Zins­dif­fe­renz mit Kick-Start

Mit neu­en struk­tu­rier­ten Pro­duk­ten kann der An­le­ger Zins­un­ter­schie­de nut­zen und von Wäh­rungs­auf­wer­tun­gen pro­fi­tie­ren

Finanz und Wirtschaft - - AUSLAND - YVAN MEI­ER UND DA­VID ER­NI AST

Die Tur­bu­len­zen an den Wäh­rungs­märk­ten dürf­ten noch lan­ge an­hal­ten. Die Ab­wer­tung der Wäh­run­gen der wich­tigs­ten In­dus­trie­staa­ten ist nicht et­wa auf ei­ne lau­nen­haf­te Stim­mung an den Fi­nanz­märk­ten zu­rück­zu­füh­ren, son­dern spie­gelt die ma­kro­öko­no­mi­schen Pro­ble­me der in­dus­tria­li­sier­ten Län­der. Die Ur­sa­chen für ei­ne sich ab­schwä­chen­de Wäh­rung sind viel­sei­tig. Ne­ben der Furcht vor In­fla­ti­on wer­den vor al­lem die Be­den­ken über die Zah­lungs­fä­hig­keit im­mer grös­ser. Struk­tu­rel­le Leis­tungs­bi­lanz­de­fi­zi­te so­wie die zu­neh­men­de Staats­ver­schul­dung der gros­sen In­dus­trie­län­der ent­zie­hen die­sen Staa­ten je län­ger, je mehr den fis­kal­po­li­ti­schen Hand­lungs­spiel­raum.

Zu­sätz­lich zu ei­ner un­dis­zi­pli­nier­ten Aus­ga­ben­po­li­tik sind ei­ni­ge Na­tio­nen ge­zwun­gen, ih­ren Ban­ken mit gi­gan­ti­schen Be­trä­gen un­ter die Ar­me zu grei­fen, um sie vor ei­nem Kol­laps zu schüt­zen. Das er­höht den Ver­schul­dungs­grad no­lens vo­lens wei­ter (Is­land, Ir­land, Spa­ni­en).

Für zu­neh­men­des Kopf­zer­bre­chen sorgt zu­dem die de­mo­gra­fi­sche Ent­wick­lung der west­li­chen Län­der. Die meis­ten In­dus­trie­staa­ten ver­fü­gen über ei­ne al­tern­de Be­völ­ke­rung. Ei­ner­seits mu­tie­ren die Ba­by­boo­mer-Jahr­gän­ge von Ren­ten­zah­lern zu Ren­ten­emp­fän­gern, an­der­seits er­höht sich die Le­bens­er­war­tung, was eben­falls im­mer hö­he­re Kos­ten ver­ur­sacht.

Schul­den brem­sen

Ge­mäss dem In­ter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds IWF liegt der kri­ti­sche Wert der Staats­ver­schul­dung bei rund 90% (Brut­to­schul­den in Pro­zent des Brut­to­in­land­pro­dukts BIP). His­to­risch hat­ten Län­der stets gros­se Schwie­rig­kei­ten, Wirt­schafts­wachs­tum zu er­zie­len, wenn die Staats­schul­den die­se Schwel­le über­schrit­ten ha­ben.

Die bei der Ein­füh­rung des Eu­ros fest­ge­leg­ten Maas­trich­ter Kri­te­ri­en in Be­zug auf das jähr­li­che Haus­halts­de­fi­zit (max. 3% des BIP) und die ma­xi­ma­le Ge­samt­ver­schul­dung (60% des BIP) wer­den seit Jah­ren mehr­heit­lich nicht ein­ge­hal­ten. Es bleibt letzt­end­lich weit­ge­hend ei­ne Glau­bens­fra­ge des In­ves­tors, ob die Staa­ten die nö­ti­ge Dis­zi­plin auf­brin­gen und sich für den schmerz­haf­ten Pro­zess zu ei­ner nach­hal­ti­gen und ver­ant­wor­tungs­vol­len Wirt­schafts­po­li­tik ent­schei­den.

