J. P. Mor­gan Cha­se er­freut

US-Gross­bank über­trifft Pro­gno­sen – Auch In­tel mit star­kem Quar­tal – Kon­su­men­ten­ver­trau­en sinkt

Finanz und Wirtschaft - - BÖRSEN NEW YORK - FRANK HEI­NI­GER

DBes­ser wa­ren die Nach­rich­ten von der Un­ter­neh­mens­front: In­tel (21.29 $ am Don­ners­tag, +2,5% im Wo­chen­ver­gleich) konn­te am Don­ners­tag über das er­folg­reichs­te Quar­tal der Kon­zern­ge­schich­te be­rich­ten. Mit ei­nem Über­schuss von 3,4 Mrd. $ re­spek­ti­ve 0.59 $ pro Ak­tie ver­moch­te der US-Chip­gi­gant die Markt­er­war­tung von 0.53 $ deut­lich zu über­tref­fen. Die Ge­winn­stei­ge­rung ge­gen­über 2009 von fast 50% ist je­doch mit Vor­sicht zu ge­nies­sen: Da­mals hat­te In­tel dem klei­ne­ren Ri­va­len AMD (8.26 $, –4,9%) ei­ne Ent­schä­di­gung von 1,25 Mrd. $ aus­ge­zahlt. Ei­ne star­ke Nach­fra­ge­stei­ge­rung ver­zeich­ne­te In­tel vor al­lem im Seg­ment der Ser­ver­pro­zes­so­ren. Der Chi­pab­satz für Desk­tops und Note­books ent­wi­ckel­te sich hin­ge­gen schlep­pen­der. Wei­ter­hin ist spür­bar, dass Smart­pho­nes und Ta­ble­tRech­ner an Be­liebt­heit ge­win­nen, wo In­tel-Chips kei­ne be­deu­ten­de Rol­le spie­len. Hier do­mi­nie­ren Pro­zes­so­ren, die auf der Ar­chi­tek­tur von Arm Hol­dings (27.22 $, +24,9%) ba­sie­ren und von Un­ter­neh­men wie Qual­comm (51.87 $, –1,5%) oder Nvi­dia (23.39 $, +21%) ent­wor­fen wer­den.

Sicht­bar wur­den die­se Trends auch in den von Gart­ner-Markt­for­schern er­ho­be­nen PC-Ab­satz­zah­len. Mit ei­nem Plus von 3,1% fiel das Wachs­tum im vier­ten Quar­tal 2010 leicht tie­fer aus als er­war­tet. Ne­ben der an­ge­spann­ten Kon­s­um­stim­mung hät­ten auch Tablet-Rech­ner für Kon­kur­renz ge­sorgt. Mit ei­nem Welt­markt­an­teil von 18,8% be­legt Hew­lett-Pa­ckard (45.65 $, +1,7%) wei­ter­hin den Spit­zen­platz.

Als ers­te der US-Gross­ban­ken hat am Frei­tag J. P. Mor­gan Cha­se (44.45 $, –0,1%) die Quar­tals­zah­len pu­bli­ziert. Mit ei­nem rei bis vier Pro­zent. Das ist die Wachs­tums­ra­te, die Ben Bernan­ke der US-Wirt­schaft 2011 zu­traut. So ha­ben sich, wie der No­ten­bank­chef am Don­ners­tag er­läu­ter­te, in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten die Rah­men­be­din­gun­gen auf­ge­hellt, die In­dus­trie an Stär­ke ge­won­nen und der pri­va­te Kon­sum zu­ge­legt.

Doch nicht über­all steht es zum Bes­ten. Ein Sor­gen­kind bleibt der Häu­ser­markt (vgl. «Spot­light»). Das un­ter­stri­chen auch die Zah­len zum Ge­samt­jahr 2010 der Markt­for­scher von Re­al­ty­trac. So ist in den USA über 1 Mio. Lie­gen­schaf­ten zwangs­voll­streckt wor­den. «Erst das lau­fen­de Jahr dürf­te wohl die Spit­ze mar­kie­ren», er­klär­te Re­al­ty­trac-Ana­lyst Rick Shar­ga. Zur­zeit sei­en rund 5 Mio. Hy­po­the­ken­schuld­ner mit ih­ren Zins­zah­lun­gen min­des­tens zwei Mo­na­te in Ver­zug.

