Gross­ban­ken ge­ben Schub

Im­pul­se von J. P. Mor­gan – Wirt­schafts­hoff­nun­gen – Hel­vea-Kon­fe­renz als Kurs­ge­stal­ter

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSE SCHWEIZ - THO­MAS WYSS

Mit gros­sem In­ter­es­se war­te­ten Markt­teil­neh­mer am Frei­tag­nach­mit­tag auf die neu­es­ten Zah­len der ame­ri­ka­ni­schen In­vest­ment­bank J. P. Mor­gan – und wur­den nicht ent­täuscht. Die Zah­len wa­ren bes­ser als er­war­tet und soll­ten den Trend für die ge­sam­te Bran­che vor­ge­ben. Hoff­nung macht, dass auf­grund der bes­se­ren Wirt­schafts­la­ge auf der an­de­ren Sei­te des At­lan­tiks die not­lei­den­den Kre­di­te re­du­ziert wer­den konn­ten. Bank­ak­ti­en ga­ben in der ver­gan­ge­nen Wo­che auch dem Swiss Mar­ket In­dex (SMI) Schub, der im Wo­chen­ver­gleich 0,9% auf 6556,1 stieg.

Der et­was er­stark­te Eu­ro mach­te deut­lich, dass er so schnell nicht un­ter­ge­hen wird. Dass der Fran­ken ge­gen­über dem Eu­ro schwä­cher ten­dier­te, brach der «Kri­sen­kon­fe­renz» in der Schweiz die Spit­ze. Bes­ser so: Von den teil­wei­se ver­que­ren Ide­en aus die­sem Gre­mi­um ist nicht viel zu hal­ten. Haupt­grund für die Ent­span­nung wa­ren Aus­sa­gen von EZB-Prä­si­dent Je­an-Clau­de Tri­chet. Er wies auf die stei­gen­de In­fla­ti­ons­ge­fahr hin und schloss trotz Schul­den­kri­se Zins­er­hö­hun­gen nicht aus – was dem Eu­ro Im­pul­se gab. Die in der Be­richts­pe­ri­ode ver­zeich­ne­ten Kurs­stei­ge­run­gen in UBS (+6,5%)und Cre­dit Suis­se Group (+7,2%) sen­den in die­ser Hin­sicht kla­re Si­gna­le. Der Markt geht da­von aus, dass in ei­nem Um­feld mo­de­ra­ter In­fla­ti­on und stei­gen­der Zin­sen die Gross­ban­ken ei­ne hö­he­re Mar­ge er­zie­len wer­den. Was das tra­di­tio­nel­le Schwei­zer Pri­vat­ban­ken­ge­schäft be­trifft, ist so­gar die kon­ser­va­ti­ve und vor­sich­ti­ge Ver­ei­ni­gung der Schwei­ze­ri­schen Pri­vat­ban­kiers ver­hal­ten op­ti­mis­tisch, was die Ab­gel­tungs­steu­er be­trifft (vgl. Sei­te 17); sie warnt je­doch vor Über­re­gu­lie­rung.

Un­ter den Ak­ti­en der Ver­mö­gens­ver­wal­ter wa­ren Von­to­bel (+3,7%) ge­sucht, wäh­rend Ju­li­us Bär (–0,7%) und Sa­ra­sin (–2,4%) Ter­rain ein­büss­ten. Denk­bar ist, dass Von­to­bel mit Blick auf die Er­neue­rung der Füh­rungs­spit­ze ge­sucht sind.

Ein All­zeit­hoch mar­kier­ten die Va­lo­ren Zu­ger Kan­to­nal­bank (+2,7% auf 5300 Fr.) Die An­le­ger schei­nen sich von den Zah­len, die am kom­men­den Frei­tag ver­öf­fent­licht wer­den, ei­ni­ges zu ver­spre­chen. Die Zu­ger Pri­va­te-Equi­ty-Grup­pe Part­ners Group (+0,1%) ver­zeich­ne­te 2010 Neu­gel­der von 4 Mrd. €. Im lau­fen­den Jahr wird mit ei­nem Mit­tel­zu­fluss in ähn­li­cher Grös­sen­ord­nung ge­rech­net (vgl. Sei­te 17).

