Schnell­den­ker mit Au­ge fürs De­tail

Finanz und Wirtschaft - - IN KÜRZE - CG

«Es war ein Kopf­ent­scheid» , sagt Riet Ca­do­nau zu sei­nem Wech­sel an die ope­ra­ti­ve Spit­ze des Si­cher­heits­tech­ni­kers Ka­ba. In der Tat dürf­te es ihm nicht leicht ge­fal­len sein, den Pos­ten als CEO von As­com per An­fang April an den in­ter­nen Nach­fol­ger Fritz Mu­mentha­ler ab­zu­tre­ten. Ca­do­nau kennt die Tech­no­lo­gie­grup­pe be­reits seit 2001 von in­nen und hat sich in den ver­gan­ge­nen Jah­ren un­er­müd­lich da­für en­ga­giert, sie in ru­hi­ge­res Fahr­was­ser zu brin­gen. Mit si­che­rer Hand hat er den einst im­mer wie­der von Rück­schlä­gen ge­plag­ten Kon­zern durch die schwers­te Re­zes­si­on seit Jahr­zehn­ten ma­nö­vriert und im rech­ten Mo­ment die Se­gel für neu­es Wachs­tum ge­setzt. Kein Wun­der, lässt das die Bör­se nicht kalt: Als die Jo­bro­cha­de des bald 50-jäh­ri­gen Ba­sel­bie­ters mit Bünd­ner Blut in den Adern am Mitt­woch an­ge­kün­digt wur­de, rück­ten die Ak­ti­en Ka­ba 5% vor, wäh­rend As­com fast 6% im Mi­nus schlos­sen. Ca­do­nau hin­ter­lässt sei­nem Nach­fol­ger ei­nen auf­ge­räum­ten La­den. «As­com ist heu­te ein so­li­des und ge­sun­des Un­ter­neh­men», zieht er Bi­lanz. Der Ge­ne­ral­stabs­off­zier der Schwei­zer Luft­waf­fe, der in­ter­ne Ge­schäfts­be­spre­chun­gen stets im Ste­hen ab­hält und nie lan­ge um den heis­sen Brei her­um­re­det, ar­bei­te­te zu­nächst elf Jah­re für IBM. Als er dann zu As­com stiess, führ­te der Be­triebs­wirt die Spar­te Trans­port Re­ve­nue mit dem schwer ver­lust­träch­ti­gen Fahr­schein­au­to­ma­ten­ge­schäft auf den Er­folgs­pfad. 2005 wur­de sie samt Ma­nage­ment an den ame­ri­ka­ni­schen ITDi­enst­leis­ter ACS ver­kauft, der in­zwi­schen zu Xerox ge­hört.

Kaum zwei Jah­re spä­ter hol­te ihn As­com-Prä­si­dent Ju­ha­ni Ant­ti­la zu­rück, nach­dem er CEO Ru­dolf Ha­dorn in den Tur­bu­len­zen um das En­ga­ge­ment der ös­ter­rei­chi­schen Be­tei­li­gungs­ge­sell­schaft Vic­to­ry von Ron­ny Pe­cik und Georg Stumpf ge­schasst hat­te. Ca­do­nau, der als sehr dis­zi­pli­niert gilt und gern auch in De­tail­fra­gen die Kon­trol­le be­hält, setz­te den ein­ge­lei­te­ten Stra­te­gie­wech­sel mit ho­hem Tem­po um. Un­ter sei­ner Ägi­de wur­den zwölf Trans­ak­tio­nen voll­zo­gen, dar­un­ter neun De­ves­ti­tio­nen. Sein gröss­ter Coup aber war die Über­nah­me der Erics­son-Ge­schäfts­ein­heit Tems. Zu­sam­men mit dem be­ste­hen­den Ge­schäft so­wie zwei klei­ne­ren Zu­käu­fen hat er aus ihr die neue Spar­te Net­work Tes­ting ge­formt und As­com da­mit auf ei­ne brei­te­re Ba­sis ge­stellt (vgl. Sei­te 18). Dass sich der cha­ris­ma­ti­sche Schnell­den­ker nach gut drei Jah­ren an der Spit­ze von As­com be­reits ei­ner neu­en Her­aus­for­de­rung stellt, ist nach­voll­zieh­bar. Wenn er An­fang Ju­li Ru­dolf Weber als CEO von Ka­ba ab­löst, wird er ein glo­ba­les Un­ter­neh­men füh­ren, das dop­pelt so gross ist und al­lein in Chi­na rund 2000 Mit­ar­bei­ten­de be­schäf­tigt. Seit 2006 im Ver­wal­tungs­rat von Ka­ba, weiss Riet Ca­do­nau, was ihn er­war­tet. An­ders als bei As­com geht es nicht um ei­nen Tur­naround­fall. Ka­ba ist ei­ne tech­nisch hoch­ver­sier­te Cash­ma­schi­ne, die sich zu­neh­mend am Markt ori­en­tiert. Zu den Kern­auf­ga­ben des an­ge­hen­den Kon­zern­chefs dürf­te es da­her ge­hö­ren, die Er­trags­kraft wei­ter zu stär­ken und al­len­falls ex­ter­nes Wachs­tum zu for­cie­ren. Es wür­de kaum er­stau­nen, wenn der zwei­fa­che Fa­mi­li­en­va­ter und pas­sio­nier­te Win­ter­sport­ler die Zwi­schen­zeit nutzt, um sich gründ­lich auf sei­nen neu­en Auf­trag vor­zu­be­rei­ten.

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