Dass auch der Stel­len­markt kaum vom Fleck kommt, be­wie­sen Zah­len des Ar­beits­mi­nis­te­ri­ums. 445 000 Per­so­nen ha­ben in der ver­gan­ge­nen Wo­che erst­mals um Ar­beits­lo­sen­hil­fe er­sucht – der höchs­te Wert seit Ok­to­ber. Auch Bernan­ke muss­te zu­ge­ben, dass sich die Ar­beits­lo­sen­ra­te «nicht in dem Tem­po re­du­ziert, wie wir das ger­ne hät­ten». Vie­le Ana­lys­ten zeig­ten sich von den Job­markt­da­ten ent­täuscht, wie­sen aber gleich­zei­tig dar­auf hin, dass der Ja­nu­ar für sei­ne sai­so­na­len Fluk­tua­tio­nen be­kannt sei. So hät­ten et­wa De­tail­händ­ler vie­le Tem­po­r­ärstel­len ge­stri­chen.

Ser­ver-Chips sind ge­fragt

In­di­zes New York Ge­winn von 4,8 Mrd. $ oder 1.12 $ pro Va­lor wur­de die Kon­sens­er­war­tung der Ana­lys­ten um 12 Cent über­trof­fen. Die Ti­tel no­tier­ten am Frei­tag­mor­gen nach zwei Han­dels­stun­den 2,5% fes­ter. Wäh­rend ge­gen­über dem Vor­jahr auf Kon­zern­ba­sis ei­ne kräf­ti­ge Ge­winn­stei­ge­rung er­zielt wur­de, fie­len die Ein­nah­men im In­vest­ment Ban­king tie­fer aus. Zum er­freu­li­chen Re­sul­tat tru­gen mass­geb­lich tiefere Ver­lus­te auf schlech­ten Kre­di­ten bei, für die die Rück­stel­lun­gen ver­rin­gert wer­den konn­ten. Mehr Geld muss­te J. P. Mor­gan Cha­se hin­ge­gen für po­ten­zi­el­le Kla­gen auf die Sei­te le­gen, die ihr aus dem Hy­po­thekar­be­reich er­wach­sen könn­ten.

We­nig be­rau­schend fie­len am Frei­tag die Zah­len aus dem De­tail­han­del aus: Laut Han­dels­mi­nis­te­ri­um sind die Ver­käu­fe im De­zem­ber ge­gen­über dem Vor­mo­nat um 0,6% ge­klet­tert. Ana­lys­ten hat­ten im Vor­feld je­doch mit ei­nem An­stieg von 0,8% ge­rech­net. Leicht stär­ker als er­war­tet sind hin­ge­gen die Le­bens­kos­ten ge­stie­gen. Der Kon­su­men­ten­preis­in­dex klet­ter­te im ver­gan­ge­nen Mo­nat 0,5%. Öko­no­men hat­ten ei­nen An­stieg von 0,4% pro­gnos­ti­ziert. Die Kern­ra­te blieb tief: Un­ter Aus­schluss der vo­la­ti­len Treib­stoff-und Le­bens­mit­tel­kos­ten stieg der In­dex nur um 0,1%.

Dass die un­si­che­re Wirt­schafts­la­ge die Be­völ­ke­rung be­las­tet, wird in der Kon­su­men­ten­stim­mung sicht­bar. Der von Reuters und der Uni­ver­si­tät Mi­chi­gan er­ho­be­ne Ver­trau­ens­in­dex er­mäs­sig­te sich im Ja­nu­ar von 74,5 auf 72,7. Öko­no­men hat­ten ei­ne leich­te Ver­bes­se­rung er­war­tet. Die Fül­le an zwie­späl­ti­gen Si­gna­len ver­lieh dem Ak­ti­en­markt am Frei­tag­mor­gen kei­nen ein­deu­ti­gen Trend. Nach zwei Han­dels­stun­den no­tier­te der Dow Jo­nes In­dus­tri­al In­dex bei­na­he un­ver­än­dert.