Fi­nanz­ti­tel wer­den auch in der kom­men­den Wo­che im Mit­tel­punkt des In­ter­es­ses ste­hen, da­für sorgt die Re­sul­tat­sai­son in den USA. Am Mon­tag bleibt

Et­was Op­ti­mis­mus

Wal­ls­treet ge­schlos­sen, da­nach fol­gen die Re­sul­tat­prä­sen­ta­tio­nen je­doch Schlag auf Schlag. Ci­ti­group (Di­ens­tag), Gold­man Sachs (Mitt­woch), Mor­gan St­an­ley (Don­ners­tag) und Bank of Ame­ri­ca (Frei­tag) wer­den neue Zah­len ver­öf­fent­li­chen. In der Schweiz wer­den der Gen­fer Wa­ren­prüf­kon­zern SGS (Ak­ti­en –1,2%) so­wie der Lu­xus­gü­ter­her­stel­ler Ri­che­mont (+4,9%) am Mon­tag Zah­len prä­sen­tie­ren.

Gold­man Sachs hat das Kurs­ziel für Sul­zer (–1%) mas­siv von 154 auf 196 Fr. ge­ho­ben. In der Tat be­ginnt sich das ge­wich­ti­ge spät­zy­kli­sche Ge­schäft zu be­le­ben. An der Swiss-Equi­ties-Kon­fe­renz von Hel­vea scheint die Prä­sen­ta­ti­on von Sul­zer gut an­ge­kom­men zu sein. Das Ma­nage­ment des In­dus­trie­kon­zerns neigt in sei­nen Vor­her­sa­gen – ak­tu­ell mo­de­ra­tes Wachs­tum 2011 – ge­wöhn­lich eher zur Zu­rück­hal­tung, was Hoff­nun­gen weckt. ABB (+6,6%) fes­tig­ten sich auf klar über 22 Fr., eben­so ein Spie­gel­bild der Zu­ver­sicht, dass ein In­ves­ti­ti­ons­zy­klus in Gang kommt.

No­var­tis (–1,2%) und Ro­che (GS +1,3%) zeig­ten sich we­nig ver­än­dert. Er­freu­li­che Stu­di­en­er­geb­nis­se ei­nes No­var­tis-Kom­bi­na­ti­ons­prä­pa­rat ge­gen Blut­hoch­druck ver­lie­hen den Ti­teln we­nig Im­pul­se. Da­bei kommt ihm ei­ne wich­ti­ge Rol­le zu, um den Ver­lust des Um­sat­zes des Blut­druck­sen­kers Dio­van ab­zu­fe­dern. Das um­satz­stärks­te Me­di­ka­ments des Kon­zerns ver- liert in die­sem Jahr in Eu­ro­pa den Pa­tent­schutz. Ge­fragt wa­ren die Ak­ti­en des Spe­zia­li­tä­ten­che­mie­her­stel­lers Si­ka (+9,6%). Das Un­ter­neh­men hat­te in der ers­ten Wo­chen­hälf­te über­zeu­gen­de Um­satz­zah­len ge­lie­fert. Si­ka ist in den Schwel­len­märk­ten Asi­ens und Latein­ame­ri­kas gut ver­tre­ten und ver­zeich­net dort ho­he Wachs­tums­ra­ten. Auch die Aus­sich­ten für 2011 sind gut, wo­bei der Ge­winn et­was we­ni­ger stark als im ab­ge­lau­fe­nen Jahr stei­gen dürf­te.

