Die Zah­len stim­men zu­ver­sicht­lich

MAN SPRICHT VON den glän­zen­den Un­ter­neh­mens­ab­schlüs­sen in den USA und den Aus­sich­ten auf Bes­se­rung am Ar­beits­markt

Finanz und Wirtschaft - - AUF EINEN BLICK - JAN BAU­MANN,

SZei­chen der Er­ho­lung

tol­ze 17,4 Mrd. $ hat der ame­ri­ka­ni­sche Bank­kon­zern J. P. Mor­gan Cha­se 2010 ver­dient – 48% mehr als im Vor­jahr. Der Ge­winn pro Ak­tie aus dem vier­ten Quar­tal über­traf mit 1.12 $ die Er­war­tun­gen mar­kant (die Ana­lys­ten­schät­zung be­trug le­dig­lich 99 Cent). Zwei Din­ge ste­chen da­bei ins Au­ge: Ers­tens deu­te­te Kon­zern­chef Ja­mes «Ja­mie» Di­mon an, sei­ne Grup­pe sei mit Ka­pi­tal reich­lich aus­ge­rüs­tet, um dem­nächst die Ak­tio­nä­re über ei­ne hö­he­re Di­vi­den­den­aus­schüt­tung ver­stärkt am Geld­se­gen teil­ha­ben zu las­sen. Zwei­tens trug zum Glanz­er­geb­nis mass­geb­lich bei, dass das Re­tail Ban­king – es um­fasst un­ter an­de­rem die Hy­po­the­kar­fi­nan­zie­rung und das Kre­dit­kar­ten­ge­schäft – Rück­stel­lun­gen auf­lös­te. Das Um­feld im Kre­dit­ge­schäft hell­te sich spür­bar auf, was die zweit­gröss­te Bank des Lan­des auch da­zu be­wog, die Di­vi­si­on per­so­nell zu ver­stär­ken und zu­sätz­li­che Zweigstellen zu er­öff­nen. Ge­spannt war­ten die In­ves­to­ren nun auf die Er­geb­nis­se von Markt­füh­rer Bank of Ame­ri­ca und Ci­ti­group. Bei­de Kre­dit­in­sti­tu­te wer­den in der kom­men­den Wo­che be­rich­ten (am Mon­tag und Frei­tag). Die Bran­che als Gan­zes ist zwar nicht so pro­fi­ta­bel un­ter­wegs wie das Vor­zei­ge­un­ter­neh­men J. P. Mor­gan Cha­se. Aber im­mer­hin ver­lie­ren die Pro­ble­me im Häu­ser­markt (vgl. Sei­te 7) und die miss­li­che Be­schäf­ti­gungs­la­ge in den USA lang­sam an Vi­ru­lenz für die Ban­ken. Auch un­ter die­sen an­spruchs­vol­len Be­din­gun­gen lässt sich im Kre­dit­ge­schäft wie­der mehr Geld ver­die­nen. In­so­fern sind die jüngs- ten Zah­len aus dem aus­ge­prägt zy­kli­schen Fi­nanz­sek­tor auch ein güns­ti­ger Kon­junk­tur­in­di­ka­tor. «Ob­schon wir nach wie vor mit Her­aus­for­de­run­gen kon­fron­tiert sind, se­hen wir Zei­chen der Sta­bi­li­tät und des Wachs­tums an den glo­ba­len Fi­nanz­märk­ten und in der US-Wirt­schaft», sag­te Ja­mes Di­mon am Frei­tag und be­schrieb da­mit die Stim­mungs­la­ge in Wal­ls­treet.