Roh­stoff­rei­che Staa­ten und vor al­lem Schwel­len­län­der ha­ben in die­sen Pro­blem­be­rei­chen oft ei­ne fun­da­men­tal an­de­re Aus­gangs­la­ge. Sie ver­fü­gen in der Re­gel über ei­ne jun­ge, wach­sen­de Be­völ­ke­rung, de­ren Aus­bil­dungs­stand kon­ti­nu­ier­lich steigt und die so­mit an Pro­duk­ti­vi­tät zu­legt. Die Staats­fi­nan­zen sind meist in ei­ner bes­se­ren Ver­fas­sung (Haus­halts­de­fi­zit so­wie ab­so­lu­te Ver- zei­tig ein ho­hes Zins­ni­veau. Ein Bei­spiel da­für ist Aus­tra­li­en. Die aus­tra­li­sche Volks­wirt­schaft par­ti­zi­piert dank ih­rer geo­gra­fi­schen Nä­he zu Asi­en und ih­ren Roh­stoff­re­ser­ven in ho­hem Mass vom Welt­wirt­schafts­wachs­tum und kann als in­di­rek­te Wet­te auf auf­stre­ben­de Schwel­len­län­der die­nen. Ent­spre­chend er­freut sich auch die aus­tra­li­sche Wäh­rung zu­neh­men­der Be­liebt­heit und be­fin­det sich seit rund zwei Jah­ren so­wohl ge­gen­über dem Fran­ken als auch ge­gen­über dem Dol­lar in ei­nem Auf­wärts­trend.

Zins­dif­fe­ren­zen nut­zen

Die Er­war­tung sich auf­wer­ten­der Wäh­run­gen in Kom­bi­na­ti­on mit ho­hen Zin­sen ruft Car­ry Tra­ders auf den Plan. Die­se In­ves­to­ren neh­men Geld in tief­ver­zins­li­chen Wäh­run­gen auf und le­gen es in hoch­ver­zins­li­chen an. Da­bei spe­ku­lie­ren sie dar­auf, dass die An­la­ge­wäh­rung ge­gen­über der Ver­schul­dungs­wäh­rung sta­bil bleibt.

Ei­ne In­no­va­ti­on auf dem Markt für struk­tu­rier­te Pro­duk­te nimmt sich die­ser The­men an. Der Car­ry Floo­red Floa­ter ist ein In­stru­ment, das den be­lieb­ten Floo­red Floa­ter mit ei­nem Car­ry Tra­de kom­bi­niert (vgl. Text­kas­ten). Der quar­tals­wei­se aus­ge­zahl­te Cou­pon ba­siert auf dem va­ria­blen Zins (Drei­mo­nats­li­bor), wo­bei ein ho­her Min­dest­cou­pon in der Re­fe­renz­wäh­rung (nor­ma­ler­wei­se Dol­lar, Fran­ken oder Eu­ro) ga­ran­tiert wird. Die Geld­an­la­ge wird in ei­ner Hoch­zins­wäh­rung ein­ge­gan­gen, was ei­nen at­trak­ti­ven struk­tu­rier­ten Cou­pon er­mög­licht.

In­ves­to­ren, de­nen die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung in den west­li­chen Län­dern Sor­gen be­rei­tet und die gleich­zei­tig auf Wäh­run­gen auf­stre­ben­der oder roh­stoff­rei­cher Staa­ten set­zen wol­len, wird mit dem Car­ry Floo­red Floa­ter ei­ne in­ter­es­san­te Mög­lich­keit ge­bo­ten. Sie pro­fi­tie­ren von ei­nem at­trak­ti­ven Cou­pon und kön­nen zu­sätz­lich an ei­ner po­ten­zi­el­len Wäh­rungs­auf­wer­tung par­ti­zi­pie­ren. Das Ri­si­ko ei­nes Car­ry Floo­red Floa­ter be­steht haupt­säch­lich dar­in, dass sich die Hoch­zins-ge­gen­über der Re­fe­renz­wäh­rung ab­wer­tet, wo­bei der ho­he Cou­pon ei­nen ge­wis­sen Ri­si­ko­puf­fer bie­tet. Yvan Mei­er und Da­vid Er­ni, Fi­nan­ci­al En­gi­nee­ring, Cla­ri­den Leu, Zü­rich. Das von Prä­si­dent Oba­ma En­de Ju­li 2010 ver­ab­schie­de­te Dodd-Frank-Ge­setz for­dert ei­ne stär­ke­re Re­gu­lie­rung des Fi­nanz­mark­tes. Da­zu ge­hö­ren auch der aus­ser­börs­li­che De­ri­vat­markt so­wie der Roh­wa­ren­markt, des­sen Han­del über Ter­min­bör­sen statt­fin­det. Die Se­cu­ri­ties and Ex­ch­an­ge Com­mis­si­on (SEC) und die Com­mo­di­ty Fu­tures Tra­ding Com­mis­si­on (CFTC) sind die bei­den Be­hör­den, die un­ter an­de­rem ver­ant­wort­lich sind für die For­mu­lie­rung des Dodd-Frank Act. Sie müs­sen bis spä­tes­tens Mit­te Ju­li rund hun­dert (SEC) bzw. sech­zig (CFTC) Vor­schrif­ten für das Dodd-Frank-Ge­setz ent­wer­fen, das zur­zeit noch ein lee­rer Rah­men ist.

