In­fla­ti­on wird zum The­ma

IN­TER­NA­TIO­NA­LE AN­LEI­HEN Die kon­junk­tu­rel­le Zu­ver­sicht nimmt zu – Ren­di­ten stei­gen leicht

Finanz und Wirtschaft - - OBLIGATIONEN/DEVISEN - RE­TO HUENERWADEL, JES­SI­CA LIVNAT

In den USA hat sich die Zins­kur­ve seit der An­kün­di­gung des zwei­ten Pa­kets der quan­ti­ta­ti­ven Lo­cke­rung (QE2) im mitt­le­ren und lan­gen En­de nach oben ver­scho­ben. Die Ren­di­te fünf­jäh­ri­ger Staats­an­lei­hen stieg gut 90 Ba­sis­punk­te (Bp) auf knapp 2% und die der zehn­jäh­ri­gen 75 Bp auf 4,5%. Seit Jah­res­be­ginn ist die Dol­larZins­kur­ve al­ler­dings nur leicht um ih­ren ak­tu­el­len Wert her­um ge­schwankt, die Stei­gung zwi­schen den zwei-und zehn­jäh­ri­gen Zin­sen ist um le­dig­lich vier Ba­sis­punk­te auf 2,72% ge­stie­gen.

Ob­wohl das Fed mit den durch das QE2 in­iti­ier­ten An­lei­hen­auf­käu­fen vor al­lem die mit­tel-und lang­fris­ti­gen Zin­sen sen­ken möch­te, war es mit dem Vor­ha­ben bis da­to we­nig er­folg­reich. Da im­mer mehr In­sti­tu­te in ih­ren An­la­ge­emp­feh­lun­gen be­to­nen, An­le­ger soll­ten ih­re Porte­feuilles auf Kos­ten von Staats­an­lei­hen in Ak­ti­en um­schich­ten, liegt die Ver­mu­tung nach ei­nem Nach­fra­ge­schwund na­he. Je­doch deu­ten die Tre­a­su­ry-No­tes-Auk­tio­nen die­ser Wo­che, die vom Markt sehr gut auf­ge­nom­men wur­den, auf ei­ne nach wie vor in­tak­te Nach­fra­ge hin.

Hö­he­re US-Kern­teu­e­rung

Hin­ge­gen stieg die Kern­in­fla­ti­on erst­mals seit fast ei­nem Jahr. In­ves­to­ren se­hen zu­neh­mend auch die Mög­lich­keit hö­he­rer In­fla­ti­ons­er­war­tun­gen. Bis auf den anhal- tend schwa­chen US-Ar­beits­markt wird die Ein­schät­zung auch von an­de­ren In­di­ka­to­ren ge­stützt. Ei­ner der In­di­ka­to­ren ist das Han­dels­bi­lanz­de­fi­zit, das sich über Er­war­ten ver­klei­ner­te, so­wie die Kon­sum­nach­fra­ge.

Die er­höh­te Zu­ver­sicht an den in­ter­na­tio­na­len Fi­nanz­märk­ten hat auch den eu­ro­päi­schen Ob­li­ga­tio­nen­markt be­ein­flusst. Im Span­nungs­feld wach­sen­der In­fla­ti­ons­er­war­tun­gen – nicht zu­letzt we­gen der Kom­men­ta­re des Vor­sit­zen­den der Eu­ro­päi­schen Zen­tral­bank Je­an-Clau­de Tri­chet am Don­ners­tag – und er­folg­rei­cher Emis­sio­nen der Staats­pa­pie­re aus Spa­ni­en und Por­tu­gal hat sich die Eu­roZins­kur­ve ab­ge­flacht. Die Ri­si­ko­prä­mi­en zwi­schen deut­schen Bun­des­an­lei­hen und An­lei­hen der Pe­ri­phe­rie ha­ben sich um 50 Bp ver­rin­gert. Por­tu­gal spiel­te hier ei­ne Vor­rei­ter­rol­le. Die Bäu­me wach­sen aber nicht ins Uner­mess­li­che: Die Ri­si­ko­prä­mi­en sind wei­ter­hin sehr hoch.

Die ab­so­lu­ten Zins­ni­veaus deu­ten auf die an­hal­ten­den Zwei­fel der Markt­teil­neh­mer hin. Trotz der bis­her ge­glück­ten Spar­mass­nah­men in Spa­ni­en und Por­tu­gal lies­sen sie sich nur be­dingt zer­streu­en. Der Er­folg der Emis­sio­nen wirk­te sich auch für an­de­re un­ter Druck ste­hen­den Staats­an­lei­hen po­si­tiv aus. Die Ren­di­ten iri­scher und grie­chi­scher An­lei­hen san­ken die­se Wo­che 50 resp. 150 Bp. Die Eu­ro­päi­sche Schul­den­kri­se ist da­mit in den Au­gen der meis­ten Markt­be­ob­ach­ter aber noch lan­ge nicht aus­ge­stan­den. Die kom­men­den Emis­sio­nen aus der eu­ro­päi­schen Pe­ri­phe­rie wer­den zei­gen, ob mit dem neu­en Jahr tat­säch­lich ei­ne nach­hal­ti­ge Ent­span­nung ein­ge­setzt hat.

Ja­pan hilft Eu­ro­land

An Ja­pans Ob­li­ga­tio­nen­markt hat sich in den ver­gan­ge­nen vier Wo­chen we­nig ver­än­dert. Die Ra­te für ei­ne Lauf­zeit von drei Jah­ren be­trägt noch im­mer 0,35%. Im mitt­le­ren Be­reich so­wie am län­ge­ren En­de be­gab sich die Zins­kur­ve bis Weih­nach­ten auf ein um bis zu 20 Ba­sis­punk­te tie­fe­res Ni­veau. Im Ja­nu­ar sind die Zin­sen für Lauf­zei­ten von über neun Jah­ren al­ler­dings be­reits wie­der ge­stie­gen. Ei­ne Zwan­zig­jäh­ri­ge wird zu knapp 2,0% ver­zinst.

Un­si­cher­hei­ten auf dem ame­ri­ka­ni­schen und dem eu­ro­päi­schen Markt be­ein­flus­sen auch die Stim­mung im Fer­nen Os­ten. Dies mag un­ter an­de­rem da­zu bei­ge­tra­gen ha­ben, dass die Ja­pa­ner die­se Wo­che ei­nen Fünf­tel der neu­en Eu­ro­zo­n­eStaats­an­lei­hen ge­kauft ha­ben. Das Ver­trau­en in die Eu­ro­päi­sche Fi­nanz­sta­bi­li­sie­rungs­fa­zi­li­tät EFSF soll­te in der Fol­ge stei­gen. Aber am Markt wird es je­doch für we­nig wahr­schein­lich ge­hal­ten, dass die­ser Schritt nach­hal­ti­ge Wir­kung zeigt.

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