Still­hal­ten von S&N kri­ti­siert

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - CP,

Der auf künst­li­che Knie-und Hüft­ge­len­ke spe­zia­li­sier­te bri­ti­sche Me­di­zi­nal­tech­nik­kon­zern Smith & Ne­phew (S&N) hat ver­mut­lich ein Über­nah­me­an­ge­bot auf dem Tisch, in­for­miert aber die Ak­tio­nä­re nicht. Er­neut wird des­halb über die Qua­li­tät des Über­nah­me­rechts in Gross­bri­tan­ni­en ge­strit­ten. Das Still­schwei­gen von Smith & Ne­phew (in der Schweiz be­kannt als un­ter­le­ge­ner Bie­ter für Cen­ter­pul­se und Käu­fer von Plus Or­tho­pe­dics) stösst nach den Kurs­aus­schlä­gen die­se Wo­che die Ak­tio­nä­re erst recht vor den Kopf.

Doch so ein­deu­tig ist die La­ge nicht. An­ge­fan­gen hat die Epi­so­de rund um S&N – seit Jah­ren als Über­nah­me­ziel in der Me­di­zi­nal­tech­nik­bran­che ge­nannt – An­fang De­zem­ber, als das Bou­le­vard­blatt «Dai­ly Mail» schrieb, das von Fi­nanz­in­ves­to­ren ge­hal­te­ne US-Un­ter­neh­men Bio­met sei an S&N in­ter­es­siert. Die zwei wür­den gut zu­sam­men­pas­sen. Ge­mäss Markt­an­teils­schät­zun­gen des Med­tech-Un­ter­neh­mens Stry­ker, die auch von ei­ni­gen Bank­ana­lys­ten ver­wen­det wer­den, wür­den Bio­met und S&N zu­sam­men im Markt für Ge­len­kim­plan­ta­te auf Platz 2 vor­stos­sen.

An­ge­bot von J&J

Doch ist die Rech­ne­rei ei­ner mit Bio­met fu­sio­nier­ten S&N mög­li­cher­wei­se um­sonst. Am Wo­che­n­en­de wur­den bri­ti­sche Zei­tun­gen mit der In­for­ma­ti­on ver­sorgt, dass nicht Bio­met, son­dern der US-Ge­sund­heits­kon­zern John­son & John­son ( J&J) vor ei­ni­gen Wo­chen 7 Mrd. £ ge­bo­ten ha­be (750 p je Ak­tie). Zum Kurs von An­fang De­zem­ber hät­te dies ei­ne Prä­mie von 25% be­deu­tet. Doch ha­be der Ver­wal­tungs­rat von S&N das An­ge­bot als zu nied­rig zu­rück­ge­wie­sen.

Ob­wohl der Kurs von S&N nach die­ser Neu­ig­keit am Mon­tag zeit­wei­se bis 14% stieg, blieb das Un­ter­neh­men still. Die Spre­che­rin re­agier­te nicht auf An­ru­fe der «Fi­nanz und Wirt­schaft». Vor In­ves­to­ren auf ei­ner Ge­sund­heits­kon­fe­renz in den USA sag­te S&N-CEO Da­vid Il­ling­worth, er wür­de we­der Ge­rüch­te noch Spe­ku­la­tio­nen kom­men­tie­ren. An­ders als der Zu­sam­men­schluss mit Bio­met wür­de ei­ne Über­nah­me durch J&J wohl die Wett­be­werbs­be­hör­den alar­mie­ren. Im Ge­len­kim­plan­tat­markt (Knie, Hüf­te), so schätzt Gold­man Sachs, wür­den die bei­den auf ei­nen An­teil von gut 36% kom­men.

Ähn­lich wie De La Rue

Ak­tio­nä­re von S&N – min­des­tens 28% des Ka­pi­tals sind in Hän­den von Fonds­ma­na­ger – wünsch­ten sich ei­ne Klä­rung. Bri­ti­sches Über­nah­me­recht sieht ei­ne Mel­dung vor, wenn das Un­ter­neh­men, das ein An­ge­bot er­hält, zum Ge­gen­stand von Spe­ku­la­tio­nen wird oder sich sein Ak­ti­en­kurs über­mäs­sig be­wegt. Der Fall er­in­nert an den Bank­no­ten­dru­cker De La Rue, der sich erst nach Me­dien­be­rich­ten ver­an­lasst sah, ein An­ge­bot des fran­zö­si­schen Kon­kur­ren­ten Ober­thur zu be­stä­ti­gen (vgl. FuW Nr. 96 vom 8. De­zem­ber 2010). Die Über­nah­me­kom­mis­si­on ver­lang­te in die­ser schwe­len­den Aus­ein­an­der­set­zung am Mon­tag – was für ein Zu­fall –, dass Ober­thur bin­nen vier Wo­chen ein ver­bind­li­ches An­ge­bot vor­le­gen müs­se.

Ei­ne Über­nah­me von S&N wä­re nicht über­ra­schend, ab­ge­se­hen da­von, ob der Ver­wal­tungs­rat die Ak­tio­nä­re hät­te in­for­mie­ren müs­sen oder nicht. In die­ser Si­tua­ti­on mit­zu­po­kern und auf ei­ne ver­bind­li­che hö­he­re Of­fer­te – falls denn über­haupt ei­ne ein­geht – zu set­zen, ist ris­kant. Auf dem ak­tu­el­len Kurs­ni­veau bie­ten sich je­doch Ge­winn­mit­nah­men an.

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