We­gen der künf­tig hö­he­ren Ar­beits­last muss­ten die Ka­pa­zi­tä­ten auf­ge­stockt wer­den. Die Mit­tel der SEC neh­men 2011 um 18% auf 1,3 Mrd. $ zu, das Bud­get der CFTC klet­tert um 69% auf 286 Mio. $.

Vor Spe­ku­la­ti­on schüt­zen

Ein wich­ti­ger Punkt, den die CFTC in das Dodd-Frank-Ge­setz ein­brin­gen wird, ist die Ein­füh­rung von Po­si­ti­ons­li­mi­ten auf ge­samt­haft 28 Ener­gie-, Me­tall-und Agrar­roh­stoff­kon­trak­ten. Die Li­mi­ten sol­len die Spe­ku­la­ti­on ein­schrän­ken und so­mit künf­ti­ge Preis­über­trei­bun­gen am Roh­stoff­markt ver­mei­den.

Ge­plant ist, die Po­si­ti­ons­li­mi­te ei­nes Kon­trakts mit dem nächs­ten Ver­fall­ter­min (promp­te Lie­fe­rung) pro In­sti­tu­ti­on auf 25% der ge­schätz­ten mo­men­tan lie­fer­ba­ren phy­si­schen Men­ge des Roh­stoffs zu be­schrän­ken. Der Fu­tures, des­sen Ver­fall am nächs­ten liegt, hat üb­li­cher­wei­se das höchs­te Han­dels­vo­lu­men.

Die CFTC will ne­ben der Be­gren­zung des Kon­trakts mit der promp­ten Lie­fe­rung eben­falls ei­ne Li­mi­te auf das Hal­ten von Roh­wa­ren-Fu­tures al­ler Lauf­zei­ten ein­füh­ren. Die Po­si­ti­ons­li­mi­te wä­re 10% der ers­ten 25 000 Open In­te­rests (of­fe­nen Kon­trak­te) und 2,5% sämt­li­cher wei­te­rer Kon­trak­te. Gleich­zei­tig wür­de die Po­si­ti­ons­li­mi­te von Fu­tures, die im sel­ben Mo­nat fäl­lig wer­den, zwei Drit­tel der obi­gen Li­mi­ten be­tra­gen. Die­se Vor­schrif­ten gel­ten für phy­sisch be­zieh­ba­re Kon­trak­te. Fu­tures, die bloss bar ab­ge­gol­ten wer­den kön­nen, un­ter­lä­gen Li­mi­ten, die fünf­mal hö­her sind als die der Kon­trak­te mit phy­si­scher Lie­fe­rung.

Ein an der Comex ge­han­del­ter Fu­tures auf Gold er­laubt z. B. den phy­si­schen Be­zug von 100 Fein­un­zen. Der mo­men­ta­ne Wert ei­nes Kon­trakts be­trägt so­mit 137 700 $. Am 13. Ja­nu­ar stimmt die CFTC über die­se Vor­schlä­ge ab, dies nach­dem die ur­sprüng­lich ge­plan­te Ab­stim­mung vom 16. De­zem­ber ver­tagt wur­de.

Kei­ne Re­gel oh­ne Aus­nah­me

Die Po­si­ti­ons­li­mi­ten gel­ten aber nicht für al­le Händ­ler am Roh­stoff­markt – es gibt Aus­nah­men. So müs­sen sich die Bo­na­fied Hed­gers (qua­li­fi­zier­te Hed­ger), die ih­re La­ger­be­stän­de ge­gen Preis­schwan­kun­gen ab­si­chern, oder In­sti­tu­tio­nen, die in Zu­kunft ga­ran­tiert ein ge­wis­ses Gut er­wer­ben, nicht an Po­si­ti­ons­li­mi­ten hal­ten. Da­zu ge­hö­ren un­ter an­de­rem Flug­ge­sell­schaf­ten, Trans­port­un­ter­neh­men und Nah­rungs­mit­tel­ver­ar­bei­ter.

Aus­nah­men gel­ten auch für Swa­phänd­ler. Um ih­re Po­si­tio­nen in Roh­stoffs­waps ab­zu­si­chern, er­wer­ben oder ver­äus­sern sie über Ter­min­bör­sen Roh­wa­ren­kon­trak­te.

Aus­ste­hen­de Roh­stoff-Fu­tures

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