­ti­scher Spar­mass­nah­men we­nig er­folg­reich agier­te. Die Kur­se ha­ben sich dem­ent­spre­chend in den ver­gan­ge­nen zwölf Mo­na­ten mehr als hal­biert.

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