Un­garn will statt Fran­ken Eu­ro

Fran­ken­kre­di­te sol­len in die Ein­heits­wäh­rung ge­wan­delt wer­den

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - JS

Un­garn hat ein nur schwer zu lö­sen­des Pro­blem: der star­ke Fran­ken. In den letz­ten Jah­ren wur­den 80 bis 90% al­ler Kon­sum­kre­di­te und Hy­po­the­ken nicht in der Lan­des­wäh­rung Forint oder in Eu­ro, son­dern in Fran­ken ge­spro­chen. Da­mit woll­ten die Ban­ken ih­ren Kun­den enor­me Zins­vor­tei­le si­chern. We­gen des ho­hen Zins­ni­veaus in Un­garn be­trug der Un­ter­schied von ei­ner Fran­ken-zu ei­ner Forin­t­hy­po­thek oft sie­ben Pro­zent­punk­te und mehr.

Die­se Car­ry Tra­des gin­gen lan­ge Zeit auf. Doch durch die Forint­schwä­che (40% Ver­lust ge­gen­über dem Fran­ken seit Mit­te 2008) hat sich der Vor­teil längst in ei­nen Nach­teil ge­wan­delt (vgl. FuW Nr. 69 vom 4. Sep­tem­ber 2010). Al­lein das seit Mit­te 2010 aus­ge­spro­che­ne Ver­bot von neu­en Fran­ken­hy­po­the­ken reicht aber nicht aus, um die Ver­schul­dung der un­ga­ri­schen Haus­hal­te zu re­du­zie­ren.

Jetzt hat die un­ga­ri­sche Fi­nanz­auf­sicht PSZAF ein­ge­grif­fen und die Ban­ken an­ge­wie­sen, ih­ren Kun­den zur Sei­te zu ste­hen und bei Be­darf sämt­li­che Fran­ken­kre­di­te in Eu­ro um­zu­wan­deln. Da­durch soll das lang­fris­ti­ge Wech­sel­kurs-und da­mit auch das Kre­dit­ri­si­ko re­du­ziert wer­den. Vor al­lem im Kon­sum­kre­dit­ge­schäft, wo vie­le eu­ro­päi­sche Ban­ken durch ih­re un­ga­ri­schen Toch­ter­ge­sell­schaf­ten ak­tiv sind, soll die Mass­nah­me grei­fen.

Die Um­wand­lung der Kre­di­te än­dert je­doch nichts dar­an, dass die Un­garn wei­ter mit kaum zu be­wäl­ti­gen­den Zins­kos­ten le­ben müs­sen. Zwar be­trägt die of­fi­zi­el­le Aus­fall­ra­te für Hy­po­the­ken nur 10%. In­of­fi­zi­ell sol­len je­doch mehr als dop­pelt so vie­le kei­ne Ra­ten mehr be­zah­len. Die Pro­ble­me des am höchs­ten ver­schul­de­ten Staats Ost­eu­ro­pas sind tief­grei­fend.

Auf die Schwei­zer Wäh­rung dürf­te die Um­wand­lung von Kre­di­ten von Fran­ken in Eu­ro kaum Ein­fluss ha­ben. Da­für sind die zu er­war­ten­den Kre­dit­um­wäl­zun­gen nicht gross ge­nug. Der Ent­scheid der un­ga­ri­schen Fi­nanz­auf­sicht zeigt je­doch, dass kaum je­mand da­mit rech­net, dass die Fran­ken­stär­ke bald ein En­de fin­det.

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