Ganz ähn­lich äus­ser­te sich die­se Wo­che der Chef der US-No­ten­bank Fed, Ben Bernan­ke: Der Trend zu hö­he­ren Zin­sen am Ka­pi­tal­markt si­gna­li­sie­re in ers­ter Li­nie, dass es mit der Kon­junk­tur auf­wärts­ge­he, mein­te er in ei­ner Re­de in Ar­ling­ton, Vir­gi­nia. Die oft ge­hör­te Kri­tik, die mo­ne­tä­re Sti­mu­lie­rung des Fed durch den Kauf von Staats­an­lei­hen im Um­fang von 600 Mrd. $ ver­puf­fe wir­kungs­los, ver­such­te er mit die­sem Ar­gu­ment zu ent­kräf­ten. Op­ti­mis­tisch stimmt Bernan­ke vor al­lem das Ge­sche­hen am Markt für Un­ter­neh­mens­kre­di­te, wo in jüngs­ter Zeit auch klei­ne und mitt­le­re Ge­sell­schaf­ten wie­der leich­ter zu Dar­le­hen kom­men, um ih­re Ge- schäfts­ak­ti­vi­tä­ten zu in­ten­si­vie­ren. Mehr Um­satz und bes­se­re Aus­sich­ten auf der Ebe­ne der KMU ist Vor­aus­set­zung da­für, dass die nach wie vor (zu) ho­he Ar­beits­lo­sen­quo­te von an­nä­hernd 10% all­mäh­lich her­un­ter­kommt (vgl. Gra­fik). Was das Wachs­tum der Ge­samt­wirt­schaft be­trifft, so rech­net Bernan­ke nun­mehr mit ei­ner mo­de­ra­ten Aus­deh­nung des rea­len Brut­to­in­land­pro­dukts (BIP) um 3 bis 4% im lau­fen­den Jahr. Im drit­ten Quar­tal 2010 wuchs das BIP auf Jah­res­ba­sis hoch­ge­rech­net um 2,6%, nach ei­nem Fort­schritt von 1,7% in den drei Mo­na­ten von April bis Ju­ni. Das The­ma Rück­fall in die Re­zes­si­on ist in den USA so­mit vom Tisch.

Schat­ten blei­ben sicht­bar

Die Kon­junk­tur bes­sert sich aber nur lang­sam – und mit Rück­schlä­gen ist je­der­zeit zu rech­nen. So ent­täusch­te die jüngs­te Le­sung des Ver­brau­cher­ver­trau­ens­in­dex, den die Uni­ver­si­tät Mi­chi­gan zu­sam­men mit der Nach­rich­ten­agen­tur Reuters führt. Im Ja­nu­ar ging der In­dex von 74,5 auf 72,7 zu­rück, statt – wie von den Öko­no­men er­war­tet – auf 76 zu klet­tern. Da­für dehn­te sich auf der an­de­ren Sei­te die In­dus­trie­pro­duk­ti­on im De­zem­ber mit ei­nem Plus von 0,8% et­was kräf­ti­ger aus als pro­gnos­ti­ziert (die Kon­sens­schät­zung lau­te­te auf +0,5%). Und die Um­satz­sta­tis­tik aus dem US-De­tail­han­del für den Schluss­mo­nat 2010 er­füll­te we­nigs­tens halb­wegs die hoch­ge­steck­ten Er­war­tun­gen. In nun­mehr schon sechs auf­ein­an­der­fol­gen­den Mo­na­ten konn­te der ame­ri­ka­ni­sche Ein­zel­han­del den Ver­kauf stei­gern. Das Weih­nachts­ge­schäft lief – den zum Teil auch wet­ter­mäs­sig schwie­ri­gen Um­stän­den ent­spre­chend – be­frie­di­gend.

Auch In­tel spürt den Im­puls

Die Ge­win­ne der in­ter­na­tio­nal ak­ti­ven Un­ter­neh­men kön­nen sich zu­dem bis zu ei­nem er­heb­li­chen Grad von der Bin­nen­kon­junk­tur ab­kop­peln. Das il­lus­triert das Bei­spiel In­tel. Der Com­pu­ter­chip­her­stel­ler sag­te am Don­ners­tag, der Ab­satz wer­de 2011 noch­mals deut­lich zu­le­gen. Al­lein für das ers­te Quar­tal rech­net In­tel mit 11,1 Mrd. $ Um­satz – deut­lich mehr als die 10,7 Mrd. $, die die Ana­lys­ten dem glo­ba­len Markt­füh­rer bis­lang zu­trau­ten.

Der Grund für die Zu­ver­sicht des ITGi­gan­ten, des­sen Chips sich in gut 80% al­ler PC be­fin­den: Welt­weit bleibt die Nach­fra­ge der Un­ter­neh­men nach Rech­nern stark. Die Nach­richt hat dem Tech­Sek­tor neu­en Schwung ge­ge­ben und lässt hof­fen, dass in den kom­men­den Wo­chen die Zah­len aus der IT, In­dus­trie und an­de­ren zy­kli­sche­ren Sek­to­ren eben­so er­freu­lich aus­fal­len. Cor­po­ra­te Ame­ri­ca scheint zu pro­spe­rie­ren, auch wenn die US-Kon­junk­tur noch schwach auf der Brust ist.

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