Ma­ra­thon Oil (42.98 $, +14,3%) will sich in zwei un­ab­hän­gi­ge Un­ter­neh­men auf­glie­dern. Schon 2008 hat­te der te­xa­ni­sche Ener­gie­kon­zern ge­plant, das Raf­fi­ne­rie­ge­schäft von der Öl-und Gas­ex­plo­ra­ti­on ab­zu­tren­nen. Die Wirt­schafts­kri­se hat­te die Plä­ne je­doch durch­kreuzt. «Dank der ver­bes­ser­ten Wirt­schafts­la­ge ist die­ser Schritt nun an­ge­bracht», er­klär­te CEO Cla­rence Ca­za­lot Jr. Der Ak­ti­en­markt re­agier­te er­freut: Die Ak­ti­en leg­ten nach Be­kannt­ga­be der Mel­dung deut­lich zu.

Auch der US-Misch­kon­zern ITT (59.45 $, +13,9%) hat an­ge­kün­digt, sich in drei Ge­sell­schaf­ten auf­zu­spal­ten. Zu den se­pa­rat wei­ter­ge­führ­ten Seg­men­ten zäh­len das Was­ser­pum­pen­ge­schäft, In­dus­trie­kom­po­nen­ten für Avia­tik, Ener­gie und Trans­port so­wie das Rüs­tungs­ge­schäft.

Für den US-Kon­zern Camp­bell Soup (34.92 $, +0,9%) heisst das Mot­to «Go East». Der welt­gröss­te Sup­pen­her­stel­ler hat mit Swire Pa­ci­fic ein Jo­int Ven­ture ge­grün­det. Ziel ist es, den Ab­satz von Sup­pen und Brü­hen in Chi­na an­zu­kur­beln. An­ge­sichts der ent­täu­schen­den Ent­wick­lung im Heim­markt ver­sucht Camp­bell Soup seit ge­rau­mer Zeit, den Pro­dukt­ab­satz in den Schwel­len­märk­ten zu for­cie­ren.

Tar­get zieht’s nord­wärts

Tar­get (55.42 $, +0,9%) nimmt das nörd­li­che Nach­bar­land ins Vi­sier. Die zweit­gröss­te Dis­coun­ter­ket­te der USA gab be­kannt, für 1,85 Mrd. $ den Pacht­ver­trag für rund 220 Zweigstellen des ka­na­di­schen De­tail­händ­lers Zel­lers zu über­neh­men. Gleich­zei­tig er­klär­te das Ma­nage­ment, ei­nen In­ter­es­sen­ten für Kre­dit­kar­ten­for­de­run­gen im Wert von über 6,7 Mrd. $ zu su­chen. Der Ver­kauf soll zur Fi­nan­zie­rung der Zel­lers-Ak­qui­si­ti­on bei­tra­gen.

In­si­dern zu­fol­ge könn­te das US-Jus­tiz­de­par­te­ment Goog­le (616.69 $, +0,5%) ei­nen Strich durch die Rech­nung ma­chen. Die Wett­be­werbs­be­hör­de er­wä­ge, die Ak­qui­si­ti­on von ITA Soft­ware zu blo­ckie­ren. Goog­le hat­te im ver­gan­ge­nen Ju­li mit­ge­teilt, die pri­vat ge­hal­te­ne Ge­sell­schaft für 700 Mio. $ über­neh­men zu wol­len. ITA ent­wi­ckelt Soft­ware, die auf die Su­che von Prei­sen und Ver­füg­bar­kei­ten von Flug­ver­bin­dun­gen spe­zia­li­siert ist.

In der Be­richts­pe­ri­ode bis Don­ners­tag stieg der Dow Jo­nes In­dus­tri­al 0,3% auf 11 731,9. Der Nas­daq Com­po­si­te avan­cier­te 0,9% auf 2735,29. Am Ob­li­ga­tio­nen­markt sank die Ren­di­te zehn­jäh­ri­ger Tre­a­su­ry No­tes 12 Ba­sis­punk­te auf 3,3%.

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