So­no­va (+0,9%) ka­men un­ter Druck. Ana­lys­ten der Bank Cheu­vreux stuf­ten sie von «Kau­fen» auf «Un­der­per­form» zu­rück und senk­ten das Kurs­ziel auf 130 Fr. (vor­her 150 Fr.). Grund sei­en die Un­si­cher­hei­ten im Zu­sam­men­hang mit dem Rück­ruf des Coch­lea-Im­plan­tats der Toch­ter Ad­van­ced Bio­nics. Cheu­vreux ist von ei­ner Rück­kehr des Pro­dukts ab April 2011 aus­ge­gan­gen, rech­net nun aber mit ei­nem län­ge­rem Zei­t­raum, was die Um­satz­ent­wick­lung stär­ker als er­war­tet be­las­ten wer­de. Auch wer­den Wäh­rungs­ein­flüs­se den Hör­ge­rä­te­her­stel­ler wei­ter un­ter Druck set­zen. An der In­ves­to­ren­kon­fe­renz von Hel­vea in Bad Ra­gaz be­stä­tig­te So­no­va-CFO Oli­ver Wal­ker am Frei­tag der­weil sei­ne Jah­res­pro­gno­se für 2010/2011.

Kon­so­li­die­rung

Et­was bes­ser sieht es für No­bel Bio­ca­re (+2,9%) aus. Im Ge­spräch mit «Fi­nanz und Wirt­schaft» (vgl. Nr. 3 vom 12. Ja­nu­ar) äus­ser­te sich VR-Prä­si­dent Hei­no von Prond­zyn­ski zur Zu­kunft des Zahn­im­plan­tat­her­stel­lers. Er räum­te ein, die Markt­ein­füh­rung ei­ni­ger Pro­duk­te sei nicht op­ti­mal ver­lau­fen. Die In­ves­to­ren ho­no­rier­ten die für No­bel Bio­ca­re un­ge­wöhn­lich of­fe­nen und ehr­li­chen Aus­sa­gen.

Im eu­ro­päi­schen Raf­fi­ne­rie­sek­tor kommt die lang er­war­te­te Kon­so­li­die­rung ins Lau­fen. Nach­dem sich im Ok­to­ber be­reits der rus­si­sche Erd­öl­rie­se Ros­neft im deut­schen Markt ein­kauf­te, hat die­se Wo­che Pe­tro­chi­na ei­nen Fuss auf den Kon­ti­nent ge­setzt. Das sorgt auch für Auf­trieb in Pe­trop­lus (+2%), denn der Raf­fi­n­eur mit Sitz in Zug wird im­mer wie­der als Über­nah­me­kan­di­dat ge­han­delt.

Die Hausse im Seg­ment der Small und Mid Caps geht an Schaff­ner (+0,2%) nicht vor­bei. Der Elek­tro­kom­po­nen­ten­her­stel­ler ist nicht nur mit Pro­duk­ten für den Bahn-und den Au­to­markt in­no­va­tiv. An der Ge­ne­ral­ver­samm­lung vom Mitt­woch ha­ben die Ak­tio­nä­re auch der neu­en Form ei­ner ver­rech­nungs­steu­er­frei­en Aus­schüt­tung aus frei­en Re­ser­ven aus Ka­pi­tal­ein­la­gen von 4.50 Fr. pro Ti­tel zu­ge­stimmt. Sie wird am 19. Ja­nu­ar aus­ge­zahlt.

Viel Be­we­gung gab es in As­com (–1,3%). Nach­dem die Ti­tel we­gen des über­ra­schen­den Wech­sels von CEO Riet Ca­do­nau zu Ka­ba (Ak­ti­en +3%) ei­nen Dämp­fer er­lit­ten hat­ten, mach­ten sie in der zwei­ten Wo­chen­hälf­te Ter­rain gut.

Auf­fäl­li­ges ist im­mer noch in Win­ter­thur Tech­no­lo­gie zu be­ob­ach­ten. Die Pa­pie­re wer­den un­ter ho­hen Vo­lu­men ge­han­delt und no­tie­ren wei­ter­hin über dem am 6. De­zem­ber pu­bli­zier­ten An­ge­bots­preis von 62 Fr. In­sti­tu­tio­nel­le schei­nen den US-Kon­zern 3M zu ei­ner Nach­bes­se­rung drän­gen zu wol­len (vgl. FuW Nr. 101 vom 29. De­zem­ber 2010).

Ent­wick­lung Schwei­zer Wer­te

Markt-Mo­ni­tor SIX

Newspapers in German

Newspapers from Switzerland

© PressReader. All rights reserved.